Vor Kommunalwahlen in Südafrika: Der Alte duldet niemanden neben sich

Die linkspopulistische Partei MK in Südafrika verliert eine Führungsperson nach der anderen. Parteichef Jacob Zuma wirft sie immer wieder raus.
Foto: Alet Pretorius/reuters
Kurz vor den Kommunalwahlen in Südafrika am 4. November zerlegt sich die größte Oppositionspartei. Die von Expräsident Jacob Zuma gegründete MK (uMkhonto weSizwe), die bei den Parlamentswahlen 2024 erstmals in Erscheinung trat, hat jetzt schon den achten Generalsekretär in unter zwei Jahren rausgeschmissen. Zusammen mit zunehmender Ungewissheit über den Gesundheitszustand des mittlerweile 84-jährigen Parteichefs ergibt sich ein außergewöhnlich delikates Bild.
Die Entlassung von Generalsekretär Sibonelo Nomvalo erzeugt den Eindruck, dass MK auf dem Weg zur Selbstzerstörung ist, nur wenige Tage vor entscheidenden Wahlen. Die Partei von Jacob Zuma entstand eigentlich als Kampfansage gegen Südafrikas regierenden ANC (African National Congress); sie sorgte dafür, dass der ANC bei den Wahlen 2024 erstmals seine absolute Mehrheit in Südafrikas Parlament verlor, und ist besonders in Zumas Heimatprovinz KwaZulu-Natal stark. Als größte nicht an der 2024 gebildeten Regierung der Nationalen Einheit beteiligte Partei ist sie die Hauptopposition im südafrikanischen Parlament.
Aber die leichtfertige Weise, wie MK ihr Führungspersonal verschleißt, macht es schwer, diese Rolle auszufüllen. Welche Rolle Zuma bei der Entlassung des Generalsekretärs gespielt hat, ist unklar; vor Kurzem wurde er aus nicht bekannt gegebenen Gründen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Führungsämter bei MK sind allesamt nicht gewählt, sie werden von Zuma bestimmt.
Der jetzt entlassene Nomvalo war erst seit März im Amt gewesen. Er sei nun, erklärte MK, seines Amtes enthoben worden aufgrund von „Sorgen über die Auswahl von Kommunalräten, innere Fraktionsbildung, Mehrfachbezahlung, Verzögerung bei der Lieferung von Wahlkampfmaterial, dem Parteichef und dem Parteipräsidium nicht gemeldete Veränderungen in der Mitarbeiterschaft der Parlamentsfraktion sowie die Einsetzung hochrangiger Ausschüsse ohne Kenntnis der zuständigen Parteigremien“. Damit habe er Parteiregeln verletzt, erklärte die Partei am späten Donnerstag.
„Am 4. November wird MK abstürzen“
Als Ersatz wurde Lindiwe Mtshali zur amtierenden Generalsekretärin ernannt. Er soll mit MK-Geschäftsführer Mxolisi Phakathi, der bei den Kommunalwahlen als MK-Bürgermeisterkandidat für den Großraum eThekwini um KwaZulu-Natals größte Metropole Durban antritt, für Kontinuität im Parteiapparat sorgen und „die effektive Ausführung von Beschlüssen der autorisierten Führungsstrukturen der Partei sicherstellen“.
Seit der Parteiführung im Dezember 2023 hat MK schon sieben andere Generalsekretäre verschlissen: Thanduxolo Dyodo, Mashudu Tshivhase, Sihle Ngubane, Arthur Zwane, Sifiso Maseko, Floyd Shivambu und Bongani Mncwango. „Dieser Zuma-Club überrascht uns immer von Neuem“, sagt Kommentator Sabelo Gebenga. „Am 4. November wird er abstürzen. Ich frage mich, ob MK bei Südafrikas nächsten Parlamentswahlen 2029 noch da sein wird.“
Ein lokaler Analyst geht im Gespräch davon aus, dass MK in seinen Hochburgen in KwaZulu-Natal jetzt schlecht abschneiden wird. Zwar würden Menschen, die die Partei hauptsächlich wegen Jacob Zuma und seiner populistischen Begehrlichkeit wählen, jetzt nicht wegen einer administrativen Angelegenheit anders abstimmen. „Doch die Sache könnte die Mobilisierung der Wähler auf kommunaler Ebene schwächen. Dort kommt es auf geräuschloses Funktionieren der Parteistrukturen und stabile lokale Führung an.“
Nicht nur Generalsekretäre sind bei MK kurzlebig. Die Partei hat allein in diesem Jahr schon zwei Parlamentsabgeordnete hinausgeworfen, Pumlani Kubukeli und Khanyisile Litchfield-Tshabalala, dazu Geschäftsführer Nathi Nhleko, ein ehemaliger Polizeiminister unter Präsident Zuma: außerdem den Ersten Vizepräsidenten John Hlophe, die stellvertretende Generalsekretärin Nomusa Dlamini, Jcob Zumas Tochter Duduzile Zuma-Sambudla und Parteisprecher Nhlamulo Ndhlela.
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