– Studentenbewegung triumphiert – Vucic gesteht Niederlage ein

- Aleksandar Vucic hat die Niederlage seiner politischen Bewegung bei der Parlamentswahl eingestanden.
- Gewinnerin der Wahl ist eine von Studierenden getragene Bewegung, die aus den Protesten der vergangenen zwei Jahre hervorging.
- Die Wahl gilt als historischer Einschnitt nach 14 Jahren politischer Dominanz von Vucic und seiner Partei.
- Der Erfolg der Studentenbewegung könnte Serbiens politischen Kurs und die Beziehungen zur EU neu prägen.
Zwar lägen noch keine endgültigen Ergebnisse vor, auf Basis von Hochrechnungen sei jedoch klar, dass seine Partei die Wahl verloren habe, sagte Vucic. Die Studentenliste habe die Wahl für sich entschieden und werde zwischen 135 und 140 Sitze im Parlament erhalten, während seine eigene Partei auf 105 Mandate komme. Andere Parteien hätten den Einzug in die Volksvertretung verpasst.
Rund 6.4 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren offiziellen Angaben zufolge dazu aufgerufen, die 250 Abgeordneten der Volksversammlung (Skupstina) zu wählen. Umfragen sagten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS) des Langzeitherrschers Aleksandar Vucic und der Liste «Die Studenten siegen» der neuen Studentenbewegung voraus.
Auch in der Schweiz konnten serbische Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Dafür standen Wahllokale in Bern und Zürich zur Verfügung.
Vor dem serbischen Konsulat in Zürich bildete sich zeitweise eine bis zu einem halben Kilometer lange Warteschlange. Manche Wählerinnen und Wähler mussten nach Angaben vor Ort bis zu acht Stunden warten, bevor sie ihren Stimmzettel einwerfen konnten.
Die Wahllokale in der Schweiz sind inzwischen geschlossen. Wer sich jedoch vor Ablauf der Frist angestellt hatte, durfte seine Stimme noch abgeben.
Vucic hatte die Neuwahlen im September ausgerufen. Dem Urnengang waren fast zweijährige Proteste gegen mutmassliche Korruption und zunehmenden Autoritarismus vorausgegangen. Auslöser der Demonstrationen war der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der Stadt Novi Sad im Jahr 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen. Die Studentenbewegung hatte seitdem massiv an Rückhalt in der Bevölkerung gewonnen und sich zur grössten Bedrohung für Vucic entwickelt, der 2014 zunächst Ministerpräsident und 2017 Präsident des Landes wurde.
Die Wahlen fanden in einer angespannten Atmosphäre statt. Die unabhängige Wahlforschergruppe CRTA berichtete von zahlreichen Indizien auf Stimmenkauf und Wählereinschüchterung im ganzen Land. In 25 Prozent aller serbischen und in der Hälfte aller Belgrader Wahllokale stellten Wahlbeobachter fest, dass Stimmzettel fotografiert wurden, hielt CRTA fest.
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