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Sunday, October 11, 2026

Trotz siebenfacher OP – GC-Vulkan läuft gegen YB heiss

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«Man spürt bei ihm sehr viel Energie und eine starke Präsenz an der Seitenlinie»: Amir Abrashi lobt den neuen GC-Trainer Olaf Janssen.20min / Sebastian Rieder

Darum gehts

  • Olaf Janssen verliert sein erstes Spiel als GC-Trainer gegen YB mit 0:2, überzeugt aber mit Energie an der Seitenlinie.
  • Captain Amir Abrashi lobt den 60-jährigen Deutschen als «positiven Vulkan» mit starker Präsenz.
  • Janssen versteht Schweizerdeutsch – dank sieben Operationen in Basel und seiner Co-Trainer-Zeit mit Urs Fischer bei Hertha.

Es ist ein Schauspiel, ihm zuzuschauen: Olaf Janssen hat während der Partie alle Hände voll zu tun. Der neue GC-Trainer pfeift, dirigiert und klatscht im Stakkato. Immer wieder verwirft er die Hände und schreit ins weite Rund des Letzigrunds. Den trockenen Hals spült er im Drei-Minuten-Takt mit der Flasche. Auch nach dem 0:2-Rückstand wird der 60-jährige Deutsche nicht müde, die Seitenlinie zu beackern.

«Ein richtiger Vulkan», findet GC-Captain Amir Abrashi und schiebt nach: «Ein positiver Vulkan!» Janssen sei sehr engagiert, er versuche, den Spielern zu helfen – im Guten wie auch mit Kritik. Janssen lebt den Fussball, und das sollen auch seine Spieler nach der Entlassung von Peter Zeidler tun.

GC-Trainer Olaf Janssen feuert seine Mannschaft an der Seitenlinie an – auch eine 0:2-Niederlage gegen YB bringt den Deutschen nicht zum Schweigen.

GC-Trainer Olaf Janssen feuert seine Mannschaft an der Seitenlinie an – auch eine 0:2-Niederlage gegen YB bringt den Deutschen nicht zum Schweigen.Claudio De Capitani/freshfocus

Dass die Janssen-Premiere gegen die Young Boys trotz einer ansprechenden ersten Halbzeit mit einer 0:2-Niederlage endet, bringt ihn nicht aus dem Konzept. Für den neuen GC-Coach ist es ein erster Schritt auf einem Weg, auf dem noch einige Steine liegen.

«Ich habe mich aus voller Überzeugung für dieses Projekt entschieden», sagt Janssen nach dem Spiel. «Dann bin ich der GC-Coach – mit allem, was ich habe.» Dass der Deutsche dabei nicht bloss danebenstehen und zuschauen will, macht er an der Seitenlinie unmissverständlich klar. Er habe viele Dinge im Kopf, die seine Spieler noch gar nicht haben könnten.

Mit seinem Coaching wolle er sie unterstützen und ihnen das Handwerkszeug mitgeben, auf dem Platz die richtigen Entscheidungen zu treffen. «Wir Trainer werden keinen Ball verteidigen und keinen reinschiessen können», sagt er. «Das müssen die Jungs schon selbst machen.»

Olaf Janssen: «Ich sehe, dass sie es wollen»

Tatsächlich erkennt Janssen bei seiner Mannschaft nach zuletzt zehn Gegentoren in zwei Partien erste Fortschritte. In der ersten Halbzeit hält GC gegen die offensiv starken Berner gut dagegen, verteidigt kompakter und zeigt auch nach vorne Ansätze. Dann folgt der Kaltstart nach der Pause: YB trifft zweimal innert kurzer Zeit. Besonders bitter für Janssen: Beim ersten Gegentor setzt GC auf Abseits – und wird erwischt. «Das tat weh, das hat der Mannschaft wehgetan», sagt er.

Dass seine Spieler danach nicht auseinanderfallen, rechnet er ihnen hoch an. «Wie die Mannschaft sich dann wieder zusammengerissen hat – das tut weh, in so einem Moment auf dem Platz zu stehen. Diese Haltung fand ich mehr als angemessen.» YB fahre verdient mit drei Punkten nach Hause. Trotzdem habe er gesehen, was ihm wichtig sei: dass die Mannschaft seine Ideen annehmen wolle. «Ich sehe das Potenzial», sagt Janssen. «Das war heute ein ganz wichtiger Schritt für uns.»

Sieben Operationen in Basel

Dass Janssen auch dann nicht locker lässt, wenn es wehtut, hat möglicherweise mit seiner eigenen Leidensgeschichte zu tun. Nach der Pressekonferenz erzählt der Deutsche gegenüber 20 Minuten von einer Verletzung, die ihn einst als Profi beim 1. FC Köln zu einem regelrechten Stammgast in Basel machte.

Der Wadenmuskel war abgerissen, der Muskel sollte wieder angenäht werden. Doch danach entwickelte Janssen eine Infektion. Es folgte eine Operation nach der anderen – insgesamt sieben Eingriffe, wie er erzählt.

«Das war brutal», sagt Janssen. Selbst der behandelnde Arzt Dr. Segesser sei irgendwann «total fix und fertig» gewesen. Erst als dieser an einem Kongress in den USA einen Kollegen um Rat fragte, kam eine mögliche Erklärung auf: Janssen könnte auf das Nahtmaterial allergisch reagieren. Schliesslich wurde körpereigenes Material verwendet. «Ich war tatsächlich der Erste, der gegen diesen Faden eine Allergie entwickelt hat», erzählt der GC-Trainer.

Die ganze Geschichte spielte sich in Basel ab, in der Rennbahnklinik, wie Janssen vermutet. Ein Jahr habe er dort gefühlt verbracht. Trotz der schwierigen Zeit blickt er nicht nur mit Schrecken zurück. Er habe Kontakt zu Physiotherapeuten, Seelsorgern und anderen Sportlern gehabt. Es sei «trotzdem eine sehr schöne Zeit» gewesen.

Dank Urs Fischer ans Schweizerdeutsch gewöhnt

Die vielen Aufenthalte in der Schweiz haben noch einen Nebeneffekt: Janssen versteht Schweizerdeutsch. Als ihn ein Journalist nach der Pressekonferenz fragt, ob er mit dem Dialekt etwas anfangen könne, antwortet der Deutsche selbstbewusst: «Ja!» Die einzige Möglichkeit, sich daran zu gewöhnen, sei damals die Kommunikation mit Urs Fischer in Berlin gewesen, als Janssen bei der Hertha Co-Trainer war und der Schweizer bei Union engagiert war.

Dazu kamen die vielen Operationen in Basel. «Wenn ich das alles zusammenrechne, dann geht das ganz gut», sagt Janssen mit einem Lachen. In den kommenden Wochen dürften die Zürcher Journalisten ihren Wortschatz beim GC-Coach weiter ausbauen: «Ihr werdet mir das eine oder andere Wort mitteilen, was ich da noch lernen kann, und dann passt das.»

Bis Janssens Schweizerdeutsch perfekt sitzt, hat er bei GC allerdings noch einiges zu tun. Das Cup-Spiel gegen Breitenrain kommt ihm dabei gelegen: Es verschafft ihm zusätzliche Zeit, um seine Mannschaft besser kennenzulernen und an den Abläufen zu arbeiten. «Diese Schritte fallen nicht vom Himmel, sondern entstehen durch Weiterentwicklung», sagt er.

Der Vulkan ist bereit. Und nach seiner Basler Leidensgeschichte weiss Janssen wohl besser als mancher andere, dass Fortschritte manchmal Geduld brauchen.

Wie stehst du zu Olaf Janssens sehr aktivem Auftritt an der Seitenlinie bei GC?

Sebastian Rieder

Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.

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