Erste SRG-Umfrage – Beim Kriegsmaterialgesetz ist noch alles offen

- Die erste SRG-Umfrage zeigt eine relative, aber keine absolute Mehrheit für eine Änderung des Kriegsmaterialgesetzes.
- 49 Prozent der Stimmberechtigten würden eher oder bestimmt dafür stimmen.
- 41 Prozent würden sich eher oder bestimmt dagegen aussprechen. 10 Prozent sind noch unentschieden.
Rund sieben Wochen vor dem Urnengang ist das Rennen um die Anpassung des Kriegsmaterialgesetzes offen. Das zeigen die Resultate der erste SRG-Umfrage, die durch das Forschungsinstitut GFS Bern durchgeführt wurde. Der Grund: Die relativ hohe Anzahl Unentschlossener.
Die Änderung des Kriegsmaterialgesetzes, welche im Parlament im Dezember 2025 beschlossen wurde, steht nun auf dem Prüfstand.
Das Kriegsmaterialgesetz regelt, wann Waffen aus der Schweiz exportiert werden dürfen. Wegen der veränderten Sicherheitslage in Europa nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat das Parlament im Dezember 2025 Lockerungen beschlossen.
Unter bestimmten Voraussetzungen sollen westliche Partnerländer auch dann Kriegsmaterial in der Schweiz kaufen dürfen, wenn sie selbst in einen bewaffneten Konflikt verwickelt sind. Zudem müssten Käufer nicht mehr in jedem Fall garantieren, dass sie das gekaufte Kriegsmaterial nicht an andere Staaten weitergeben. Allerdings kann der Bundesrat aus aussen-, neutralitäts- oder sicherheitspolitischen Gründen eine solche Garantie auch künftig verlangen. Aus denselben Gründen kann er auch Lieferungen an Partnerländer verhindern, die sich in einem bewaffneten Konflikt befinden. Direkte oder auch indirekte Lieferungen an die Ukraine sollen laut Bundesrat weiterhin nicht möglich sein.
Gegen die Änderung haben mehrheitliche linke Parteien und Organisationen das Referendum ergriffen, deshalb stimmt das Volk darüber ab. Bundesrat und Parlament empfehlen ein Ja.
Offenes Rennen trotz klarer Lager
Zwischen links und rechts sind die Fronten zwar verhärtet, dennoch ist die Meinungsbildung insgesamt noch wenig gefestigt. Ein relativer hoher Anteil – zehn Prozent – sind noch gänzlich unentschieden. Das eröffnet den Spielraum für die Kampagnen beider Seiten. Die Mobilisierung dürfte zudem eine entscheidende Rolle spielen.
Am stärkten ist die Zustimmung bei den Sympathisantinnen und Sympathisanten der FDP. Auch die Anhängerschaft der Mitte sowie Personen aus dem Umfeld der GLP und der SVP unterstützen die Vorlage mehrheitlich. Bei den SP- und Grünen-Anhängern hingegen fällt die Ablehnung mit 63 respektive 62 Prozent deutlich aus.
Bei der Vorlage zeigt sich zudem ein deutlicher Generationenkonflikt: Ältere Personen sprechen sich eher für die Änderung des Kriegsmaterialgesetzes aus als jüngere.
Regional deutet sich ein Röstigraben an. In der Deutschschweiz zeichnet sich ein knappes Ja ab (53 Prozent), während in der Romandie 47 Prozent ein Nein einlegen würden und nur 37 Prozent ein Ja. Die italienischsprachige Schweiz befindet sich im Patt.
Argumente überzeugen auf beiden Seiten
Sowohl Pro- als auch Kontra-Argumente verfangen bei Mehrheiten, wobei die Pro-Seite breiter abgestützt ist. 67 Prozent stimmen etwa der Aussage zu, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Rüstungsindustrie durch eine Annahme gestärkt würde. Auf der Gegenseite befürchten 68 Prozent, dass Schweizer Waffen künftig einfacher in Länder mit systematischen Menschenrechtsverletzungen gelangen könnten.
Stark polarisierend wirkt die Neutralitätsfrage: Jeweils 47 Prozent sehen die Glaubwürdigkeit der Schweizer Neutralität bei einer Annahme gefährdet beziehungsweise die bewaffneten Neutralität gestärkt.
Besonders interessant ist laut Corina Schena vom Forschungsinstitut GFS Bern der Blick auf die SVP. Deren Sympathisanten stimmen knapp dem Argument zu, dass die Neutralität durch eine Annahme gefährdet würde: Und das trotz der Ja-Parole der Partei.
Rund sieben Wochen vor der Abstimmung stellt sich die Frage, was stärker ins Gewicht fallen wird: Die Sorge vor Waffen in den falschen Händen oder jene um die Widerstandsfähigkeit der eigenen Rüstungsindustrie.
Corina Schena richtet ihren Blick bei dieser Frage auch auf die Mobilisierung der Altersgruppen. «Würden, wie üblich, viele Stimmende um die 60 Jahre an die Urne gehen, wäre dies ein Indiz für ein Ja», prognostiziert sie.
Die Umfrage zu den Abstimmungen vom 29. November 2026 ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut GFS Bern zwischen dem 5. und 18. Oktober 2026 durchgeführt worden. Der mittlere Befragungszeitraum war der 11. Oktober 2026. Insgesamt wurden die Antworten von 14'874 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.
Der statistische Fehler beträgt ±2.8 Prozentpunkte. Das heisst: Bei einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.
Telefonische Befragung
Telefonisch befragt wurden 506 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt. Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten.
Online-Befragung
Zusätzlich konnten online bereinigte Angaben von 13'853 Personen und via Social Media 515 Personen verwendet werden. Die Teilnehmenden wurden dazu unter anderem über die Webportale der SRG rekrutiert.
Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in-Verfahren), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. So nehmen zum Beispiel typischerweise mehr Männer als Frauen an politischen Umfragen teil. Diese Daten werden jedoch mittels Gewichtungen an die tatsächliche Zusammensetzung der Stimmberechtigten angepasst. Es werden dabei räumliche (Wohnort), soziodemografische (Alter oder Geschlecht) und politische Gewichtungsfaktoren eingesetzt. Durch diese Gewichtung wird die Repräsentativität der Stichprobe optimiert. Ziel ist, auch die Stichprobengrösse in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz zu erhöhen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Seite von GFS Bern.
News, Hintergründe und Analysen zu den Abstimmungen vom 29. November 2026.
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