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Monday, October 19, 2026

22 Stunden täglich im Bett: «Krankheit hat mein Leben zerstört»

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  • Nur fünfmal hat Beth Dobbin ihr Haus in diesem Jahr verlassen.
  • Die britische Ex-Sprinterin leidet nach Corona und Drüsenfieber an ME und liegt über 22 Stunden täglich im Bett.
  • Mit dem «BBC»-Interview will die Olympionikin Betroffenen eine Stimme geben, obwohl es ihre Symptome verschlimmern könnte.

Vor fünf Jahren sprintet Beth Dobbin bei den Olympischen Spielen in Tokio über 200 Meter bis in den Halbfinal – heute schafft es die 32-jährige Britin kaum noch aus dem Bett. Mehr als 22 Stunden täglich liegt die ehemalige Spitzensportlerin im Bett, und ihr Haus hat sie in diesem Jahr gerade fünfmal verlassen, wie sie im Interview mit der britischen «BBC» verrät.

Grund dafür ist die chronische Krankheit ME, auch Myalgische Enzephalomyelitis genannt. Die schwere chronische Erkrankung tritt häufig nach Infektionen auf. So war es auch bei Dobbin, die sich nur wenige Monate nach den Olympischen Spielen mit Corona und später mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber angesteckt hat.

«Als wäre man nur noch Tage vom Tod entfernt»

Beide Infektionen merkt die Läuferin zunächst kaum. Sie schläft zwar mehr, trainiert aber weiter und geht davon aus, dass es sich um Nachwehen der Ansteckung handelt. Doch die Symptome werden immer schlimmer, wie sie erzählt: «Ich hatte Schwierigkeiten aufzustehen, habe sehr viel geschlafen und lag die ganze Zeit im Bett.»

Nach Untersuchungen bei mehreren Spezialisten erhält Dobbin schliesslich die Diagnose ME. Die Krankheit kann Schmerzen, Schlafprobleme und eine massive Verschlechterung des Zustands nach geringster Anstrengung auslösen. Ein Gespräch oder grelles Licht können einen «Crash» verursachen, der Monate anhält. Für Dobbin fühlt es sich an, als «würde der Körper herunterfahren, als wäre man nur noch wenige Tage vom Tod entfernt».

ME, CFS oder ME/CFS?

Die Erkrankung Myalgische Enzephalomyelitis (ME) wird auch als Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS) bezeichnet. Heute ist die Kombination ME/CFS verbreitet. Dobbin lehnt den Begriff CFS jedoch entschieden ab: Er reduziere die schwere, komplexe Erkrankung auf blosse Erschöpfung und verharmlose damit die gravierenden Auswirkungen auf das Leben Betroffener.

«Die Krankheit hat mein Leben zerstört, ich kann es kaum in Worte fassen», erzählt Dobbin im Interview weiter. «Ich habe das Gefühl, alles verloren zu haben.» Ihre Familie sei zwar noch da. «Aber ich habe meine Unabhängigkeit verloren, meine Gesundheit und die Möglichkeit, zu arbeiten oder Sport zu treiben.» Selbst zum Essen und für den Gang zur Toilette aufzustehen, kostet sie Kraft.

Eine Stimme für die Unsichtbaren

Auch ihre Familie leidet mit. «Ich will ihr so verzweifelt helfen, aber ich kann nicht, weil es nichts gibt», sagt Vater Jim. «Ich würde sie überallhin bringen, notfalls nach Amerika. Aber es gibt nichts.» Denn eine Heilung für die Krankheit ist bislang nicht bekannt.

Hast du schon einmal von dieser Krankheit gehört?

Ein wenig Hoffnung macht Dobbin die Forschung seit der Pandemie: «Das einzig Positive ist, dass Corona vor sechs Jahren kam und die gesamte medizinische Gemeinschaft dadurch aufgewacht ist.»

Mit dem Interview will sie auf die Krankheit aufmerksam machen, obwohl schon das Gespräch darüber ihre Symptome verschlimmern könnte. «Viele Betroffene haben mir gesagt: ‹Man glaubt mir nicht, die Leute halten mich für faul.›» Als Olympionikin werde ihr eher geglaubt. Genau deshalb will Dobbin ihre Stimme nutzen und ein Bewusstsein für ME schaffen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Céline Eicher

Céline Eicher (eic), Jahrgang 1996, arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Sport.

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