Assistenzhund ohne Maulkorb – Amanda muss 5 Stunden warten

- Eine Waadtländerin musste am Flughafen Genf fünf Stunden warten, weil ihr Assistenzhund Charlie keinen Maulkorb trug.
- Brussels Airlines hatte den Mitflug des Hundes bereits seit Mai bestätigt – die Maulkorbpflicht war auf der Website unklar formuliert.
- Die Fluggesellschaft hat sich inzwischen entschuldigt und die Website angepasst.
Fünf Stunden – so lange mussten Amanda und Charlie am Flughafen Genf warten, bis sie schliesslich an Bord gehen durften. Amanda ist eine 29-jährige Waadtländerin, die Anfang September zu einer Geschäftsreise nach Brüssel aufbrechen wollte. Charlie ist ihr Assistenzhund, der sie seit vier Jahren begleitet. Der Grund für die Wartezeit? Charlie trug keinen Maulkorb.
«Ich bin schon sechsmal mit ihm geflogen, und noch nie wurde das von mir verlangt», erzählt Amanda, die noch immer sichtlich mitgenommen ist. Da sie mit mehreren Behinderungen lebt, ist sie bei verschiedenen Aufgaben auf ihren Hund angewiesen.
«Er öffnet zum Beispiel meine Tasche, um meine Medikamente zu holen, warnt mich vor Blutzuckerschwankungen oder hebt Gegenstände auf, die mir heruntergefallen sind, ohne dass ich es bemerkt hätte.» Obwohl die Waadtländerin auch sehbehindert ist, handelt es sich bei diesen Aufgaben um die eines Assistenzhundes und nicht um jene eines Blindenführhundes.
Amanda wurde ignoriert
Für Amanda kam die Verweigerung der Weiterreise einem Schock gleich. «Zumal Charlies Mitflug bereits seit Mai angemeldet und von Brussels Airlines bestätigt worden war.» Mit dieser Fluggesellschaft wollte Amanda reisen. Angesichts des unnachgiebigen Bodenpersonals lief ihre Mutter, die sie zum Flughafen begleitet hatte, auf der Suche nach einem Maulkorb durch das gesamte Terminal – jedoch ohne Erfolg. «Dabei hätten wir gar keinen gebraucht, denn schliesslich konnte man mich auf einen Flug fünf Stunden später umbuchen. Ohne Maulkorb.»

Neben diesen widersprüchlichen Entscheidungen hat sie vor allem die Art und Weise ihrer Behandlung tief getroffen. «Während ich versuchte, die Situation zu erklären, ignorierte mich das Personal schliesslich einfach.» Erschwerend kam hinzu, dass sie aufgrund neurologischer Probleme, die ihre Mobilität einschränken, vorab einen Rollstuhl beim zuständigen Betreuungsdienst des Flughafens angefordert hatte. Einen Service, den sie regelmässig in Anspruch nimmt – der diesmal jedoch erst anderthalb Stunden später eintraf. «Ich musste mich hinsetzen und dann auf den Boden legen. Erst als ich einen Unterzuckerungsanfall erlitt, nahmen sie mich ernst.»
Maulkorb behindert die Arbeit
Mehrere kontaktierte Fluggesellschaften akzeptieren Assistenzhunde, sofern sie sich – aus Rücksicht auf andere Passagiere – «in der Öffentlichkeit angemessen verhalten». Zudem verlangen sie einen Ausbildungsnachweis – über den Charlie, der an einer Waadtländer Schule ausgebildet wurde, verfügte – und in einigen Fällen das Mitführen eines Maulkorbs «als Vorsichtsmassnahme».
Eine Massnahme, die Amanda für absurd hält: «Um ihre Aufgaben erfüllen zu können, für die sie ausgebildet wurden, dürfen sie nicht eingeschränkt werden. Sie sind ja gerade darauf trainiert, sich in der Öffentlichkeit angemessen zu verhalten; andernfalls wären sie keine Assistenzhunde. Und da Charlie nicht daran gewöhnt ist, einen Maulkorb zu tragen, würde ihm das Anlegen eines solchen eher schaden und sein Verhalten negativ beeinflussen.»
Maulkorb-Vorgabe und offene Fragen
Auf Anfrage räumt Brussels Airlines ein, Amanda eine Entschuldigung zu schulden: «Die Formulierung auf unserer Website war nicht eindeutig genug und liess Spielraum für Interpretationen bezüglich der Maulkorbpflicht. Sie wurde inzwischen geändert.» Dennoch bekräftigt die Fluggesellschaft: «Das Mitführen eines Maulkorbs für Assistenzhunde ist tatsächlich obligatorisch.» Eine Situation, mit der Amanda zuvor noch nie konfrontiert worden war.
Die Waadtländerin wartet noch immer auf Antworten zu diesem «völlig vermeidbaren» Vorfall: «Auf dem Rückflug erhielt ich ein Formular, in dem keinerlei Hinweis auf eine Maulkorbpflicht enthalten war. Warum hat man mich das nicht schon auf dem Hinflug unterschreiben lassen? Und wenn der Maulkorb Pflicht ist, warum hat man mich im weiteren Verlauf nicht danach gefragt?»
Die Situation hinterlässt bei ihr einen bitteren Nachgeschmack. «Fehler passieren, aber ich hätte mir gewünscht, dass man mir zumindest zuhört und sich direkt vor Ort entschuldigt.»
Anweisungen strikt befolgt
Für Amanda begannen die Probleme am Check-in-Schalter. Dort hatte sie es mit Personal des Unternehmens Swissport zu tun, das von Brussels Airlines beauftragt worden war. Das Unternehmen erklärt, zunächst die geltenden betrieblichen Anweisungen befolgt zu haben. Die Passagierin habe sich daraufhin auf die Suche nach einem Maulkorb gemacht und sei zu spät zum Check-in zurückgekehrt.
Auf die Frage, warum Amanda schliesslich auf dem nächsten Flug mitgenommen wurde, teilte Swissport mit, man habe das «grüne Licht» von Brussels Airlines abgewartet, um sie und Charlie umzubuchen und dem Hund den Flug ohne den besagten Maulkorb zu ermöglichen. Zudem bedauert das Unternehmen die schwierigen und frustrierenden Umstände, mit denen die Reisende konfrontiert war.
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