«100 Franken oder Polizei»: Ranger Dani stellt Wildcamper

Darum gehts
- Am Oeschinensee kontrolliert seit 2025 ein Ranger das Gebiet und büsst Wildcamper mit 100 Franken.
- Laut dem Verwaltungsratspräsidenten Christoph Wandfluh werden pro Abend bis zu 60 illegale Zelte gezählt.
- Ein Video des Rangers ging viral und wurde auf Instagram über 300’000 Mal angeschaut.
«Entweder rufe ich die Polizei, was 2000 Franken pro Person kosten kann, oder ihr bezahlt jetzt 100 Franken und verlasst das Gebiet.» Mit diesen Worten stellt Daniel Haltner, bekannt als «Dani the Ranger», zwei Wildcamper am Oeschinensee vor die Wahl.
Die beiden verlangen zunächst, dass sich der Ranger ausweist. Kurz darauf bauen sie ihre Zelte ab und verlassen das Gebiet Richtung Kandersteg. Dort nimmt sie der Ranger im Tal in Empfang und hilft bei der Suche nach einem Campingplatz. Auf die Wildcamper aufmerksam geworden ist der Ranger durch einen Hinweis per Telefon.
«An manchen Abenden über 60 Zelte»
Das Problem beschränkt sich nicht auf einzelne Camper. «In der Vergangenheit waren an manchen Abenden über 60 Zelte um den See aufgestellt. Das Video soll daher bewusst Wildcamper aus ganz Europa auf Social Media abschrecken», sagt Christoph Wandfluh, von der Alpschaft Oeschinenholz, gegenüber 20 Minuten.
«Das Gebiet um den Oeschinensee gehört zum Unesco-Welterbe Jungfrau-Aletsch. Die sehr hohe Anzahl an Wildcampern schadet der Natur, welche wir schützen wollen», sagt Wandfluh. Wildcampieren sei deshalb gesetzlich verboten.

«Regelmässige Polizeieinsätze in der Nacht»
Seit vier Jahren sind Ranger am Oeschinensee unterwegs. Sie kontrollieren etwa das Drohnenflugverbot oder den Leinenzwang bei Hunden, der wegen der Wildtiere und Kühe gilt. Auch das Sauberhalten des Gebiets gehört zu den Aufgaben der Ranger. Sie sammeln liegen gebliebenen Abfall ein, begleiten Schulklassen und koordinieren Clean-up-Days.
Teils müssten die Ranger auch die Behörden involvieren. «Auch diesen Sommer wurden regelmässig Polizeieinsätze in der Nacht durchgeführt», sagt Wandfluh. Die Polizei könne direkt Bussen aussprechen. «Wildcampieren kann angezeigt und mit bis zu 2000 Franken pro Person gebüsst werden.»
Video erreicht über 300’000 Aufrufe
Die Ranger selbst gingen ebenfalls gegen Wildcamper vor. «Die Ranger erheben vor Ort eine Umtriebsentschädigung und weisen Wildcamper gestützt auf ein richterliches Verbot weg», sagt Wandfluh. Das Geld bleibt nicht bei den Verantwortlichen am Oeschinensee. «Die Einnahmen werden vor Ort für den Naturschutz eingesetzt.»
Das Video von Dani sorgt im Netz für viel Aufmerksamkeit. Auf Instagram wurde es bereits mehr als 350’000 Mal angeschaut. Viele Nutzer unterstützen das Vorgehen.
«Gut gemacht von den Rangern und den Verantwortlichen», schreibt ein Nutzer. Das Verbot von Wildcampieren und Übernachten im Freien sei klar kommuniziert und das aus gutem Grund. Natur und Wildtiere müssten geschützt werden.
Wie stehst du zu den Bussen für Wildcamping am Oeschinensee?
Ein anderer Nutzer schreibt: «Richtig so, der Oeschinensee gehört zum Unesco und muss geschützt werden!» Beim Abstieg sammle er regelmässig so viel Abfall ein, dass teilweise nicht einmal zwei Taschen ausreichten.
Doch nicht alle können die strengen Regeln nachvollziehen. «Ich finde es schade, dass man in der Schweiz nicht so richtig die Natur geniessen darf», schreibt eine Nutzerin. Es gebe zu viele Verbote. Schweizer und Touristen würden die Natur ihrer Meinung nach genügend respektieren. Das Verbot empfinde sie deshalb als übertrieben.
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Flurin Pestalozzi (flu) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Korrespondent in Bern.
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