The Jerusalem PostRussians vote in election that Putin sees as barometer of public support for his war in UkraineESPN DeportesRed Sox sorprende a Rangers con jonrón en la octava y evita la barridaESPN'That place was electric': Bills marvel at new stadium after 41-point nightDaily MaverickConsistency proved key in Sinesipho Dambile’s remarkable yearInquirerGatchalian flags P295-M fees paid due to transport project delaysRTP DesportoAdeptos do Torreense falam em vitória históricaוואלהבית המשפט קיבל את עתירת אגם צרפי ומתח ביקורת על שב"סAntara NewsTomorrow, Jakarta to turn off lights for 60 minutes for Ozone DayVanguardLagos youths trained to spot fake news, manipulated contentTVN24W weekend pożegnamy lato. W tej prognozie widać śniegХабрЭволюция пайплайна метрик: как менялась архитектура с ростом нагрузкиn-tvDeutsche Fahne "zurückholen"?: Warum der Kanzler sich besser nichts von Jürgen Klopp abguckt
The Daily Newsstand · Free, Always
Friday, September 18, 2026

Brandanschlag auf Synagoge: Wuppertaler Polizei geht von Alleintäter aus

Translate

Nach dem Attentat auf die jüdische Gemeinde wird in Wuppertal mit Mahnwachen gegen Antisemitismus demonstriert. Solidarität von Kirchen und Ditib.

Am Morgen nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal gehen die Ermittlungsbehörden weiter von einem Einzeltäter aus. Verdächtig sei ein 37-Jähriger mit afghanischer Staatsbürgerschaft, bestätigte Niklas Rademacher, Sprecher der Wuppertaler Polizei, am Freitagmorgen der taz. Sein Aufenthaltsstatus werde gerade vom Staatsschutz, also der für politisch motivierte Kriminalität zuständigen Abteilung der Polizei, ermittelt. Vermutlich halte sich der Mann „mindestens seit 2014“ in Deutschland auf – aus diesem Jahr sei ein „Polizeikontakt“ aktenkundig.

Der 37-Jährige soll am frühen Donnerstagnachmittag, drei Tage vor dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, gegen 14.02 Uhr eine „brennbare Flüssigkeit“ auf den Treppenstufen der Synagoge im Wuppertaler Stadtteil Barmen „ausgebreitet und angezündet“ haben. Um welchen Brennstoff es sich genau gehandelt habe, untersuche gerade ein Sachverständiger, so Polizeisprecher Rademacher.

Derzeit scheine es so, als habe der Verdächtige die Flüssigkeit „in einer Tüte oder einem Plastikbehälter“ transportiert, in Richtung des Gotteshauses geworfen, danach ausgeschüttet und in Brand gesetzt. Gelöscht wurden die Flammen von Mit­ar­bei­te­r:in­nen der Synagoge. Möglich war dies offenbar, da es am Anschlagsort kaum brennbares Material gibt. „Dort ist alles aus Stein“, sagte Rademacher.

Der Verdächtige sei „unmittelbar nach Tatbegehung“ festgenommen worden, so der Polizeisprecher – die Wuppertaler Synagoge wird wie viele andere aus Angst vor Anschlägen rund um die Uhr von Po­li­zis­t:in­nen bewacht. Am Tatort versammelten sich am Donnerstagabend Dutzende Menschen zu einer spontanen Mahnwache. Weitere Solidaritätsaktionen sind geplant.

Breite Solidarität

Die muslimische Ditib-Gemeinde in Wuppertal-Elberfeld erklärte in sozialen Netzwerken, der Anschlag sei „ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt“. Die dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan direkt unterstellte Organisation stehe „solidarisch an der Seite der jüdischen Gemeinde“, hieß es etwa bei Facebook: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Hass, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus oder religiöse Feindseligkeit unsere Gesellschaft spalten.“

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, nannte es unsäglich, „dass mitten unter uns antisemitische Gewalt und Anschläge stattfinden“. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, erklärte sich solidarisch und mahnte, der Schutz jüdischer Gemeinden in Nordrhein-Westfalen müsse „weiterhin mit aller Konsequenz“ sichergestellt werden. Auch Po­li­ti­ke­r:in­nen von CDU und Grünen zeigten sich bestürzt.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hatte schon am Donnerstag in einer ersten Reaktion erklärt, er sei „zutiefst verstört“ von der „Seelenruhe, mit welcher der Täter in Wuppertal diesen Anschlag am helllichten Tag durchgeführt“ habe. Von Unrechtsbewusstsein oder Scham fehle jede Spur, so Schuster: „Dieses Vorgehen bezeugt die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses, auf die unsere Gesellschaft bisher keine Antwort gefunden hat.“

Der Zentralratsvorsitzende erklärte, der Zeitpunkt des Anschlags drei Tage vor dem Versöhnungsfest Jom Kippur sei „nicht zufällig gewählt“. Schuster erinnerte „an den Anschlag von Chanukka 2025 in Sydney, Jom Kippur 2025 in Manchester sowie den Anschlag in Halle 2019.“ In Wuppertal hatte es bereits 2014 einen Brandanschlag auf die Synagoge gegeben. Dabei hatten drei aus Palästina stammende Männer stark alkoholisiert sechs Molotowcocktails auf das Gotteshaus geworfen. Alle drei wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt, was damals zu starker Kritik führte.

Und im knapp 40 Kilometer entfernten Bochum hatte ein Mann im November 2023 einen Brandsatz auf die Hildegardis-Schule geworfen, die unmittelbar an die dortige Synagoge grenzt. Hinter der Anschlagsplanung habe „eine staatliche iranische Stelle“ gestanden, hielt das Oberlandesgericht Düsseldorf fest, das den Täter, einen 36-jährigen Deutsch-Iraner, wegen schwerer Brandstiftung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilte.

Zentralratspräsident Schuster mahnte angesichts der Anschlagskette, in drei Tagen beginne der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur. „Alle Synagogen werden voll sein“, so Schuster – und die deutschen Sicherheitsbehörden stünden in der Pflicht, die Sicherheit der Gottesdienste zu gewährleisten: „Wir wollen und werden uns nicht davon abhalten lassen, unsere Religion zu leben“, erklärte der Zentralratspräsident. Auch in Wuppertal soll der Schutz der Synagoge rund um Jom Kippur noch einmal verstärkt werden.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“ Gegen Rechtsruck hilft Linksblick

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

View the original on taz

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.