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Wednesday, September 9, 2026

«Mehrere Apps, um sich für Kafi zu verabreden – das ist ermüdend»

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  • 30 Prozent Preisanstieg oder schlechtere technische Leistungen: So beschreibt Nothing-CEO Carl Pei das Dilemma der Branche.
  • Ursache ist der KI-Boom, der leistungsfähige Computerchips zur Mangelware macht – auch Apple hat bereits Preise erhöht.
  • Pei will Nothing gezielt bei der Gen Z positionieren.

Der Ausbau von Rechenzentren wegen des KI-Booms sorgt dafür, dass leistungsfähige Computerchips zur Mangelware werden. Die Folge: Die Preise für zahlreiche technische Geräte steigen. Apple erhöhte erst kürzlich die Preise für MacBooks und iPads. Auch der noch junge Handyhersteller Nothing Phone ist davon betroffen.

Im Interview mit 20 Minuten spricht Nothing-Gründer und -CEO Carl Pei über die steigenden Chip-Preise, seine Schweiz-Pläne und was bei Handys in Zukunft anders sein wird.

Herr Pei, Nothing ist noch eine junge Marke. Was unterscheidet sie von Apple, Samsung oder Xiaomi?
Ich habe Nothing mit der Idee gegründet, Consumer-Technologie wieder mehr Spass zu verleihen und Kreativität zurück in den Mittelpunkt unserer Branche zu bringen. In den 2000er-Jahren war das noch selbstverständlich und hat unsere Wettbewerber gross gemacht. Doch irgendwann ist dieser Gedanke verloren gegangen.

Was heisst das genau?
Die Menschen interessieren sich immer stärker dafür, wie sich ein Gerät im Alltag anfühlt, und weniger nur dafür, was technisch darin steckt. Genau hier entsteht Differenzierung, und Design ist für uns ein zentraler Bestandteil dieses Prozesses. Dabei geht es nicht nur um Dekoration, sondern darum, wie ein Produkt aussieht, sich anfühlt und in das eigene Leben passt. Ein Produkt, das anders aussieht, sagt etwas darüber aus, wer man ist, und lädt zur Interaktion ein.

«Wir wollen das beliebteste Tech-Unternehmen für die nächste Generation werden»

Carl Pei, Gründer und CEO, Nothing

Möchte Nothing eine Nischenmarke oder ein Anbieter für den Massenmarkt sein?
Wir wollen das weltweit beliebteste Technologieunternehmen für die nächste Generation werden. Aber dorthin kommt man nicht, indem man vom ersten Tag an versucht, alles für alle zu sein. Wir mussten uns zunächst klar positionieren und sicherstellen, dass unser Weg zu Wachstum und Community-Aufbau fokussiert bleibt.

Welche Positionierung war das?
Wir hatten grossen Erfolg damit, Produkte für eine Zielgruppe zu entwickeln, die sich von etablierten Technologiemarken nicht wirklich gesehen fühlt. Diese Zielgruppe ist stark von der Gen Z geprägt. Darauf bauen wir jetzt auf, indem wir Künstlerinnen, Designer und Musikerinnen stärker einbinden. Wir wollen Produkte entwickeln, die Ablenkungen reduzieren, Kreativität ermöglichen und Menschen dabei helfen, sich auf ihre eigene Weise auszudrücken.

In der Schweiz dominieren Apple und Samsung den Markt. Wie kann Nothing Marktanteile gewinnen?
Es wäre naiv von mir, zu behaupten, dass wir Apple oder Samsung angesichts ihrer Grösse und Ressourcen in naher Zukunft überholen werden. Für uns ist das richtige Tempo wesentlich wichtiger.

Apple und Samsung haben zusammen einen Marktanteil von fast 90 Prozent in der Schweiz.

Apple und Samsung haben zusammen einen Marktanteil von fast 90 Prozent in der Schweiz.20min Marco Zangger

Wie schnell wollen Sie wachsen?
Mit bewusstem Tempo und gezieltem Wachstum. Als neues Unternehmen war es wichtig, nicht loszurennen, bevor wir überhaupt laufen konnten. Wir konzentrieren uns auf eine stetige und kontinuierliche Entwicklung und haben viel Arbeit in den Aufbau der notwendigen Infrastruktur investiert, um ein globales Hardwaregeschäft betreiben zu können. Unser Marktanteil wächst weltweit, besonders bei Verbraucherinnen und Verbrauchern der Gen Z.

Wie wichtig ist die Schweiz für Nothing?
Die Schweiz steht für Luxus, Finesse und Liebe zum Detail. Hier erfolgreich zu sein, bedeutet, zu beweisen, dass die eigenen Produkte aussergewöhnlichen Designansprüchen gerecht werden. Ich bin überzeugt, dass wir dafür bestens aufgestellt sind.

Was ist Ihr Plan für die Schweiz?
Uns ist wichtig, neue Märkte nicht mit einem generischen, überall identischen Ansatz zu betreten. Wir nehmen uns die Zeit, lokale kreative Communitys wirklich einzubinden. Nothing in der Schweiz soll sich klar schweizerisch anfühlen und anders sein als unsere Präsenz in den USA, Grossbritannien, Deutschland oder Indien. Wir wollen lokal Relevanz aufbauen und nicht einfach nur Produkte ausliefern.

Die Nachfrage nach Computerchips im KI-Sektor treibt die Preise. Wie viel teurer werden Smartphones deshalb?
Das ist ein sehr reales Problem für die Branche. Viele Unternehmen in diesem Bereich stehen vor der Herausforderung, entweder die Preise um 30 Prozent oder mehr zu erhöhen oder die technischen Spezifikationen zu reduzieren. Unsere Haltung ist, dass Design und Nutzungserlebnis dadurch noch wichtiger werden.

Wie reagierst du auf die steigenden Preise bei technischen Geräten?

Haben Smartphones die Menschen glücklicher oder abhängiger gemacht?
Ein wenig von beidem. Es ist populär, Smartphones zu kritisieren, und ich verstehe das. Dabei wird jedoch häufig übersehen, welchen enormen Mehrwert sie unserem Alltag gebracht haben. Informationen zu finden, mit der Familie zu kommunizieren oder sich in einer neuen Stadt zurechtzufinden, war noch nie so einfach. Gleichzeitig haben sich Abläufe verkompliziert, die eigentlich einfach sein sollten. Um sich auf einen Kaffee zu verabreden, muss man zwischen mehreren Apps wechseln, etwa Kalender, Karten und Messaging-Diensten. Das ist ermüdend. Technologie sollte Reibung aus dem Leben nehmen, nicht zusätzliche schaffen. Genau hier kann KI meiner Meinung nach den grössten Unterschied machen.

Wann haben Sie Ihr Handy das letzte Mal bewusst ausgeschaltet?
In letzter Zeit bedeutet Abschalten für mich vor allem, Zeit mit meiner Verlobten, meiner Familie sowie Freundinnen und Freunden zu verbringen.

Was wird bis zum Jahr 2030 vollständig aus Smartphones verschwunden sein?
Die klassischen App-Raster. Das ist heute schwer zu erklären, weil wir so sehr daran gewöhnt sind. Doch die Integration wirklich nützlicher KI-Agenten in das Smartphone-Erlebnis wird eine neue Benutzeroberfläche erfordern, die für sie funktioniert. Wir werden ein völlig anderes Layout sehen: weniger Icons, weniger Wiederholung und ein autonomeres Betriebssystem, das das Smartphone-Erlebnis individuell an die jeweiligen Nutzerinnen und Nutzer anpasst.

Das ist Carl Pei

Nothing

Carl Pei (36) ist Mitgründer und CEO von Nothing, einem in London ansässigen Technologieunternehmen. Pei war vor Nothing bei Nokia und Oppo. Danach gründete er gemeinsam mit dem Oppo-Manager Pete Lau den chinesischen Handy-Hersteller Oneplus. Pei wurde in China geboren und ist in Grossbritannien und Schweden aufgewachsen. Er wurde von Forbes 30 Under 30, Fortune 40 Under 40 und Marketing Week’s Vision 100 ausgezeichnet.

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Fabian Pöschl

Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft

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