Brandanschlag auf Synagoge: Wuppertaler Polizei geht von Alleintäter aus

Nach dem Attentat auf die jüdische Gemeinde wird in Wuppertal mit Mahnwachen gegen Antisemitismus demonstriert. Solidarität von Kirchen und Ditib.
Foto: Christoph Petersen/dpa
Am Morgen nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal gehen die Ermittlungsbehörden weiter von einem Einzeltäter aus. Verdächtig sei ein 37-Jähriger mit afghanischer Staatsbürgerschaft, bestätigte Niklas Rademacher, Sprecher der Wuppertaler Polizei, am Freitagmorgen der taz. Sein Aufenthaltsstatus werde gerade vom Staatsschutz, also der für politisch motivierte Kriminalität zuständigen Abteilung der Polizei, ermittelt. Vermutlich halte sich der Mann „mindestens seit 2014“ in Deutschland auf – aus diesem Jahr sei ein „Polizeikontakt“ aktenkundig.
Der 37-Jährige soll am frühen Donnerstagnachmittag, drei Tage vor dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, gegen 14.02 Uhr eine „brennbare Flüssigkeit“ auf den Treppenstufen der Synagoge im Wuppertaler Stadtteil Barmen „ausgebreitet und angezündet“ haben. Um welchen Brennstoff es sich genau gehandelt habe, untersuche gerade ein Sachverständiger, so Polizeisprecher Rademacher.
Derzeit scheine es so, als habe der Verdächtige die Flüssigkeit „in einer Tüte oder einem Plastikbehälter“ transportiert, in Richtung des Gotteshauses geworfen, danach ausgeschüttet und in Brand gesetzt. Gelöscht wurden die Flammen von Mitarbeiter:innen der Synagoge. Möglich war dies offenbar, da es am Anschlagsort kaum brennbares Material gibt. „Dort ist alles aus Stein“, sagte Rademacher.
Der Verdächtige sei „unmittelbar nach Tatbegehung“ festgenommen worden, so der Polizeisprecher – die Wuppertaler Synagoge wird wie viele andere aus Angst vor Anschlägen rund um die Uhr von Polizist:innen bewacht. Am Tatort versammelten sich am Donnerstagabend Dutzende Menschen zu einer spontanen Mahnwache. Weitere Solidaritätsaktionen sind geplant.
Breite Solidarität
Die muslimische Ditib-Gemeinde in Wuppertal-Elberfeld erklärte in sozialen Netzwerken, der Anschlag sei „ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt“. Die dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan direkt unterstellte Organisation stehe „solidarisch an der Seite der jüdischen Gemeinde“, hieß es etwa bei Facebook: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Hass, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus oder religiöse Feindseligkeit unsere Gesellschaft spalten.“
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, nannte es unsäglich, „dass mitten unter uns antisemitische Gewalt und Anschläge stattfinden“. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, erklärte sich solidarisch und mahnte, der Schutz jüdischer Gemeinden in Nordrhein-Westfalen müsse „weiterhin mit aller Konsequenz“ sichergestellt werden. Auch Politiker:innen von CDU und Grünen zeigten sich bestürzt.
Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hatte schon am Donnerstag in einer ersten Reaktion erklärt, er sei „zutiefst verstört“ von der „Seelenruhe, mit welcher der Täter in Wuppertal diesen Anschlag am helllichten Tag durchgeführt“ habe. Von Unrechtsbewusstsein oder Scham fehle jede Spur, so Schuster: „Dieses Vorgehen bezeugt die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses, auf die unsere Gesellschaft bisher keine Antwort gefunden hat.“
Der Zentralratsvorsitzende erklärte, der Zeitpunkt des Anschlags drei Tage vor dem Versöhnungsfest Jom Kippur sei „nicht zufällig gewählt“. Schuster erinnerte „an den Anschlag von Chanukka 2025 in Sydney, Jom Kippur 2025 in Manchester sowie den Anschlag in Halle 2019.“ In Wuppertal hatte es bereits 2014 einen Brandanschlag auf die Synagoge gegeben. Dabei hatten drei aus Palästina stammende Männer stark alkoholisiert sechs Molotowcocktails auf das Gotteshaus geworfen. Alle drei wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt, was damals zu starker Kritik führte.
Und im knapp 40 Kilometer entfernten Bochum hatte ein Mann im November 2023 einen Brandsatz auf die Hildegardis-Schule geworfen, die unmittelbar an die dortige Synagoge grenzt. Hinter der Anschlagsplanung habe „eine staatliche iranische Stelle“ gestanden, hielt das Oberlandesgericht Düsseldorf fest, das den Täter, einen 36-jährigen Deutsch-Iraner, wegen schwerer Brandstiftung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilte.
Zentralratspräsident Schuster mahnte angesichts der Anschlagskette, in drei Tagen beginne der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur. „Alle Synagogen werden voll sein“, so Schuster – und die deutschen Sicherheitsbehörden stünden in der Pflicht, die Sicherheit der Gottesdienste zu gewährleisten: „Wir wollen und werden uns nicht davon abhalten lassen, unsere Religion zu leben“, erklärte der Zentralratspräsident. Auch in Wuppertal soll der Schutz der Synagoge rund um Jom Kippur noch einmal verstärkt werden.
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