Projekt Stolperstein – Eine Erinnerung an jemanden, von dem es kein Bild gibt

Adolf Ferrari kam am 12. November 1914 im zugerischen Cham auf die Welt. Am 16. Januar 1941 wurde der junge Mann in Metzingen verhaftet, einer Ortschaft südlich von Stuttgart. Er war dem NS-Regime bei einer Razzia gegen Homosexuelle in die Fänge geraten. Am 18. Februar 1944 war Adolf Ferrari tot. Er starb in einem Aussenlager des KZ Buchenwald. Offizielle Todesursache: Herzmuskelschwäche.
Seit dem 21. September 2026 erinnert in Cham ein Stolperstein an Adolf Ferrari und seine tragische Geschichte.
Adolf Ferrari war ein ausgezeichneter Schüler, glänzte in der Primarschule mit besten Noten und besuchte später an der Kantonsschule die Handelsabteilung. Noch nicht einmal 20 Jahre alt, nahm sein Leben aber eine unglückliche Wendung: Sein Vater wurde verhaftet, weil er Geld unterschlagen und Schulden hatte.
Der Rest der Familie – Adolf, seine jüngere Schwester Hedwig und ihre Schweizer Mutter Josefine – wurde nach Italien ausgewiesen. Auf dem Papier ihre Heimat, in der Realität ein Land, das ihnen fremd war.
Das Projekt Stolperstein
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«Stolpersteine» ist ein Projekt, das an das Schicksal der Menschen erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Initiiert wurde das Projekt vom deutschen Künstler Gunter Demnig.
Mit mittlerweile über 100'000 Gedenksteinen in mehr als 30 Ländern gilt das Projekt Stolpersteine als das grösste dezentrale Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus.
Seit 2020 setzt auch ein Verein in der Schweiz solche Erinnerungszeichen für Opfer, die einst hier ihren Wohnsitz hatten.
Mutter Josefine, geborene Meier, starb in Italien; Adolf reiste Jahre später nach Deutschland weiter, wahrscheinlich der Sprache wegen. Dort wird Adolf Ferrari schliesslich von den Nazis verhaftet. Zuvor hatte sein Vater die Zuger Regierung mehrmals gebeten, den Landesverweis für die Familie aufzuheben. Ohne Erfolg.
Von Adolf Ferrari existiert kein Bild, kein Foto. «Wir nennen heute den Namen von Adolf Ferrari», sagte Michael Sohn beim Einfügen des Stolpersteins in den Trottoir-Asphalt. Der reformierte Pfarrer aus Cham war einer der Redner an der Feier. «Und wir geben ihm einen Ort, den er verloren hatte. Wir bewahren seinen Namen vor dem Vergessen.»
Adolf Ferraris Stolperstein ist der sechzigste in der Schweiz – und der erste in der Zentralschweiz. Eine Übersicht über die verschiedenen Standorte gibt es auf der Internetseite des Vereins Stolpersteine Schweiz.
Regionaljournal Zentralschweiz, 21.9.2026, 17:30 Uhr ; zezm;buec;liea
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