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Sunday, October 11, 2026

Friedenspreisträger Sands kritisiert deutsches Schweigen zu Vorgehen Israels

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Philippe sands in der Paulskirche: Eine Person in dunklem Anzug und Krawatte steht hinter einem steinernen Rednerpult und spricht in zwei Mikrofone. Im Hintergrund ist ein Schild mit der Aufschrift "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" und dem zugehörigen Logo zu sehen. Die Wand dahinter besteht aus hell gemasertem Naturstein.

Friedenspreisträger Philippe Sands "Schweigen ist nicht der Weg"

Stand: 11.10.2026 • 14:11 Uhr

Der Jurist und Schriftsteller Philippe Sands hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Er bedankte sich mit dem Appell, zu Verletzungen des Völkerrechts nicht zu schweigen. Israels Vorgehen in Gaza müsse kritisiert werden.

Von Christoph Scheffer

"Frieden braucht Gerechtigkeit. Gerechtigkeit braucht Regeln. Regeln brauchen das Recht." – Dieses Credo des britisch-französischen Juristen und Schriftstellers stand im Zentrum seiner Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche. Und er fügte hinzu: "Das Recht und Gesetze gelten universell, nicht selektiv." Das war die klare Botschaft an Deutschland.

Wie kein anderes Land habe sich Deutschland mit den Verbrechen seiner Vergangenheit beschäftigt, betonte Sands. Deutschland habe viele Gräuel angeprangert und sei dagegen aktiv geworden. Doch zu Israel, zum Gazastreifen und zum Westjordanland sei "das deutsche Schweigen bis heute laut". Kritik an den Handlungen Israels sei aber weder antisemitisch noch anti Israel, betonte Sands, es sei die Wahrheit: "Völkerstraftaten wurden am 7. Oktober auf dem Territorium Israels und anschließend auf dem Territorium Palästinas, im Gazastreifen und im Westjordanland begangen."

"Echte Staatsräson für Deutschland"

Eine "echte Staatsräson für Deutschland" müsse "das Schweigen über Völkerstraftaten brechen" - durch wen auch immer sie begangen würden, "auch wenn es Freunde, vor allem wenn es Freunde sind". Diesem Appell applaudierten nicht alle in der Frankfurter Paulskirche, auch der anwesende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nicht.

Dabei hatte Philippe Sands sein kompromissloses Eintreten für das Völkerrecht zuvor aus seiner eigenen Familiengeschichte hergeleitet. Geboren 1960 in London, wuchs er in einer jüdischen Familie auf, in der viele Angehörige Opfer des Holocaust geworden waren. Das Schweigen der Familie über dieses Trauma belastete ihn schwer.

Später machte sich Sands in Lemberg auf die Suche nach den Wurzeln seiner Familie und stieß dabei auch auf die Biografien der Juristen Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin, die nach 1945 die völkerrechtlichen Begriffe "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und "Genozid" prägen sollten.

Recht und Literatur

Seine eigene Tätigkeit als Menschenrechtsanwalt beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und als Schriftsteller richte sich gegen das Schweigen, erklärte Sands. "Und genau hier kommen Recht und Literatur zusammen, indem sie Geschichten erzählen, Denkanstöße geben, den Mächtigen die Wahrheit sagen, Vorurteilen und Doppelmoral entgegentreten, Dinge ausgraben, die manche gern verbergen würden."

Wer Völkerstraftaten anprangere, solle "nicht zum Schweigen gebracht, ausgeschlossen oder bestraft werden", forderte Sands: "Autorinnen und Journalisten, Sänger und Dichterinnen, Filmemacher und andere müssen ihre Geschichten erzählen können."

Als musikalische Begleitung seiner Gedanken hatte sich Philippe Sands Musik von Johann Sebastian Bach und von Leonard Cohen gewünscht. "Erbarme dich, mein Gott" aus der Matthäuspassion und Cohens "Anthem" trügen die Botschaft von Reue, Gnade und Gerechtigkeit weiter.

"Keine Achse des Guten oder Bösen"

Zuvor hatte die österreichische Historikerin Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums in München, in ihrer Laudatio die klare Haltung des Preisträgers gewürdigt: "Keine Achse des Guten oder Bösen teilt die Welt des Juristen und Autors Philippe Sands entzwei." Als Schriftsteller schmuggele dieser "manchmal kaum auszuhaltende Geschichten hinein in unsere geschützten und komfortablen Leben".

Auch der Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Sebastian Guggolz, lobte die schriftstellerische Leistung von Philippe Sands. Die Möglichkeit der erzählerischen Darstellung sei "wie ein Befreiungsschlag für den Juristen, sie entfesselt seine Erzählfreude, zeigt sein meisterhaftes Gespür für mehrdeutige Situationen und für die Menschen, die, ob Täter oder Opfer, am Unrecht beteiligt sind und mit den Auswirkungen und den Konsequenzen leben müssen." Aus der Hand von Guggolz nahm Sands die Urkunde des Friedenspreises entgegen.

"Rechtsextremisten niemals in Regierungsverantwortung"

Zur Eröffnung hatte Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) die Gäste in der Paulskirche begrüßt, darunter neben Bundespräsident Steinmeier auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD), den Bundestagsvizepräsidenten Omid Nouripour (Grüne) sowie Hessens Kunstminister Timon Gremmels (SPD). Josef erinnerte an den früheren hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der den Frankfurter Auschwitzprozess ab 1963 angestoßen hatte.

Wenn diese Prozesse einen Sinn haben sollten, so habe Fritz Bauer damals gesagt, so sei es die "unumgängliche Erkenntnis, dass Anpassung an einen Unrechtsstaat Unrecht ist". Im Sinne Bauers und des Friedenspreisträgers Philippe Sands aus der Geschichte zu lernen, so Josef, bedeute auch, dass "Rechtsextremisten niemals wieder in Regierungsverantwortung" kommen dürften.

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