+++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Russland und Ukraine beginnen lokale Feuerpause in Oleschky

Nach Vermittlungen läuft eine Hilfsaktion für eine umkämpfte Frontstadt an. Russische und ukrainische Truppen sollen eine begrenzte Feuerpause einhalten.
Mehrtätige Waffenruhe in Frontstadt in Cherson
Die Streitkräfte Russlands und der Ukraine lassen lokal begrenzt Waffen schweigen, um eine Hilfsaktion für die Frontstadt Oleschky im russisch kontrollierten Teil des ukrainischen Gebiets Cherson zu ermöglichen. Die russische Seite bestätigte in der Nacht, dass seit 3.00 Uhr (Ortszeit) und für die Dauer einer humanitären Operation eine Feuerpause rund um die seit Monaten abgeriegelte Ortschaft gelte.
Während der mehrtägigen Waffenruhe werden Lebensmittel und Medikamente an die notleidenden Bewohner geliefert. Geschaffen werden soll auch ein humanitärer Korridor, damit die Menschen die Region entweder in Richtung Russland oder Ukraine verlassen können. Auch der Generalstab in Kyjiw hatte dies zuvor bestätigt.
Weil die an der Frontlinie gelegene Kleinstadt Oleschky vollständig vermint ist, setzten die ukrainischen Streitkräfte zeitweise Drohnen ein, um Hilfsgüter dorthin zu schaffen. Viele der unbemannten Fluggeräte wurden jedoch von russischen Truppen abgeschossen.
Nach der Vereinbarung sollen nun Minen geräumt werden, um einen sicheren Hilfskorridor zu schaffen. In Oleschky leben nach Schätzungen noch etwa 1.500 Menschen bis 2.000 Menschen, darunter Dutzende Kinder. Die Evakuierung soll erst in den kommenden Tagen beginnen.
Die humanitäre Feuerpause geht auf eine Initiative des Weißen Hauses zurück, wie es in Washington heißt. Nach Darstellung der Regierung von US-Präsident Donald Trump vermittelte First Lady Melania Trump die lokale Waffenruhe zwischen Moskau und Kyjiw. Auch Papst Leo XIV. hatte in einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin um Hilfe für Oleschky gebeten.
Laut Kreml könnte eine womöglich erfolgreiche humanitäre Operation in Oleschky auch als Vorbild für andere Frontabschnitte dienen. Moskau und Kyjiw hatten sich in den vergangenen Monaten immer wieder gegenseitig beschuldigt, durch Beschuss der Stadt eine humanitäre Katastrophe ausgelöst zu haben. Einschließlich umliegender Dörfer sollen bis zu 6.000 Menschen Not leiden. An anderen Frontabschnitten gingen die Kämpfe weiter.
Der Generalstab in Kyjiw betonte, dass die vorübergehende Feuerpause ausschließlich für die humanitäre Operation gelte. „Wir rufen alle dazu auf, in diesem Zeitraum besonders umsichtig mit den Informationen umzugehen, die Sie erhalten und weitergeben“, teilte die Generalität auf Telegram mit. „Vertrauen Sie keinen unbestätigten Meldungen, und verbreiten Sie keine Gerüchte über Routen, Zeiten und Orte, an denen sich Menschen und humanitäre Konvois bewegen.“ (dpa)
Pistorius spricht Putin ernsthaften Friedenswillen ab
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat Kremlchef Wladimir Putin vor dem Hintergrund der für November in Aussicht gestellten Dreiergespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA mangelnden Friedenswillen vorgeworfen. „Putin simuliert immer mal wieder Gesprächsbereitschaft“, sagte Pistorius am Montag nach einem E5-Verteidigungsministertreffen in Paris. „Nichts, aber auch gar nichts“ deute darauf hin, dass Putin „an einem Waffenstillstand oder gar an einem Frieden interessiert ist“.
„Ganz im Gegenteil, er spielt auf Zeit“, sagte Pistorius. Putin werde „auf einen kalten Winter setzen“ und die ukrainische Energie- und Wasserversorgung „ganz systematisch“ zerstören lassen. „Das ist nichts anderes als blanker Terror.“ Deutschland habe Winterhilfen vorbereitet und arbeite mit der Ukraine an einem zusätzlichen Luftverteidigungssystem.
Zur Beteiligung an einer geplanten Militärübung der sogenannten Koalition der Willigen sagte Pistorius: „Wir waren nie ablehnend gegenüber einer Beteiligung.“ Deutschland leiste einen „relativ überschaubaren Beitrag“ durch Luftbetankung und die Unterstützung militärischer Transporte durch Deutschland.
Die Verteidigungsminister der E5-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen schrieben in einer gemeinsamen Erklärung zu dem Treffen, sie teilten die „tiefe Überzeugung, dass Europa mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen muss“. Die USA blieben zugleich ein „unverzichtbarer Verbündeter“.
Bundesverteidigungsminister Pistorius kündigte zudem an, noch in diesem Jahr sollten in Berlin Gespräche der stellvertretenden Generalstabschefs und politischen Direktoren der E5-Staaten beginnen. Frankreichs Verteidigungsministerin Catherine Vautrin kündigte das nächste Treffen der E5-Verteidigungsminister für März in Rom an. (afp)
Wichtige Brücke in Kyjiw bei russischem Angriff beschädigt
Bei einem russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw ist nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko eine wichtige Dnipro-Brücke beschädigt worden. Der Angriff habe die Südbrücke über den Fluss getroffen, teilte Klitschko am Dienstag im Onlinedienst Telegram mit. Auch die Metro-Infrastruktur auf der Brücke wurde demnach beschädigt. Der Zugverkehr über die Brücke sei eingestellt worden, fügten die städtischen Behörden hinzu.
Zuvor waren Berichte über den Abschuss mehrerer ballistischer Raketen in Richtung der ukrainischen Hauptstadt eingegangen. Die ukrainische Armee hatte am frühen Dienstagmorgen mitgeteilt, dass ballistische Raketen in Richtung Kyjiw abgefeuert worden seien.
Russland hatte seine Drohnen- und Raketenangriffe auf Kyjiw in den vergangenen Wochen noch einmal verstärkt und dabei erneut vermehrt Energieinfrastruktur ins Visier genommen. Viele Menschen in Kyjiw haben daher Angst vor einem weiteren Winter mit wenig oder gar keiner Strom- und Wärmeversorgung.
Wiederholt wurden auch Brücken über den durch Kyjiw fließenden Dnipro getroffen, was zu Verkehrseinschränkungen führte. Die Verbindung zwischen dem linken und dem rechten Ufer ist laut Klitschko „einer der entscheidenden Faktoren für die Funktionsfähigkeit der Stadt“. (afp)
Ein Toter und acht Verletzte bei russischen Angriffen auf Kyjiw
Bei russischen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw ist am Montagabend nach offiziellen Angaben mindestens ein Mensch getötet worden. Acht weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte Bürgermeister Vitali Klitschko. Bei den Angriffen wurden demnach unter anderem zwei medizinische Einrichtungen und ein Studentenwohnheim beschädigt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, russische ballistische Raketen seien in der Nähe einer Universität und in belebten Stadtvierteln eingeschlagen.
Nach Angaben Klitschkos gingen durch die Druckwelle eines Einschlags Fenster einer Intensivstation zu Bruch. In einer weiteren medizinischen Einrichtung wurden die Fenster zweier Stationen zerstört. Patienten und medizinisches Personal blieben demnach unverletzt. Nahe einem Supermarkt wurde ein Mensch getötet. Beim Einschlag in der Nähe eines Studentenwohnheims erlitt eine 20-jährige Frau Verletzungen.
Selenskyj erklärte, die russischen Raketen hätten das Gelände einer Universität, den angrenzenden Kyoto-Park, die Umgebung einer U-Bahn-Station und Wohnhäuser getroffen. In der Nähe befinde sich „keine einzige militärische Einrichtung“. Der Angriff habe sich unmittelbar gegen die Stadt und ihre Infrastruktur gerichtet. (afp)
Tote und Verletzte bei russischem Angriff auf Charkiw
Bei einem russischen Angriff auf die ostukrainische Großstadt Charkiw sind nach offiziellen Angaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Zudem seien mindestens vier Menschen verletzt worden, berichtete Bürgermeister Ihor Terechow auf Telegram. „Es wurden Mehrfamilienhäuser, Einfamilienhäuser und Autos beschädigt“, fügte er hinzu. Die Rettungsdienste waren am Abend noch im Einsatz. (dpa)
Ein Toter bei Drohnenangriff auf Bus in Region Saporischschja
Bei einem Drohnenangriff auf einen Bus im russisch kontrollierten Teil der südukrainischen Region Saporischschja werden nach Angaben der dortigen Verwaltung ein Mensch getötet und 30 weitere verletzt. Dies teilt der von Russland eingesetzte Gouverneur der Region, Jewgeni Balizki, mit. (rtr)
UN-Kommission: Russland presst Ausländer in seine Armee
Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen hat schwere Vorwürfe gegen Russland im Zusammenhang mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine erhoben. Russische Behörden hätten in Zusammenarbeit mit Agenten Menschen aus 29 Ländern unter Anwendung von Täuschung oder Zwang verschleppt, teilte die Untersuchungskommission am Montag in New York mit. Ziel sei es, die Getäuschten und Verschleppten in die russischen Streitkräfte zu pressen, wo sie oft den Tod fänden.
Den vorliegenden Zeugenaussagen und Dokumenten zufolge führten Flüge über Bahrain, Brasilien, Äthiopien, Frankreich, Kenia, Mexiko, Marokko, Oman, Panama, Spanien, die Türkei oder die Vereinigten Arabischen Emirate nach Russland. Auf der Grundlage gesammelter Beweise sei die Kommission zu dem Schluss gekommen, dass die russischen Behörden Menschenhandel und andere Menschenrechtsverletzungen begangen haben.
Die umworbenen Männer gingen demnach auf Angebote für zivile Jobs in Russland ein, die lukrativ, echt und glaubwürdig erschienen. Kurz nach ihrer Ankunft würden die Männer jedoch gezwungen, Verträge in russischer Sprache mit dem Verteidigungsministerium zu unterzeichnen.
Handy und Reisepass würden oft beschlagnahmt. Die Rekruten seien schockiert, wenn sie realisierten, dass sie in den russischen Streitkräften dienen müssten. Männer würden an der Front in der Ukraine mit gefährlichen Aufgaben betraut.
Die Abreise, das Verschwinden, die Verwundung, der Tod oder die Gefangennahme der Opfer haben den Angaben zufolge langfristige psychologische Auswirkungen auf ihre Familien, die intensive Suchbemühungen unternehmen. Die „Unabhängige internationale Untersuchungskommission zur Ukraine“ arbeitet seit 2022 im Auftrag des UN-Menschenrechtsrates und erstellt regelmäßig Berichte. (epd)
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