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Tuesday, October 20, 2026

«Die schönste Stadt der Welt» riecht überall nach Verbranntem

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In Paris war die Spannung am Montag wieder gesunken, doch die Strassen tragen noch die Spuren der Gewalt vom 17. Oktober.Fabien Chevallier/20 Minutes

Darum gehts

  • Nach einem Wochenende voller Gewalt blieb Paris am Montag von neuen Ausschreitungen verschont.
  • Rund um den Place de la République zeigen sich die Schäden: verbrannte Autos, geplünderte Läden, besprühte Statue.
  • Neue Demonstrationen sind für den 24. und 31. Oktober sowie den 5. November angekündigt.

Nach zwei Tagen voller Spannungen, mit Verwüstungen, Plünderungen und anderen unglaublichen Szenen blieb die französische Hauptstadt am Montag von neuen Ausschreitungen verschont.

Obwohl der Zug ab Genf ziemlich leer wirkte, wimmelt es vor Ort von Menschen. Wie immer in der meistbesuchten Stadt der Welt. Die spürbare Anspannung macht sich erst bemerkbar, wenn man sich dem Place de la République nähert, dem Epizentrum der Ereignisse des gesamten Wochenendes. Starkes Polizeiaufgebot und einige verwüstete Geschäfte sind zu sehen. Andere Ladenbesitzer versuchen sich weiterhin mit Holzbarrikaden zu schützen.

Der Geruch von Verbranntem

Beim Betreten des Platzes ist der erste Reflex, den Blick zu heben, um die Bilder zu sehen, die über das gesamte Wochenende in Dauerschleife auf den Nachrichtenkanälen liefen. Die Statue der Republik wird gereinigt. Demonstrierende haben über sie eine gelbe Weste geworfen und sie von oben bis unten mit Tags besprüht.

Dann der Geruch von Verbranntem. Und das ist kein Wunder, denn in einer Nebenstrasse liegen vier ausgebrannte Autos auf dem Asphalt – stumme Zeugen der extremen Gewalt, die «die schönste Stadt der Welt» an diesem Wochenende getroffen hat. Davor halten die Menschen inne, machen Fotos, als wollten sie ihre Anwesenheit im Herzen von Ereignissen verewigen, die viele Händler als «noch nie gesehen» beschreiben.

3000 Geschäfte beschädigt

Beim Spaziergang entlang des Boulevard de Magenta mit seinen Hunderten von Geschäften wird das Ausmass der durch die Plünderer verursachten Schäden deutlich. Jedes dritte Geschäft weist Risse in den Schaufensterscheiben und beleidigende Tags auf. «Mindestens 3000 Geschäfte wurden in Frankreich vandalisiert», teilte die Regierung am Montag mit.

«Mein Geschäft wurde ermordet»

Youssef, Besitzer von Foot Max.

Händler stehen inmitten der Trümmer ihrer Geschäfte und beantworten Fragen der Journalisten. Gleichzeitig warten sie auf Gutachter und räumen das Chaos auf. Youssef, der seit 26 Jahren das Geschäft Foot Max leitet, erklärt, sein Laden sei «an jenem Tag ermordet worden».

Youssef, seit 26 Jahren Geschäftsführer von Foot Max, ist am Boden zerstört angesichts der Schäden in seinem Laden.Fabien Chevallier/20 Minutes

Schäden in Höhe von Hunderttausenden von Euro

Hassan betrieb ein kleines Handygeschäft 300 Meter von Foot Max entfernt. Für ihn ist das nicht zu vergleichen mit der Zeit der Gelbwestenbewegung: «2019 wurde meine Schaufensterscheibe eingeschlagen, aber das hier ist anders. Selbst als es nichts mehr zu stehlen gab, wollten sie Feuer legen, sie wollten uns verletzen», erzählt er.

Allein die beiden sprechen von Schäden in Höhe von Hunderttausenden von Euro. Premierminister Sébastien Lecornu erklärte am Montag, betroffene Geschäfte könnten ihre Angestellten am Dienstag in Kurzarbeit schicken.

Hassan wurde bei den Protesten verletzt, ebenso wie sein Kollege, nachdem ihr Handygeschäft am Boulevard de Magenta geplündert worden war.

Hassan wurde bei den Protesten verletzt, ebenso wie sein Kollege, nachdem ihr Handygeschäft am Boulevard de Magenta geplündert worden war.Fabien Chevallier/20 Minutes

«Paris sah in jener Nacht aus wie Kiew»

Ameur, Taxichauffeur.

Der 17. Oktober ist in aller Munde. Ameur, seit 2017 Taxifahrer in der Hauptstadt, ist noch immer gezeichnet von den Szenen jener Nacht: «Die Touristen stornierten ihre Fahrten in letzter Minute, sie wollten weder ins Restaurant noch sonst wohin. Strassen waren blockiert, mit brennenden Gegenständen auf der Fahrbahn … Ich habe am Samstag enorm viel Geld verloren», erzählt er.

Auch er hatte noch nie ein solches Schauspiel erlebt. Er verweist dabei auf Bilder von ganz anderem Ausmass: «Paris war in jener Nacht das pure Chaos, man hätte meinen können, Bilder aus Kiew zu sehen. Es war ein totales Durcheinander».

Neue Demonstrationen erwartet

Es braucht allerdings weit mehr, um die Pariser Terrassen zu leeren. Ihrer Gewohnheit treu, bevölkern die Einheimischen in grosser Zahl die Bars und Restaurants rund um die République. Zwischen zwei zerstörten Geschäften ein kühles Bier, begleitet vom Geräusch der Velos, die über die Radwege fahren, die noch mit kleinen Glasscherben übersät sind.

Das Leben scheint also weiterzugehen – doch wie lange noch? Tatsächlich sind neue Demonstrationen für den 24. und 31. Oktober sowie den 5. November angekündigt. Ironischerweise sagen sich die Händler, dass es «nichts mehr zu plündern gibt», auch wenn die Angst vor der Zukunft deutlich spürbar ist.

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Fabien Chevallier

Fabien Chevallier (fch) ist seit dem 1. April 2021 Videojournalist bei 20 minutes. Er interessiert sich leidenschaftlich für Sport und kulturelle Themen.

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