Darknet Diaries Deutsch: Der Spion im Wohnzimmer - Teil 2
Dies ist der zweite Teil von „Der Spion im Wohnzimmer“. (Wenn Ihr Teil eins noch nicht gehört habt, fangt am besten da an.) Im englischen Original von Jack Rhysider trägt diese Episode den Namen „SuperBox“.
Die deutsche Produktion verantworten Judith Hohmann und Marko Pauli von heise online. Der Podcast erscheint wöchentlich auf allen gängigen Podcast-Plattformen und kann hier abonniert werden.
JACK: Dies ist Teil 2 von "Der Spion im Wohnzimmer". In der ersten Folge hat die Security-Forscherin D3ada55 eine SuperBox aus dem Haushalt ihres Vaters untersucht und dabei entdeckt, dass diese so harmlos aussehende TV-Streaming-Box es faustdick hinter den Antennen hat. So sendete die Box große Datenmengen an Server in China und spähte offenbar auch andere Geräte im Heimnetz aus. D3ada55 wurde klar: Dieses Gerät sollte besser nicht benutzt werden. Aber: Wer bringt solche Boxen überhaupt in Umlauf und welche Interessen sind damit verbunden? Dazu jetzt mehr im die Episode abschließenden Teil 2.
Das Geschäft mit der Box von nebenan
D3ADA55: Natürlich sehe ich auf Social Media, auf all den verschiedenen Plattformen, Sachen wie: Also, meine Eltern haben eine geschenkt bekommen. Mein Onkel hat uns davon erzählt. Wie gesagt, es gab viele solcher Fälle. Ein Freund aus Sacramento hat mir erzählt, dass er eine alleinerziehende Mutter, die in der Nachbarschaft bekannt ist, damit gesehen hat. Und ich dachte mir: Das ist so seltsam. Aber wenn das unversteuertes Geld ist und man sich nebenbei was dazuverdienen will, ist das ein tolles Geschäft. Ich meine, das ist...
JACK: Ich meine, wenn wir zurückblicken – ich glaube, es war Ende der 90er, Anfang der 2000er –, da hatten wir etwas Ähnliches, wo man eine Art Streaming-Box kaufen konnte. Es war eine Kabelbox, aber es war wie eine...
D3ADA55: Wie eine Blackbox oder so?
JACK: Ja, sie war gejailbreakt, und so bekam man kostenloses Kabelfernsehen. Das wurde aber nicht von den Müttern in der Nachbarschaft verkauft.
D3ADA55: Richtig.
JACK: Das wurde nicht von deinem – vielleicht von deinem Onkel verkauft, aber...
D3ADA55: Aber es war irgendein Typ.
JACK: Es wurde in den zwielichtigen Teilen der Stadt verkauft. Oder man musste jemanden kennen, der jemanden kannte, der jemanden kannte, und dann einen Deal mit denen machen, um seine raubkopierte – du weißt schon, seine gejailbreakte Kabelbox zu bekommen. Das hier ist etwas anderes. Da steckt eine ganz andere Art von Geschäft dahinter. Denn die Leute, die das verkaufen, sind auf eine gewisse Weise fast wie Drücker oder Schlepper...
D3ADA55: Ja, genau.
JACK: sie haben so sechs Nebenjobs oder so, und sie haben viel Freizeit.
D3ADA55: Mhm. Es gibt da eine eigenartige Profilüberschneidung, die mir aufgefallen ist, denn am Anfang waren das Immobilienmakler. Und ich dachte mir: Okay, das könnte ich irgendwie verstehen. Dann sehe ich online Berichte, wo jemand schreibt: Mein Kabeltechniker wollte mir eine verkaufen. Und ich denke mir: Dein Kabeltechniker, der gerade dein Internet installiert hat, versucht dir eine dieser Boxen zu verkaufen? Wie bitte? Und wenn man erstmal anfängt, sich das Ganze genau anzusehen. Ich denke mir: Okay, jetzt fange ich an, Leute zu sehen – wie du schon gesagt hast, mit fünf, sechs Businesses, und zwar keine technikaffinen Leute. Die sagen einfach: Och ja, das funktioniert einfach. Ich benutze meine schon seit zwei Jahren. Ich habe keine Probleme. Das sind meistens diejenigen, die in vielen Social-Media-Posts reingehen und jeden niedermachen, der versucht, was Negatives darüber zu sagen. Die sind bereit, jede Kritik im Keim zu ersticken, sobald man versucht, darüber zu posten.
JACK: Die Marketingbilder für dieses Ding sind absolut albern. Es gibt eins mit einer Familie, die auf einer Couch sitzt, was wie ein Stockfoto aussieht. Die SuperBox ist ganz unnatürlich vor ihnen auf dem Fernseher platziert, und die Mutter lächelt, ist total glücklich mit dem Ding und hält ihre Tochter im Arm. Auch hier sieht es für mich so aus, als würde das Ding Familien in den Vororten ins Visier nehmen.
D3ADA55: Es gibt hier einen Aspekt, über den wir in der Cybersicherheit meiner Meinung nach nicht genug sprechen, und das ist wirklich die Cyberpsychologie von uns als Konsumentinnen, von jedem eigentlich. Wir haben kein Gefühl dafür, Scams und solche Sachen zu verstehen. Wir verlieren jedes Jahr Milliarden von Dollar z.B. durch Pig Butchering, also diese Betrugsmasche, bei der Opfern über gefälschte Krypto-Plattformen das Geld aus der Tasche gezogen wird. Wir verlieren es aber auch durch Phishing und alle möglichen Schnell-reich-werden-Maschen. Jeder will schnelles Geld machen, oder jeder denkt: Ich werd nicht mehr auf irgendwas warten, ich werde jetzt Millionär. Oder eben: Ich darf fernsehen und sehe das Problem nicht.
JACK: Ich wollte erst widersprechen und sagen: Naja, weißt du, wir gehen davon aus, dass die Sachen, die wir kaufen, ja bereits geprüft und sicher sind und all das...
D3ADA55: Absolut.
JACK:: ...sonst stünden sie ja nicht im Laden, denn der Laden sollte ja irgendeine von Verantwortung tragen.
D3ADA55: Es gibt einen Vertrauensvorschuss, wenn man zum Beispiel zu Best Buy geht. Es gibt einen Grund, warum ich mich nicht hier an die Ecke stelle und sage: Hey, hat jemand ein iPhone 17, das ich mal eben kaufen kann? Ich gehe zu Apple oder direkt zu Best Buy. Wie du schon sagst, als Konsumenten, besonders in den USA, gehen wir zu Best Buy und gehen davon aus, dass das, was wir bekommen, in Ordnung ist.
JACK:: Okay. Mal eine Frage: Als die FBI-Warnung herauskam, ist das Zeug dann von Best Buy und Walmart verschwunden?
D3ADA55: Nein, es ist immer noch da. Ein Teil des Problems ist, dass die sehr unkontrollierte Drittanbieter-Marktplätze haben. Allerdings hab ich Berichte von anderen Kontakten bekommen, dass sie ein Elternteil hatten, das ne Box direkt aus dem Regal bei Best Buy kaufen konnte.
JACK: Was?
D3ADA55: Da dachte ich mir: Wie konnte das passieren? Denn es ist sehr schwer, Sachen bei Best Buy ins Regal zu bekommen. Aber wenn es da diesen anderen Einfluss gibt, so nach dem Motto: Hey, lass mich dir mal ein bisschen Bargeld in diesem Umschlag zustecken, und dann stell das hier mal bei Best Buy ins Regal. Also ich kann mir absolut vorstellen, dass das passiert. Wenn wir uns die menschliche Natur uns so angucken.
JACK: Könnte sein, dass sie mal von den Online-Marktplätzen gelöscht wurde, aber dann ist es ein Katz-und-Maus-Spiel, und dann kehrt sie einfach wieder zurück. Da ist halt ein anderer Verkäufer, der sie anbietet, und noch'n anderer, und vielleicht gibt es Dutzende oder Hunderte von Leuten, die versuchen, es wieder auf Amazon zu bringen. Da Amazon dieses System hat, bei dem jeder kommen und etwas verkaufen kann, wird es für Amazon sehr schwer, das Katz- und Maus-Spiel zu gewinnen.
D3ADA55: Das zu überwachen, ja.
JACK: Okay, denkst du, dass das so geschehen ist?
D3ADA55: Ich denke, das hat wahrscheinlich viel damit zu tun. Ich meine, die Sache mit dem Drittanbieter-Marktplatz – ich frage mich immer noch, wie Temu aus dem Nichts kam und im ersten Jahr seiner Existenz zwei Super-Bowl-Werbespots kriegen konnte. Aber ja, bei Amazon habe ich vor kurzem geguckt, und es ist mittlerweile tatsächlich schwerer, sie zu finden. Ich denke, Amazon hat da einige Änderungen vorgenommen. Aber bei Walmart sind die immer noch seitenweise. Wie gesagt, die Unternehmen verdienen viel Geld damit, all diese Verkäufer auf ihren Marktplätzen zu haben, aber sie verkaufen was, das ziemlich gefährlich ist.
JACK: Gefährlich – aber nicht unbedingt auf eine Art, die man beim Kauf sofort erkennt. Nico Jurran, c’t-Redakteur und dort unter anderem für Audio und Video zuständig, hat mir erklärt, was im Hintergrund solcher Boxen möglicherweise passiert und warum das für Nutzende in Deutschland unangenehme Folgen haben kann.
NICO JURRAN: Problematisch ist zunächst, dass die Nutzer oft gar nicht wissen, was diese Boxen im Hintergrund machen. Manche Apps sehen aus wie ein ganz normaler Streamingdienst, benutzen aber BitTorrent. Und bei BitTorrent schaut man eben einen Film nicht nur an, sondern während man ihn herunterlädt, stellt man Teile davon automatisch auch anderen Nutzern zur Verfügung. Das kann in Deutschland schnell teuer werden, weil Rechteinhaber solche Tauschbörsen überwachen und die IP-Adressen der Nutzer ermitteln können. Dann droht eine Abmahnung, obwohl der Nutzer vielleicht dachte, er würde einfach nur einen Film streamen. Und das ist uns gerade bei den Recherchen ganz häufig aufgefallen, dass wir Rechtsanwälte, die auf dem Gebiet der Abmahnungen tätig sind, gesprochen haben und die uns erzählt haben, dass viele ihrer Mandanten ganz überrascht waren, dass sie auch Filme geteilt haben und dass sie da ermittelt worden sind. Und die haben also überhaupt nicht verstanden, was da im Hintergrund eigentlich auf der Box los ist.
JACK: Meine Güte, dieses Gerät ist so heimtückisch in der Art, wie es sich in Häuser im ganzen Land einschleicht. Wir Menschen sind anfällig für Betrug und Manipulation, und das scheint das perfekte Ding zu sein, um das auszunutzen. Die Leute haben es auch einfach satt, für zwanzig verschiedene Streaming-Dienste zu bezahlen. Wenn man für Netflix, Disney+, Amazon Prime und HBO Max bezahlt, hat man immer noch keine Nachrichtensender. Es ist alles so zersplittert. Ich erinnere mich gerade an dieses YouTube-Video von videogamedunkey, der einen Guide hat, wie man alle Staffeln von Pokémon schauen kann. Hier, hört mal rein.
DUNKEY [ROBIN]: Für Pokémon gibt es eine Website, die einem sagt, wie man das schauen kann. Man fängt auf Netflix an, wechselt dann zum Pokémon-Streaming-Dienst, dem einzigen Ort, der Staffel 2 hat, wechselt dann zu Prime Video für die Staffeln 3 bis 5, wechselt zu Freevee, dann Hoopla. Staffel 13 gibt es allerdings nur auf Amazon. Dann wechselt man zu Tubi, dann Hulu, dann zum Roku Channel, und dann schließlich zurück zum Pokémon-Streaming und dann Netflix. Ganz einfach.
JACK: Was ist das überhaupt für ein Verhalten von diesen Streaming-Diensten? Es ist, als würden die Zuschauenden umso mehr verlieren, je mehr die Dienste für sich selbst kämpfen. Disney hat Marvel 2009 für 4 Milliarden Dollar gekauft, aber nicht einmal Disney+ hat die Rechte, alle Spider-Man-Filme zu zeigen? Was geht hier ab? Diese SuperBox trifft uns genau an unserem wunden Punkt, wenn es darum geht, Serien und Filme zu schauen. Sie löst so viele Probleme. Die Leute wollen nicht raubkopieren, aber wenn es so teuer und kompliziert ist, die Serien zu finden, die man schauen will, dann wandern sie einfach zu einem einfacheren Weg ab, um die Serien zu schauen. Es ist nicht einmal billiger, da sie 300 oder 400 Dollar für eine dieser Boxen zahlen, die einfach alle Serien hat, die sie haben wollen.
Sie würden vielleicht sogar eine monatliche Gebühr zahlen, wenn es für einen Streaming-Dienst wäre, der ihnen das gibt, was sie wollen. Aber Piraterie nimmt zu, weil Streaming-Dienste heute so kompliziert und frustrierend sind. Und wenn es 1000-mal einfacher ist, einen Film raubzukopieren, als zu recherchieren, wo Dinge gestreamt werden, nur um dort einen Account zu erstellen, nur um dann festzustellen, dass sie ihn dort nicht mehr streamen, dann werden die Leute aufgeben und einfach raubkopieren. Ehrlich gesagt gebe ich den Streaming-Diensten die Schuld für diese Explosion der Piraterie, die wir derzeit erleben. Sie müssten einfach anfangen, ihre Nutzer mit mehr Respekt zu behandeln, dann wären alle glücklicher.
Weitere Boxen, neue Fragen
D3ADA55: Ich war extrem auf die SuperBox fokussiert, aber dann hab ich einige gleiche Merkmale noch bei anderen Verkäufern und Leuten in den sozialen Medien gesehen, die über die vSeeBox gesprochen haben. Also wieder so ein Ding, das noch Irgendwas-Box heißt, aber viel davon war gleich. Zum Beispiel: Wir haben diese Playback-Funktion, man bekommt alle Sender rein und so. Ich dachte mir: Das kommt mir bekannt vor. Also fange ich an, auch der vSeeBox nachzugehen, und kaufe mir eine davon.
JACK: Das Ding sieht genauso eigenartig aus.
D3ADA55: Da war auch wieder so ein komischer Reddit-Post. Reddit war insgesamt seltsam und hat mir all diese kleinen Hinweise geliefert, übrigens, weil sich die Leute im Piraterie-Reddit einfach selbst verraten haben. Aber dieser spezielle Post, der ist für mich rausgestochen, weil sie meinten: Hier gibt es kein Chinesisch. Ich habe die neue Box bekommen und sie hat immer noch alle Sender, und sie ist besser als die SuperBox.
JACK: Steht da „kein Chinesisch hier“?
D3ADA55: Ja, das steht da wortwörtlich – das ist das Erste, was da steht. So haben sie den Post angefangen. Warum? Was? Wer? In dem Thread hatte niemand was über China gesagt. Das war das Seltsame daran. Ich dachte mir: Warum verrätst du dich selbst? Also lese ich diesen Post. Diese spezielle Person meinte: Nein, alles war großartig. Mein Verkäufer war super. Alles funktioniert. Die ist das Beste überhaupt. Ihr solltet euch die vSeeBox holen. Ich denke mir: Warum gibt es noch eine? Die sehen fast aus wie konkurrierende Firmen. Ich kaufe also eine, und sie funkt auch direkt nach China über die Tencent-Infrastruktur. Bin ich verrückt? Also packe ich sie alle zusammen ins selbe Netzwerk, und sie fangen an, miteinander zu kommunizieren.
JACK: Wirklich?
D3ADA55: Ja. Ich dachte mir: Oh nein, könnt ihr Dinger fühlen? Ich hab Angst. Also, wie gesagt, ich grabe weiter. Ich schaue wieder, bekomme tatsächlich Zugang – ich habe zu diesem Zeitpunkt CENSUS benutzt, weil ich Anfang 2025 bei CENSUS angefangen habe zu arbeiten.
JACK: Was ist deren Tool?
D3ADA55: Das ist Internet Intelligence, Internet-Scanning, wie quasi die Shodan Suchmaschine, aber in krass. Während das Ganze also weitergeht, wird es immer seltsamer. Ich verfolge jetzt die verschiedenen Marketingkampagnen. Ich tracke, wann neue Modelle rauskommen. Als ich angefangen habe, war die SuperBox S5 aktuell, und jetzt sind sie schon bei Version 7. Sie bringen also immer noch...
JACK: Sie bringen neue Versionen raus.
D3ADA55: Ja, neue Versionen.
JACK: Wow.
D3ADA55: Ich denke mir: Wow, das Ding hat jetzt sogar einen USB-C-Anschluss. Guck mal, wie die loslegen. Wie gesagt, es ging einfach weiter. Gegen Ende 2025 hab ich dann vermehrt Beiträge auf Reddit gesehen über blockierte, verdächtige Aktivitäten von Nutzern. Die haben solche Nachrichten bekommen wie: ‚Mein Internetanbieter sagt, dass ich bösartige IP-Adressen aufrufe‘ und solche Sachen. Und ich dachte mir: Okay, die Sache kommt wohl langsam ins Rollen, weil es erste Signale gab, dass die Leute endlich was merken und entsprechende Änderungen an ihrer eigenen Infrastruktur vornehmen. Ich habe also weitergesucht und Anfang letzten Jahres eine dritte Box, die Magabox entdeckt.
JACK: Manga.
D3ADA55: Maga.
JACK: Oh, Magabox.
D3ADA55: Wie M-A-G-A. (wie Make America Great Again)
JACK: Oh mein Gott.
D3ADA55: Die hat mir jetzt endlich die Antwort geliefert, nach der ich gesucht habe, und zwar durch einen interessanten Verge-Artikel, über den ich gleich noch was sage. Aber das ist mir natürlich ins Auge gestochen, weil ich mich gefragt habe: An wen um alles in der Welt könnten die sich wohl richten? Ich dachte mir einfach: Wow. Das ist so offensichtlich, und sie sah genauso aus wie die SuperBox. Das hat mich gepackt. Ich dachte: Warum sieht die aus wie die SuperBox? Ich verstehe das nicht. Wie gesagt, es gab einfach so viele seltsame Dinge. Und ich hab mich gefragt: Warum passiert das immer noch? Einfach noch so viele „Warum-Fragen“.
JACK: Hast du dir eine der Magaboxen besorgt?
D3ADA55: Habe ich. Ich weiß nicht, ob die sie abgeschaltet haben oder was, denn ich habe sie neulich angeschlossen, um sie wieder in mein kleines Baby-Botnet zu Hause zu packen, und sie hat keine Updates oder so bekommen. Da könnte also etwas anderes schiefgelaufen sein, oder sie haben den Fokus einfach wieder auf die anderen verlagert. Aber ja, ich habe sie eine Weile laufen lassen; aber irgendwie das Gleiche. Hatte einen seltsamen kleinen App Store. Hol dir die kleine Video-App. Schau deine TV-Serien. Hier sind die lokalen Senderlisten. Man hat Zugang zu all den verschiedenen Kategorien, aber sie funktionierte wie die anderen beiden.
JACK: Kommen die Dinger mit Fernbedienungen?
D3ADA55: Ja, mit Fernbedienungen.
JACK: Irgendwas Interessantes in der Fernbedienung?
D3ADA55: Die haben aus irgendeinem Grund selbstsignierte Zertifikate. Sie haben natürlich Mikrofone, aber auch hier haben sie als Fernbedienungen offene Ports. Wenn ich also im Internet nach SuperBoxen suche, kann ich die Ports sehen, aber es ist die Fernbedienung. Ich habe da also noch ein paar Geheimnisse zu lösen, aber ich habe auch gesehen, dass sie eine lange Antenne hat. Ich frage mich: Warum ist diese Antenne so lang, wenn das doch eigentlich nur eine Infrarot-Fernbedienung ist?
JACK: Ja. Okay, also Infrarot bräuchte nicht einmal eine Antenne.
D3ADA55: Genau.
JACK: Hast du irgendwelche – weißt du, welche Protokolle sie verarbeiten kann?
D3ADA55: Ich weiß, dass es Bluetooth ist. Meine paranoide Verschwörungstheorie: Mobilfunk. Aber ich hab das noch nicht bestätigt. Ich spreche mit ein paar Mobilfunk-Expertinnen, um zu sehen, ob wir einen Weg finden können, das herauszufinden. Aber noch mal: Es ist sehr seltsam, denn bei den meisten Android-Boxen, die ich gefunden habe – ich habe ein paar billige gekauft –, gibt es nur eine normale Android-TV-Fernbedienung.
JACK: Okay.
D3ADA55: Die Fernbedienungen sind spezifisch für die SuperBox, mit der sie kommen, oder die vSeeBox, mit der sie kommen. Man muss die Fernbedienung benutzen, die dabei sind. Selbst wenn man zum Beispiel auf Amazon oder Best Buy geht und nach einer SuperBox-Fernbedienung sucht, ist es immer eine spezifische Fernbedienung, die man nur mit diesen Boxen benutzen kann. Sie funktioniert nicht mit anderen Android-Boxen, was auch schon seltsam ist.
JACK: Gott, dieses Ding wird einfach immer schlimmer. Es ist wie ein endloser Albtraum. Die Fernbedienung hat ein Mikrofon? Zu diesem Zeitpunkt bin ich mir sicher, dass das Ding immer an sein muss und zuhört und vielleicht sogar KI nutzt, um zu analysieren, was in der Privatsphäre unserer Wohn- und Schlafzimmer gesagt wird, und diese Gespräche wer weiß wohin schickt. Das Wohnzimmer ist wahrscheinlich der Ort, an dem man private Telefonate und so führt. Oh Mann! Die Fernbedienung interagiert über Infrarot mit der SuperBox. Warum um alles in der Welt ist da überhaupt eine Bluetooth-Antenne dran?
Lasst mich euch in diesem Zusammenhang sagen: Viele von uns sind wandelnde Bluetooth-Signale. Das Bluetooth auf unserem Smartphone sucht immer nach etwas, womit es sich verbinden kann. Ihr habt vielleicht eine Bluetooth-Smartwatch oder Earbuds, und ich habe schon Herzschrittmacher und Hörgeräte mit Bluetooth gesehen, und das alles kann einen ziemlich einzigartigen Fingerabdruck von euch erstellen. Ich meine, wolltet ihr schon mal ein neues Bluetooth-Gerät hinzufügen und seht dann Dinge wie Dianes Kopfhörer oder Bills Fitness-Tracker? Ich nehme an, dass diese Box notiert, welche Bluetooth-Geräte in seine Nähe kommen, damit es erkennt, wer gerade in der Nähe ist.
Als Randnotiz: Um meine persönliche Verteidigungsstrategie für zu Hause zu verbessern, habe ich mir vor Kurzem eine Bluetooth-Antenne besorgt, die einfach scannt, welche Bluetooth-Geräte in der Nähe meines Zuhauses sind, und das dann aufzeichnet. Die Idee dahinter: Falls jemals jemand bei mir einbricht, werde ich die Logs durchgehen, um zu sehen, welche Bluetooth-Geräte zu diesem Zeitpunkt in Reichweite waren, und ich werde dann versuchen herauszufinden, ob sie schon mal da waren, um so zu ermitteln, wer es gewesen sein könnte.
Durch das Abhören von Bluetooth-Signalen lassen sich zahlreiche Daten gewinnen. Wenn diese Fernbedienung der Box also über eine Bluetooth-Antenne verfügt – und zwar eine ziemlich lange –, und zudem ein ziemlich bösartiges kleines Gerät ist, kann man nur vermuten, wofür sie alles diese Antenne nutzt. Nicht zu vergessen, dass sie Bluetooth für die vorgegebene Funktion gar nicht braucht. Man kann keine Verbindung auf diese Weise herstellen, und sie versucht auch nicht, sich mit Bluetooth-Lautsprechern oder Ähnlichem zu verbinden. Die Bluetooth-Antenne ist verdeckt eingebaut und für den Nutzer nicht zugänglich. Brr!
D3ADA55: Dann kommen wir zum Herbst 2025. Da ist die BSides Portland.
JACK: Ich war tatsächlich da auch auf der BSides in Portland, ne Hacker-Konferenz, und zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits etwa ein halbes Dutzend Vorträge über diese Box gehalten, aber da gerade eine staatliche Untersuchung läuft, gelten strenge Regeln: keine Kameras, keine Mikrofone, keine Aufzeichnungen, keine Fotos. Sie hält da also einen sehr geheimnisumwitterten Vortrag, und, ich muss sagen, es war einer der besten Vorträge, die ich je gesehen habe. Das Publikum war danach vollkommen perplex. Um sie herum drängte sich eine Menschenmenge, die ihr immer mehr Fragen zu ihren Entdeckungen stellte und ihr aber auch weitere neue Informationen gab. Auch ich stand da, völlig verblüfft von der ganzen Sache, und hörte Ewigkeiten zu, wie alle ihr Fragen stellten.
Alle waren von dieser kleinen Box fasziniert. Das war etwa das dritte oder vierte Mal, dass ich einen Vortrag von ihr darüber gesehen habe - und es wird jedes Mal besser, weil es einfach immer mehr zu der Geschichte gibt. Jedes Mal habe ich ihr gesagt: Ey, wenn du bereit bist, lass uns bitte eine Episode machen. Sie war da allerdings sehr zögerlich, hauptsächlich, weil es eben ne laufende Untersuchung gibt. Wenn sie über alles sprechen würde, könnte das ja auch die Möglichkeit zunichte machen, weitere Beweise zu sammeln. Aber gleichzeitig loderte es in ihr. Sie wollte die Geschichte als Warnung an alle - auch an ihre Eltern - raushauen: Kauft diese Dinger nicht! Aber, wie gesagt, sie hatte auch Bedenken, also meinte sie zu mir: „Noch nicht. Aber bald.“
D3ADA55: Kurz darauf meldete sich Herr Krebs bei mir und erkundigte sich nach der SuperBox. Er hat danach einen wirklich guten Artikel geschrieben, in dem er im Wesentlichen die Zusammenhänge zwischen den SuperBoxen und den privaten Proxy-Netzwerken aufschlüsselt. Ich hätte nicht gedacht, dass die Entdeckung der SuperBox eine so große Sache werden würde. Ich dachte mir einfach: „Hey, das wollte ich mal teilen.“ Und dann stellte sich raus, dass all das Thema mit den privaten Proxys, den Botnetzen und all dem, was wir in den Nachrichten sehen – vieles davon waren Durchbrüche, die auf das zurückzuführen waren, was wir alle bei der Untersuchung von den Streaming-Geräten entdeckt hatten. Bis kurz davor hatten wir die noch gar nicht als echten Angriffsvektor angesehen.
JACK: Wenn sie Mr. Krebs sagt, meint sie Brian Krebs, den Journalisten hinter Krebs on Security. [Zu D3ada55] Was hältst du von dem Artikel?
D3ADA55: Weißt du was? Ich dachte mir, ich habe im Artikel sachlich nichts Falsches gesagt. Das war schon mal gut. Das war schon ein guter Artikel, denn ich glaube, dass er noch ein weiterer großer Anstoß war, um einfach Bewusstsein zu schaffen. Einige großartige Leute wurden in diesem Artikel zitiert, Leute von Spur Intelligence und so, die sich auch auf Proxy-Netzwerke und solche Sachen spezialisieren. Das ist es, wonach sie suchen. Es war wirklich cool, diese verschiedenen kleinen Puzzleteile zusammen zu sehen, dann das Gesamtbild zu erkennen und es auf eine zugängliche Weise erklärt zu bekommen. Denn wenn man hier sitzt und mir zuhört, wie ich darüber rede, denkt man sich: Oh mein Gott, das ist so viel Zeug. Ich weiß, aber es gibt eine Menge von diesem anderen Zeug, das sich irgendwie zu diesen Großereignissen aufbaut, die wir Anfang 2026 und Ende 2025 hatten.
Der Krebs-Artikel kommt also heraus, und dann werde ich gephisht, oder zumindest hat jemand versucht, mich zu phishen. Denn als Herr Krebs diesen Artikel veröffentlicht hatte, besorgte sich ein anderer Internet-of-Things-Forscher eine SuperBox und fing an, einige coole Sachen zu finden, und es gab einen Post über den Shop selbst. Das Repo, das sie benutzt haben, also das Quellcode-Archiv, war einfach öffentlich. Als das Thema auf YouTube wegen Matt Browns Arbeit größer wurde, war der Shop plötzlich nicht mehr da. Man kann das Repo nicht mehr finden. Dann bekomme ich diese E-Mail, in der steht: Hey, hast du die App-Store-Dumps? Hast du TCP-Dumps? Ich denke mir: Erstens nach Metadaten und Netzwerkanalysen zu fragen ist sehr persönlich. Man fängt nicht einfach an, Leute nach ihren TCP-Dump-Logs zu fragen. Aber ich dachte mir: Heilige Scheiße. Das kommt natürlich von einer anonymen ProtonMail-Adresse. Der Typ behauptet Informatikstudent zu sein, mailte mir aber nicht wie üblich von einer Uni-E-Mail-Adresse aus. Außerdem kam das an meine akademische E-Mail-Adresse, obwohl ich die nirgendwo veröffentlicht habe.
Ich dachte mir zuerst: Wie zur Hölle bist du da rangekommen? Zweitens: Wow. Das war mal direkt, wie da versucht wurde, irgendwie herumzuschnüffeln und zu sehen, was los ist. Natürlich habe ich nicht geantwortet. Ich dachte mir einfach: Nö. Dann habe ich auch noch eine LinkedIn-Phishing-Nachricht bekommen, in der ich nach meiner Super-Box Forschung gefragt wurde: Nach dem Motto: Wir arbeiten beim ISP. Ich denke mir: Das ist der Hinweis. Es gibt bestimmte Dinge, die diese Leute verraten. Offensichtlich verdient jemand mit dem Zeug, an dem ich gearbeitet und das ich mir angesehen habe eine Menge Geld. Ich bin mir also sicher, dass sie nicht wollen, dass ich herumrenne und den Leuten erzähle, sie sollen die SuperBox nicht kaufen, aber hier bin ich und sage pauschal: Kauft die SuperBox nicht. Offensichtlich gab es einige, die daran interessiert waren, was ich gefunden habe und wo ich hinwollte. Nachdem das passiert war, wurde meine Internetleitung mit einer riesigen Flut an sinnlosen Datenanfragen geflutet, ich wurde zu Hause ge-DDoSt.
JACK: Was?
D3ADA55: Ja. Das war irre.
JACK: Von außen, aus dem Internet zu dir?
D3ADA55: Ja, ja.
JACK: Wie um alles in der Welt sollte jemand deine IP kennen?
D3ADA55: Naja, ich glaube nicht – also ganz am Anfang –ich habe auch den Internetanbieter gewechselt. Irgendwie witzig, dass es mich trotzdem getroffen hat. Aber auch hier, je nachdem, wer dahintersteckt, haben die wahrscheinlich mehr Ressourcen als ich. Wenn die das also unbedingt wissen wollten, könnten sie die wahrscheinlich herausfinden. Aber ja, ich wurde ziemlich hart erwischt.
JACK: Wie lange hat es gedauert?
D3ADA55: Ich glaube das waren so fünfzehn Minuten. Ich konnte nichts abspielen, nichts streamen. Ich war gerade in einem Signal-Sprachanruf mit einem Freund, und es war alles noch abgehackter als sonst, weil Signal Voice sowieso manchmal unzuverlässig ist. Es war wirklich schlimm. Ich dachte mir: Heilige Scheiße. Ich kann nicht mal mit dir reden.
JACK: Hast du dir schon angesehen, was Palo Alto, also der Cybersicherheitsanbieter, dir gesagt hat?
D3ADA55: Oh ja, es hörte einfach überhaupt nicht mehr auf. Es waren gefühlt drei Seiten voll nur mit dieser einen IP-Adresse. Ich habe sie nachgeschlagen und sie lag in Irland. Sie lief über Cloudflare. Ich dachte mir: Okay, gut, ich habe im Moment keine Ahnung, wer zur Hölle das war.‘ Aber eigentlich war ich eher genervt davon, dass mein Mann gerade Spaceballs geguckt hat und der Film wegen dieser DDoS-Attacke komplett pausiert wurde. Also ja, ich dachte mir nur: ‚Wow, da habe ich wohl einen neuen Freund gefunden. Ich wurde zu Hause ge-d-dosst.
Vom Streaminggerät zum Teil eines Botnetzes
JACK: Damit kommen wir in den Januar 2026. Um diese Zeit gab es den größten DDoS-Angriff, der je bekannt geworden ist. Hinter ihm steckte das Kimwolf-Botnetz: Es erzeugte bis zu 31 Terabit Datenverkehr pro Sekunde. Das Botnetz hatte praktisch die Kontrolle über rund zwei Millionen Geräte. Es konnte ihnen allen gleichzeitig befehlen, eine bestimmte IP-Adresse im Internet mit Daten zu bombardieren. So viel Datenverkehr kann einen Server oder eine Website lahmlegen und vom Netz nehmen.
D3ADA55: Sie wurden als Teil dieses Botnetz bestätigt.
JACK: Aber die Sache ist die: Soweit ich weiß, waren die Hersteller der SuperBox überhaupt nicht an diesem Botnetz beteiligt. Diese Geräte wurden mit einer wirklich alten Android-Version ausgeliefert und sind vollgepackt mit allen möglichen Fernzugriffsfunktionen wie TeamViewer, Netcat und so weiter.
Der Drahtzieher hinter dem Kimwolf-Botnetz hat also einfach erkannt, wie anfällig diese SuperBoxen sind, und sein Botnetz auf eine Unmenge davon ausgeweitet. Jetzt kontrolliert also dieser Typ namens Dort, der das Kimwolf-Botnetz entwickelt hat, die SuperBoxen. Ich meine, wenn ich nicht ohnehin schon extrem besorgt darüber war, wer alles mit diesen SuperBoxen mithört, jetzt ist auch noch Dort dabei – und wer weiß, was er mit diesen Geräten anstellt; er verwandelt sie vielleicht in Waffen. Wenn Dort auf jede SuperBox zugreifen kann, die mit dem Internet verbunden ist, bedeutet das dann, dass auch jeder andere darauf zugreifen kann?
Sind da ein Dutzend Spione in diesen Dingern, die uns zuhören, sehen, was wir machen, und in unseren Netzwerken herumschnüffeln? Meine Güte, ich habe neulich jemandem davon erzählt, und sein erster Instinkt war, dass die CIA da bestimmt auch drin ist und zuhört.
Und wisst ihr was? Zu diesem Zeitpunkt kann ich das nicht ausschließen. Die Tatsache, dass diese SuperBoxen von irgendwelchen Leuten im Internet mit immer mehr Malware infiziert werden, macht die Sache nur noch viel schlimmer. Es spielt also mittlerweile gar keine Rolle mehr, ob China dahintersteckt, denn so ziemlich jeder kann diese Dinger übernehmen und uns belauschen oder das Gerät nutzen, um jemand anderen anzugreifen. Dieses Ding ist radioaktiv und sollte zerschlagen, verbrannt und ins All geschleudert werden.
D3ADA55: Cloudflare hat einen Bericht herausgebracht, der über die DDoS-Statistiken für das Jahr 2025 spricht, und sie haben gesagt, dass das Aisuru-Kimwolf-Botnet das aktivste war, und sie haben eine absurd hohe Zahl an Angriffen abgewehrt, die von diesem Botnet ausgingen. Ich dachte mir: Wow. Das war also ziemlich fleißig.
JACK: Im Grunde ist das Kimwolf-Botnet ein DDoS-as-a-Service-Geschäft. Man kann ihnen Geld zahlen, und dann richten sie dieses Botnet dorthin, wohin man will, auf das Ziel der Wahl, und es legt dann lahm, was auch immer man ihnen vorgibt. Es ist also rein profitorientiert für denjenigen, der dahintersteckt. [Zu D3ada55] Hat diese Box versucht, mit anderen Geräten im Netzwerk intern zu kommunizieren?
D3ADA55: Ja, ja. Ich hatte zwei kleine Opfer-Raspies, wie ich sie nenne. Denn, wenn man dieses Netzwerk einmal berührt hat, kann man nie wieder woanders hin. Also danke an meine kleinen Opfer-Lämmer. Die Raspberry Pis stehen da also im Netzwerk. Ich habe tcpdump zum Mitlesen drauf laufen, und die Boxen drehen einfach völlig durch, obwohl ich ihnen nicht mal interessante Namen gegeben habe. Irgendwie versuchen alle aktiv daran rumzupfuschen. Ich beobachte Scans und denke mir: Macht ihr hier etwa ein Nmap auf diesen kleinen Raspberry Pi? Was zur Hölle? Noch mal, die erkunden alles, wenn sie in ein Netzwerk kommen, um zu sehen, was es da alles so gibt. Wenn man also zum Beispiel von zu Hause aus arbeitet und vielleicht in einer Vertrauensposition ist; in so einer wichtigen Position, dass man privilegierte Zugangsdaten hat und solche Sachen, und man hat dann so ein Ding in seinem Netzwerk und weiß nicht, was es potenziell tut. Das könnte jedes Mal, wenn man sich bei der Arbeit einloggt Zugangsdaten erschnüffeln. Es könnte dein Arbeitsgerät im Heimnetzwerk entdecken, weil viele Leute keine Segmentierung in ihren Heimnetzwerken haben. Ich meine, die Möglichkeiten sind wirklich endlos, wenn wir es einfach als Angriffstool betrachten. Ich habe echt einen Bericht von jemandem bekommen, dass bei einem Mitarbeiter im Homeoffice so ein Gerät tatsächlich versucht hat, im Unternehmensnetzwerk rumzuschnüffeln.
JACK: Okay, haben die ein VPN zwischen ihrem Heim- und Unternehmensnetzwerk?
D3ADA55: Genau.
JACK: Oh Mann, dieses Ding ist wirklich richtig bösartig. Ich komme immer noch nicht darüber hinweg, wie es dein ganzes Haus scannt, die Geräte in deinem Netzwerk angreift, sie offline nimmt und sich als sie ausgibt. Es ist ein echter Albtraum.
D3ADA55: Das ist wie ein perfektes Trojanisches Pferd, im traditionellen Sinn. Wenn wir mal zur ursprünglichen Geschichte zurückgehen: Hier ist dieses große Geschenk, und wir verstecken uns darin. Hier kommt das Gerät, mit dem man alle Sender bekommt, und jemand versteckt sich darin.
JACK: Okay, für die Leute mag die Box ne Menge Probleme lösen, und das ist der Hauptgrund, warum sie es haben wollen. Aber meine Güte, an diesem Punkt ist der Schleier gelüftet, wir können doch deutlich sehen, dass die Spione darin sind, und ich bin froh, dass das jetzt bekannt ist. Das bedeutet doch, dass es genug Informationen gibt, dass jeder extrem vorsichtig sein und diese Dinger nicht kaufen sollte, und es sollte klar sein, dass niemand dieses Ding haben sollte, weil es einfach das pure Böse ist, oder?
D3ADA55: Am Anfang jener Woche erscheint ein Artikel auf The Verge, und ich denke mir: Oh, The Verge. Es geht um die SuperBox und die vSeeBox. Im Grunde war das nur kostenlose Publicity. Im Prinzip haben die versucht, die SuperBox zu pushen und zu sagen: Naja, es gibt sogar Leute auf dem Bauernmarkt, die diese Dinger verkaufen, und die haben auch Ziegenkäse und so. Die versuchen also nur, über die Runden zu kommen. Und dieser Typ hier ist ein pensionierter Polizist aus dem New Yorker Umland, und jetzt versucht er, seiner Kirche zu helfen, Zugang zu Qualitätsfernsehen zu bekommen. Ich lese das und denke mir: Das ist doch regelrechte Propaganda. Also, oh mein Gott. Genau das meinen sie, wenn sie sagen, dass es sonnenklar und direkt vor der Nase passiert und man es trotzdem nicht merkt – noch mal: Ein ganz normaler, durchschnittlicher Mensch würde das lesen und denken: „Na ja, denen ist das egal.“ In dem Artikel stand wörtlich: „Ach, ist mir doch egal, ob ich jeden Monat ein paar Tausend Dollar nach China schicke, wenn ich so den Leuten helfen kann, erschwingliches Fernsehen zu bekommen.“
JACK: Entschuldigung, ich musste gerade meine Kinnlade vom Boden wieder aufheben. Was? Dieser Artikel auf The Verge trägt den Titel „Everyone is Stealing TV“, also Alle klauen Fernsehen, und ja, darin geht es einfach darum, wie viele Amerikaner diese Geräte verkaufen und auch nutzen. Sie haben Jason, Natalie, James und Eva interviewt, die alle zufriedene SuperBox-Nutzer und -Wiederverkäufer sind. Eva wird mit den Worten zitiert: „Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, alle zu bekehren.“ Ich bin von diesem Artikel völlig verblüfft. Was ist da los? Ich meine, lasst mich euch einen kleinen Abschnitt vorlesen. Sie haben da einen Jason interviewt, der für jede verkaufte SuperBox eine Provision erhält.
Nachdem er ihn als Wiederverkäufer registriert hatte, hat Jasons SuperBox-Ansprechpartner ihn auch für einen einzigartigen Nebenjob rekrutiert: Immer wenn Jason eine SuperBox findet, die zu einem Preis unterhalb des vom Unternehmen empfohlenen Verkaufspreises angeboten wird, soll er sie kaufen, um sie dann mit einem Aufschlag an das SuperBox-Unternehmen zurückverkaufen. Er sagt, dass der SuperBox-Hersteller dann die Identifikationsnummer des Geräts mit einer Liste früherer Verkäufe abgleicht und alle Geräte aus der Ferne deaktiviert, die an den Wiederverkäufer verkauft wurden, der offen für den nicht autorisierten Rabatt geworben hat. Dagegen verstoßende Verkäufer werden dann aufgefordert, eine Strafe zu zahlen, sagt Jason. Verbraucher, die zufällig eine Box zum falschen Preis kaufen, finden sie gesperrt mit einer Warnung auf dem Bildschirm, die sie auffordert, sich an ihren Dienstanbieter zu wenden. Um die Bedenken potenzieller Käuferinnen und Käufer zu zerstreuen, die Angst haben, betrogen zu werden, betreibt der Gerätehersteller Online-Verifizierungstools. Jeder Wiederverkäufer erhält ein Zertifikat mit einem eindeutigen Code. Geben die Käuferinnen und Käufer den Code in ein Webformular ein, verrät ihnen das Unternehmen, ob der betreffende Wiederverkäufer einen guten Ruf genießt.
Oh, danke, Verge, dass du meine Bedenken zerstreut hast, von jemandem betrogen zu werden, der mir eine billige SuperBox verkauft. Ich fühle mich viel besser, jetzt wo du mir gesagt hast, dass es ein Online-Verifizierungstool gibt, um zu prüfen, ob dieser Verkäufer legitim ist oder nicht. Dieser Artikel ist meiner Meinung nach nichts als Hype um dieses Ding. Er geht auf keine der Gefahren ein, die da eingebaut sind. Ich kann einfach nicht glauben, dass The Verge diesen Artikel veröffentlicht hat. Das ist lächerlich. Ich nominiere diesen Artikel offiziell für den „Inkompetenz-Award.“.
D3ADA55: Dann gab es dieses – ich glaube, das hieß The Tech Brew Ride Home oder so ähnlich. Die letzten fünf Minuten der Folge klingen ungefähr so, als würde er den Verge-Artikel vorlesen. Ich denke mir: Nein, wiederhol das nicht. Die versuchen schon, jede Forschung zu diskreditieren, die einer von uns zu dem Thema gemacht hat, um zu beweisen, dass die Box nichts ist, was man sich anschaffen sollte. Was mich zum Lachen gebracht hat, ist, dass in dem Artikel stand: Naja, es ist ja nicht so, als könnte man die bei Walmart und Best Buy bekommen, denn jeder weiß, dass es illegal ist, Raubkopie-Geräte im Laden zu haben. Ich denke mir: Ach nee, aber die sind bei Walmart und Best Buy.
JACK: Ist euch bewusst, wie crazy das eigentlich ist? Hier arbeitet eine Influencer-Marketingkampagne gegen uns. Man kauft diese Dinger nicht von irgendeinem zwielichtigen Typen in einer dunklen Gasse, von dem man weiß, dass er zu 100 % illegal handelt und einen wahrscheinlich abzieht. Man kauft es von der netten Mutter von nebenan, von einem Typen mit einem Stand auf dem Bauernmarkt oder von einem aus der Kirche, von Familienmitgliedern, Fitnessstudio-Kumpels, Arbeitskolleginnen. Wenn die Kiste auf diese Weise in dein Leben tritt, fühlt es sich überhaupt nicht illegal an, nicht zwielichtig. Clever und schlau, fühlt es sich an, so'n cooles Ding zu bekommen.
D3ADA55: Weißt du noch, damals in den 90ern und frühen Nullerjahren, besonders alle von uns, die schon lange im Internet unterwegs sind, als man in den Anfangstagen des Internets das Gefühl hatte, man könnte einen Betrug schon 10 Meter gegen den Wind riechen, weil das Können einfach nicht da war? Aber das hier ist raffiniert. Wie gesagt, sie greifen aus verschiedenen Richtungen an. Sie stellen sicher, dass sie Leute am Start haben, um jeder negativen Presse, Social Posts oder was auch immer entgegenzuwirken. Wie wir schon gesagt haben, sie spielen mit der wirtschaftlichen Angst. Es ist verrückt und ich denke mir: Wow, die haben da echt viel Zeit reingesteckt.
JACK: Ja, aber dann wird einem klar, wo die Dinger letztendlich landen.
D3ADA55: Es gibt Leute, die nachts in Schichtarbeit tätig sind und sich oft langweilen. Vielleicht auch ne Nachtschicht. Sie wollen vielleicht die Übertragung von einem Martial-Arts-Kampf sehen und bringen dann ihre SuperBox mit.
JACK: Dann fängt das Ding einfach an, alle Computer auf der Arbeit zu verschlingen, oder es wird in ein Hotel mitgenommen, um unterwegs fernzusehen, oder vielleicht hat der Besitzer eines Cafés eines installiert, um Shows auf den Fernsehern im Laden laufen zu lassen. Wenn du jetzt in diesem Laden ins WLAN gehst, bist du plötzlich im selben Netzwerk wie ein Computer, der dich sondiert, scannt und angreift. Deshalb nutze ich auch niemals WLAN in einem Café oder an einem öffentlichen Ort. Ich vermute halt immer, dass es dort nur so wimmelt von diesen verseuchten und infizierten Geräten, die verzweifelt versuchen, Zugriff auf meinen Computer zu erlangen, sobald er sich verbindet. Ich nehme meinen eigenen WLAN-Hotspot überallhin mit, sodass ich immer meinem eigenen Netzwerk vertrauen kann.
D3ADA55: Das Witzigste, was bisher passiert ist, war, glaube ich, als ich in einem asiatischen Restaurant war. Ich schaue mich um, weil mir gerade jemand erzählt hatte, dass er in einem asiatischen Restaurant gewesen war und dort drei von den Boxen gesehen hatte. Jetzt gehe ich also an Orte und schaue nach und stelle sicher, dass keine SuperBox hinter dem Fernseher steht. Denn selbst wenn sie sonst nichts tut, allein die Tatsache, dass sie alles, womit du sie verbindest, auscheckt und anfängt anzupingen, ist für mich gruselig. Was mich an dieser ganzen Situation mit meinem Vater so wütend gemacht hat, war: Ich bin hingegangen und wusste nicht, dass er diese Dinger hat. Ich hatte meinen damaligen Arbeitscomputer und mein Handy mit dem Heimnetzwerk verbunden, weil ich für ein paar Tage zu Besuch war. Und ich denke mir: Diese Dinger waren die ganze Zeit eingesteckt? Was? Die stellt uns also alle auf viele Arten bloß, auf die wir vielleicht nicht bloßgestellt werden wollen. Ich mache nichts Zwielichtiges, aber ich möchte meine Privatsphäre.
JACK: Ich habe gesehen, dass du immer ne Faraday-Tasche dabei hast. Da wird ja alles von elektromagnetischen Feldern und Funksignalen abgeschirmt, machst du das deshalb?
D3ADA55: Es könnte etwas damit zu tun haben, aber das ist auch einfach der Versuch, mir meiner eigenen Sicherheitshygiene bewusst zu sein. Denn ich denke, für viele von uns, die das schon eine Weile machen, wird es immer Orte geben, wo wir uns einfach sagen: Ach, ist mir egal. Wir stecken sowieso schon die ganze Zeit so tief drin. Aber ich hab schon einige Zeit damit verbracht, darüber nachzudenken – ich war auf Reisen, und ich glaube, ich habe mir irgendwas eingefangen, weil mein Handy plötzlich verrücktgespielt hat. Also habe ich alle Geräte im Haus plattgemacht, alles neu aufgesetzt. Jetzt ist es in Ordnung, aber ich will einfach ein paar zusätzliche Schritte unternehmen, um sicherzugehen. Ich habe normalerweise immer VPNs an und solche Sachen, aber ein VPN kann nur bedingt helfen, wenn jemand wirklich wissen will, was du auf der anderen Seite treibst. Also ja, ich möchte jeden nur ermutigen, weiterhin grundlegende Sicherheitshygiene umzusetzen, denn in dem Moment, in dem wir nachlässig werden, da erwischt es uns normalerweise.
JACK: Okay, das war's. Ich nehme mir hier ein Beispiel an D3ada55. Wenn sie ihr Handy immer in einer Faraday-Tasche aufbewahrt, glaube ich jetzt, dass ich das jetzt auch tun sollte. Eine Faraday-Tasche ist eine, die einfach keine drahtlosen Signale hinein- oder herauslässt. Stellt es euch vor wie die Tür eurer Mikrowelle, die abblockt, damit eure Mikrowelle nicht die ganze Küche kocht. Denn wer weiß, welche Cafés und Restaurants diese Dinger haben und mein Handy scannen, selbst wenn ich nicht mit dem WLAN verbunden bin? Was hat es mit dem Bluetooth und anderen Antennen an diesem Ding auf sich? Es hat sich als so bösartig erwiesen, dass ich ihm keine Sekunde traue. Ich will nicht einmal in Reichweite von diesem Ding sein. [Zu D3ada55] Lass uns alle Puzzleteile zusammensetzen.
D3ADA55: Ja.
Wer steckt dahinter – und wie lässt sich das stoppen?
JACK: Was ist dein Fazit?
D3ADA55: Okay, das Gesamtbild ist, dass jemand – und ich werde absichtlich vage bleiben, weil ich immer noch daran arbeite, das Gesamtbild dieses Jemands zu bekommen. Jemand bringt Influencer dazu, diese Dinger zu zeigen. Es gibt ein ganzes Vertriebsnetzwerk an Händlern und Wiederverkäufern. Sie bringen also Leute in ihren Nachbarschaften und in ihren Gemeinden und an all diesen Orten dazu, diese Boxen an Freunde, Familie, einfach jeden zu verkaufen, so viel sie können, was irgendwie schon seltsam ist. Sie haben bereits all die großen Elektronikmärkte infiltriert. Das sieht mittlerweile wie dieses normale, alltägliche, seit neun Jahren existierende Konsumprodukt aus. Dann ist da immer noch das Problem, dass sie Leute direkt in der Öl- und Gasindustrie ins Visier nehmen. Und dann haben wir natürlich auch noch das endlose Problem, dass es keine seriöse behördliche Überwachung in diesem Bereich gibt.
Die sind undurchsichtig. Es gibt keine echten FCC-IDs. Man findet wirklich keine Informationen über diese Dinger. Bei dem einen, zu dem wir Informationen gefunden haben: Wenn man etwas importiert und das aus Übersee kommt, muss man es unterschreiben und bestätigen, dass alles korrekt und gekennzeichnet ist, dass es die FCC-ID hat und solche Sachen. Und hier war zwar unterschrieben, aber der Name stimmte nicht – das war eine E-Mail-Adresse von QQ, die unterschrieben hatte. Ich dachte mir: Also hat der US-Vertreter eine E-Mail-Adresse von qq.com, die dieses Gerät abzeichnet, das – angeblich – alle vorgeschriebenen Angaben und Merkmale aufweist, obwohl das gar nicht der Fall ist.
JACK: Das ist nicht legal.
D3ADA55: Ja. Es ist also irgendwie so – sie haben uns wieder mit diesem Schneeballsystem gekriegt. Ich weiß nicht, was das immer mit uns Amerikanern ist, aber wir lieben das scheinbar. Mann. Es gab, weißt du noch, Amway Haushaltsprodukte und es gab so ein System sogar schon für Strom. Wie’s aussieht ist das also einfach ein neues Schneeballsystem für eine Streaming-Box.
JACK: Ja, und ich glaube, sie sprechen uns auf ganz besondere Weise an, weil sie wissen, dass wir von den steigenden Kosten für die Privatsender genervt sind und dass sich all die verschiedenen Streaming-Dienste immer weiter aufspalten, sodass man mittlerweile zehn verschiedene Streaming-Abos braucht. Die Leute haben die Nase voll davon, und deshalb sagen sie einfach: „Wir haben die Lösung für euch.“
D3ADA55: Es ist perfekt. Man bekommt alle Sender.
JACK: Uns doch egal, ob wir das Gesetz brechen.
D3ADA55: Genau.
JACK: Ja, also, irgendjemand ist hier verantwortlich. Hast du ne Idee, wer dahinterstecken könnte?
D3ADA55: Wenn man sich anguckt, was geopolitisch so läuft, ich meine China – es scheint an dieser Stelle einfach offensichtlich, denn warum sollte das sonst direkt zu Tencent funken? Ein weiterer Punkt ist, dass als ich mir das Ganze so angesehen hab, naja: Die Geräte selbst werden von einer ganzen Fertigungssparte hergestellt. Und Fertigung hat China wirklich gut drauf. Wir sitzen alle mit iPhones und all diesen anderen Geräten rum. China stellt die Geräte her. Die sind wirklich gut darin geworden, diese Sachen zu produzieren. Alles wirkt qualitativ hochwertig, was es für den Preis, den die Leute bezahlen, noch glaubwürdiger macht. Wenn wir so darüber nachdenken, wie du schon gesagt hast: Alle stressen sich wegen Geld.
Jeder will immer eine schnelle Lösung. Wir sind so anfällig für Schnell-reich-werden-Maschen und solche Sachen. Das ist ein Schneeballsystem in Reinkultur. Die Händler kriegen einen Anteil von den Wiederverkäufern. Die Wiederverkäufer bekommen einen Anteil von den Boxen. Wenn man dann Freunde dazu bringt, einem zusätzlich beim Wiederverkaufen zu helfen, bekommt man noch einen Anteil von deren Boxen. Es ist also ein perfektes Netzwerk-Marketing. Sie greifen uns also an den Stellen an, die in unserer Kultur verankert sind: Fernsehen, Multi-Level-Marketing, schnell reich werden. Sie nutzen unsere wirtschaftliche Angst aus. Sie nutzen unsere Selbstzufriedenheit aus, einfach Sachen zu akzeptieren, selbst wenn wir nicht viel darüber wissen. So nach dem Motto: Ach naja, wir kaufen eben alles von Walmart und Best Buy.
JACK: Und dann wirkt das Ganze auch noch vertrauenswürdig.
D3ADA55: Ja. Die greifen uns also psychologisch aus verschiedenen Richtungen an, nicht mal aus technischer Sicht. Die Taktiken und alles, was die Box einsetzt, sind sozusagen das Mindestmaß. Man rechnet aber nicht mit einem Influencer-Netzwerk, das versucht, diese ganzen Inhalte zu verbreiten. Man rechnet nicht mit Marketing, denn wenn man sich einige der anderen Geräte ansieht – naja da gibt‘s vielleicht hier und da ein oder zwei Videos, in denen zum Beispiel über ein Nvidia Shield gesprochen wird. Aber dieses Ding hat eine ganze Kampagne, Websites und alles Mögliche. Also frage ich mich: Wer steckt dahinter …? Man baut eine ganze Marke auf, nur um diese Geräte zu verkaufen. Das ist verrückt. Also, wir sind jetzt an diesem Punkt angelangt, an dem ich mir denke: Okay, wir müssen wohl eine Entscheidung treffen, sozusagen als amerikanische Nation. Wollen wir billiges, unkompliziertes Kabelfernsehen, und wollen wir dafür weiter im Grunde Hintertüren in all unseren Netzwerken haben?
JACK: Okay, also, wenn es China ist ... aber ich meine, es ist verrückt, sich vorzustellen, dass die chinesische Regierung dahinterstecken könnte, aber es klingt so, als könnte es so sein.
D3ADA55: Sie verfolgen ja auch diese einheitliche Linie, wenn es um die Verknüpfung aller Bereiche mit dem Militär angeht, also…
JACK: Sicher. Wenn die chinesische Regierung also versucht, in die Häuser von Amerikanern zu gelangen, um mehr Zugang zu ihnen und Sichtbarkeit und all solche Dinge zu erlangen, scheint es nicht so, als wäre das ihr Hauptziel. Ich frage mich, ob wir diese Aktivität auch in anderen Ländern gesehen haben, diese Art von Boxen in anderen Ländern.
D3ADA55: Ja. Das war interessant. Als ich angefangen hab, mir das anzusehen, wollte ich natürlich wissen, ob es irgendetwas anderes gab, das jemand gemeldet hatte. Es gab einen Forscher. Mir fällt sein Name gerade nicht ein. Aber er hatte einen Bericht über die Schadsoftware geschrieben, die in der T95-Box war. Das hat mich dann schon zum Nachdenken gebracht: Okay, wir haben also schon mal was Ähnliches gesehen. Ich habe mir andere Länder angeguckt, und China war schon gegen diese Art von Geräten vorgegangen. Ich glaube, Neuseeland war auch schon dagegen vorgegangen. Es scheint also, als wäre das bereits ein ähnliches Problem gewesen, aber anscheinend gab es vor ungefähr zehn Jahren auch eine ähnliche Kampagne in Taiwan. Dabei drehte sich alles um Sportpiraterie. Es war aber dieselbe Idee; sie hatten diese Streaming-Boxen, die bequem waren, und man konnte alle Sportsender reinkriegen. Die waren damals überall in Taiwan, und dann wurden sie hochgenommen, und waren nicht mehr überall in Taiwan. Aber das könnte ein Testfeld gewesen sein, um dann zu sehen: Okay, wie könnte das hier bei uns funktionieren?
JACK: Wie kann ein Land solche Dinge unterbinden, sodass sie da nicht mehr funktionieren oder so? Wie sieht überhaupt der Ansatz aus, um sowas zu verhindern?
D3ADA55: Sie haben natürlich gesagt: Ihr müsst die Boxen aus den Regalen nehmen. Die sind verboten. Die dürfen nicht importiert werden. Ich habe keine Ahnung, wie lange das dauern wird, bis wir sowas hier überhaupt sehen. Wir haben gerade endlich ein paar Sachen aus den Regalen nehmen lassen, und das, obwohl wir alle Bedenken wegen China hatten und wegen dem, was diese Geräte eigentlich machen. Aber das war Jahre nachdem das Ganze bereits ein Problem war.
JACK: Ja. Ich meine, selbst wenn man sie von Walmart und Amazon und Best Buy verbannen würde, hat man immer noch die nette Dame von nebenan, die sie verhökert...
D3ADA55: Genau, genau.
JACK: ...und den Elektriker, der vorbeikommt und sagt: Ich habe noch ein paar Sachen extra für dich, wenn du diese Dinger kaufen würdest.
D3ADA55: Oh ja.
JACK: Es ist echt schwer den Geist wieder in die Flasche zu bekommen. Das Unterbinden ist also ein Ansatzpunkt, und dann wäre ein weiterer vielleicht, die Internetanbieter dazu zu bringen, dagegen vorzugehen, dass sie einfach sagen, ey, das ist illegales Streaming, das erlauben wir nicht.
D3ADA55: Ja, und die Internetanbieter waren da wirklich gut.
JACK: Ich habe einen Freund, der bei einem Anbieter arbeitet, und er sagt, dass viele Nutzer melden würden, dass ihre zugewiesene Bandbreite extrem früh in ihrem Abrechnungszyklus aufgebraucht ist. Sie sagen dann sowas wie: "Ich bin nicht so viel online, und trotzdem heißt es, ich hätte 360 Gigabyte an Daten hochgeladen. Offensichtlich habt ihr da nen fehlerhaften Zähler." Die Technikerinnen und Techniker fahren dann hin und schauen es sich an, können aber kein Problem finden, tauschen dann einfach die Geräte aus und setzen die Bandbreitennutzung zurück. Aber das Problem besteht weiterhin. Im nächsten Monat rufen die Kunden wieder an und sagen, dass angezeigt wird, die hätten so viele Daten hochgeladen, dass sie jetzt gedrosselt werden. Bei einem Kunden wurde sogar gesehen, dass er 4.000 Gigabyte an einem einzigen Tag hochgeladen hat. Der Anbieter, meinte mein Freund, hat die Kunden gefragt: Haben Sie zufällig ne SuperBox? Und viele von denen sagen: Ja, habe ich.
Diese Geräte schicken riesige Datenmengen ins Internet. Aber was genau senden sie da? Klar, sie können Teil eines Botnetzes sein und andere Geräte mit Datenfluten angreifen. Aber vielleicht schleusen sie auch große Mengen an Daten aus dem Heimnetz ab: Sprachaufzeichnungen, Netzwerkdaten, Fotos, Dateien – alles, was sie möglicherweise für wertvoll halten. Die Box saugt einfach alles auf, was sie finden kann, und schickt es weiter. Wenn ein Gerät täglich oder monatlich Terabytes an Daten überträgt, lautet die Frage nicht mehr: Was lädt es eigentlich hoch? Sondern eher: Was lädt es nicht hoch? Auch die Internetanbieter bekommen es also mit diesen Boxen zu tun – und wissen offenbar nicht so recht, wie sie mit ihnen umgehen sollen.
D3ADA55: Ich glaube, die Telekommunikations- und Internetanbieter verstehen ihre Schwachstellen ein bisschen besser. Sie sagen: Okay, ja, wir müssen uns tatsächlich ansehen, was in den Heimnetzwerken vor sich geht, denn wir sind nicht mehr an dem Punkt, an dem wir einfach so tun können, als ob das nur den Verbraucher betrifft und uns nichts angeht. Wir sitzen alle im selben Boot. Wir können den Geist nicht zurück in die Flasche stecken. Deshalb haben sie sich bemüht, diesen Datenverkehr in Sinkholes umzuleiten, also gezielt auf Server umzulenken, die schädlichen Traffic abfangen und unschädlich machen. Internetanbieter können natürlich sehen, was nachgelagert passiert. Aber wir müssen uns dann die Frage stellen, ob wir bereit sind, ein Land zu sein, in dem wir jetzt überwachen, was in Heimnetzwerken vor sich geht? Offensichtlich wäre das für viele Leute problematisch.
JACK: Ja, ich glaube, das geht zu weit.
D3ADA55: Nein, genau. Ich glaube nicht, dass wir das tun müssen sollten.
JACK: Aber dies könnte das eine Mal sein, dass ich möchte, dass Disney klagefreudig wird.
D3ADA55: Ja, oder?
JACK: Warum hat Disney noch nicht kapiert, dass sie diesen Piraten streamen – denn ich weiß ja, dass sie schon immer…
D3ADA55: Die Maus ist immer bereit zuzuschlagen, wenn es um solche Sachen geht. Ich bin eigentlich wirklich überrascht, dass noch keines dieser größeren Medienunternehmen tatsächlich zurückgeschlagen hat. Ich meine, Google hat die Betreiber der BadBox verklagt.
JACK: Okay.
D3ADA55: Es gab einen Haufen von DMCA-Meldungen – also Urheberrechtshinweise und solchen Kram, aber es läuft immer noch weiter. Wird das also tatsächlich das bewirken, was wir wollen? Ich weiß es nicht. In den letzten Wochen ist so viel passiert, dass das ein geschäftiges Jahr 2026 werden wird. Das ist wirklich alles, was ich dazu sagen kann. Da wird noch so viel mehr nachkommen. Das garantiere ich.
JACK: Ja, und dabei macht es doch den Eindruck, als könnte ganz einfach sein, es zu stoppen, da es ja illegal ist. Und das das ist doch ne Sache, die mich überrascht.
D3ADA55: Daran habe ich mich ehrlich gesagt auch aufgehängt. Für mich ist das offensichtlichste Beispiel dafür: Die alleinerziehende Mutter kriegt Abmahnungsbriefe, weil sie Shrek 2 für ihre Kinder runterladen wollte. Aber gegen dieses ganze Netzwerk von illegalen Streaming-Geräten tun wir gar nichts.
JACK: Das ist das Überraschende, der Widerstand gegen Piraterie all die Jahre, und wie furchtbar es war, Dinge zu torrenten...
D3ADA55: Ja. Wir sind alle der letzte Dreck...
JACK: Anscheinend ist das kein Problem mehr.
D3ADA55: Ja, ich schätze...
JACK: Oder sie haben's einfach nicht mitbekommen. Aber wenn es erlaubt ist, warum machen wir dann nicht einfach, nicht eine legitime, sondern eine gutartige?
D3ADA55: Eine gutartige. Wir könnten ein ganzes neues Geschäftsmodell aufziehen. Wie gesagt, ich bin überrascht, dass das noch keiner gemacht hat. Ich wäre nicht überrascht, wenn jemand plötzlich sagen würde: Hey, ich arbeite ethisch korrekt und helfe dir, alle Sender zu bekommen. Da fließt dann das Geld von allen anderen, weil wir keine Trojaner wollen. Aber wie gesagt, es passiert einfach vieles gleichzeitig. Wenn wir das gesamte geopolitische Bild betrachten, gibt es viele verschiedene kleine Rädchen. Wir haben eine Menge Zeug in Übersee gesehen, international, und deshalb versuche ich immer noch zu verstehen, wie das hier vielleicht sogar ein Teil davon sein könnte. Ich werde dieses Jahr auf jeden Fall weitergraben.
JACK: Oh, ja. Ich meine, ich hoffe, dass das Update oder was auch immer als Nächstes kommt, nicht lautet: Diese BadBoxen haben Amerika zerstört.
D3ADA55: Oh mein Gott, nein.
JACK: Denn - ja, wenn man davon ausgeht, dass alles bisherige nur die Vorbereitung war, was ist die endgültige Absicht? Vielleicht wissen wir es noch nicht.
D3ADA55: Ja, das ist der Teil, bei dem ich mich immer noch irgendwie am Kopf kratze. Es ist einfach das Warum. Ich denke mir: Vielleicht ist es der Anzeigenbetrug durch fake Clicks, vielleicht ist es das Residential-Proxy-Geschäft, bei dem der Internetzugriff an Dritte verkauft wird, oder es ist einfach das Botnet. Aber da gäbe es so viele andere Möglichkeiten, all das zu machen, ohne eine ganze Marke aufzubauen und diese Boxen dann an die Leute zu vermarkten.
JACK: Ja, ich gehe mal davon aus, dass wir da noch nicht das volle Ausmaß dessen gesehen haben, wozu diese Dinger fähig sind. Es ist möglich, dass all das nur irgendein Vorbereitungsmaßnahme ist, und wer auch immer dahintersteckt, eigentlich versucht, Arbeiterinnen und Arbeiter dazu zu bringen, ihnen Zugang zu US-Unternehmen zu verschaffen.
Und was dann? Wenn jemand in großem Stil die Kontrolle über unsere kritische Infrastruktur erlangt, ist das so, als hätte er uns im Würgegriff. Er könnte tun, was immer er will. Der potenzielle Schaden, den diese Dinger anrichten können, könnte also durchaus im Bereich eines Staatsstreichs liegen.
Wirke ich verrückt, wenn ich so etwas von mir gebe?
Es ist jedenfalls so: Wenn ich jemals eines dieser Dinger irgendwo angeschlossen sehe, werde ich es sofort ausstecken und versuchen, es in Stücke zu zerschlagen, und ich kann mir nur vorstellen, wie der Besitzer mich dann anschreit: „Hey Mann, was machst du da, Mann?“ Ich würde sagen: „Weißt du denn nicht, dass dieses Ding böse ist? Und wenn wir es nicht aufhalten, könnte das das Ende unseres Landes bedeuten.“ Ich komme mir schon ziemlich crazy vor, das Szenario so zu durchdenken. Aber vielleicht ist das eben die neue Welt, an die ich mich einfach gewöhnen muss. Denn selbst wenn wir uns alle zusammentun, um diese Dinger ein für alle Mal zu zerschlagen, zu verbrennen und wegzuwerfen, wird einfach etwas anderes auftauchen – ein 3D-Drucker mit Spyware, eine Drohne mit Spyware, ein Projektor mit Spyware, ein Router, ein Computer oder sogar ein Auto. Denn wenn diese Geräte billiger oder besser sind als die der Konkurrenz oder wenn sie einfach eine bessere Marketingkampagne haben, indem sie Influencer dafür bezahlen, sie zu verbreiten, dann wird dieser Kampf, sie aufzuspüren und auszurotten, einfach wieder von vorne beginnen. Ich bin mir nicht sicher, ob es möglich ist, das Problem zu beheben, und genau das macht es so beängstigend.
Wenn man irgendetwas online macht, reist man durch einen Haufen Netzwerke, von denen man keine Ahnung hat, wem sie gehören. Man muss also nach einem Zero-Trust-Prinzip operieren, indem man seine Verbindungen verschlüsselt, damit sie einen nicht ausspionieren können, und Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass eine Nachricht nicht manipuliert wurde. Vielleicht ist das also das neue feindliche Umfeld, in dem wir lernen müssen, sicher zu agieren. Unsere Wohnungen und Arbeitsplätze, unsere Cafés und Kneipen könnten jetzt alle gegen uns sein. Ich hätte nie erwartet, dass unsere Heimnetzwerke feindliche Umgebungen sein könnten, aber nehmen wir diese Box als Zeichen dafür, dass sie es wahrscheinlich sind. Es ist an der Zeit, unsere Netzwerke aufzuräumen und sie wieder sicher zu machen. An meiner Haustür ziehe ich die Grenze. Spyware darf die nicht überschreiten.
JACK (OUTRO): Vielen Dank an D3ada55, dass sie uns die Geschichte doch endlich erzählt hat. Es war ein solches Vergnügen, ihren Fortschritt dabei über die Jahre zu beobachten Diese Episode wurde im amerikanischen Original von Jack Rhysider erstellt. Den Text haben Judith Hohmann und Marko Pauli übersetzt und gesprochen. Mit ihren Stimmen dabei waren auch: Nico Jurran und Robin Ahrens.
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