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Sunday, October 18, 2026

Arbeit unter Wasser – So untersuchen Archäologen Pfahlbauten im Sempachersee

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Die Luzerner Kantonsarchäologie geht aktuell regelmässig auf Tauchgang im Sempachersee. In den flachen Ufergewässern vor der Stadt Sursee liegen Schätze verborgen, die bis zu 6000 Jahre alt sind. Von einem Boot aus steigen die Unterwasser-Archäologinnen ins Wasser und tauchen ab.

Ihr Ziel: Die Reste von Pfahlbausiedlungen freilegen, vermessen und herausfinden, in welchem Zustand die Holzpfähle sind. Keine leichte Aufgabe – die Pfähle liegen unter Steinen, Seegras und dem Schlick am Seeboden. Unterwasser-Archäologin Corinne Stäheli muss den Schlick vorsichtig mit der Hand wegwedeln.

Die Nadel war ein reiner Zufallsfund.

Und siehe da! Zwischen den Holzpfählen kommt unter dem Schlick plötzlich ein länglicher, dünner Metallgegenstand zum Vorschein. Corinne Stäheli taucht auf und bringt den Fund zum Boot. Es ist eine 10 Zentimeter lange Bronzenadel aus der Jungsteinzeit mit einem verzierten Kopf. Wahrscheinlich wurde sie einst benutzt, um ein Gewand zuzuhalten.

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  • Bild 1 von 6. Ab in die Tiefe: Corinne Stähelin ist eine der Taucherinnen und Taucher, die auf dem Seegrund nach prähistorischen Funden suchen. Bildquelle: SRF / Christian Oechslin.

    Taucher im See neben einem Boot, bei klarem Wetter mit Wolken am Himmel.
  • Bild 2 von 6. Eine wichtige Aufgabe der Taucherinnen und Taucher: den Zustand der Pfahlbausiedlungen überprüfen. Bildquelle: zvg / Marcel Jost.

  • Bild 3 von 6. Manchmal gibt es aber unerwartete Funde, wie hier zum Beispiel: Was zuerst etwas unscheinbar aussieht … Bildquelle: SRF.

  • Bild 4 von 6. … entpuppt sich als Bronze-Nadel aus der Jungsteinzeit. Bildquelle: SRF.

  • Bild 5 von 6. Die Nadel diente früher dazu, Kleider zusammenzuhalten – wie eine Art Sicherheitsnadel. Bildquelle: SRF / Christian Oechslin.

  • Bild 6 von 6. Die Sicht ist je nach Wetter unterschiedlich – der Erfolg, etwas zu finden, ebenfalls. Bildquelle: Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich.

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«Die Nadel war ein reiner Zufallsfund», sagt Corinne Stäheli. Bei einem so kleinen Gegenstand wie einer Nadel müsse man das Glück haben, zufällig genau am richtigen Ort zu suchen. An derselben Stelle im Sempachersee haben die Taucherinnen und Taucher auch schon Keramikscherben gefunden.

Über die Pfahlbausiedlungen ist wenig bekannt

Fundstücke wie diese Bronzenadel seien ein angenehmer Nebeneffekt, sagt der Luzerner Kantonsarchäologe Christian Auf der Maur. Primär gehe es aber darum, Daten zu den bekannten Pfahlbausiedlungen in den Seen im Kanton zu sammeln. «Wir wollen archäologische Grundlagen schaffen, denn wir wissen relativ wenig über die einzelnen Fundstellen.»

Wir hoffen, dass die Fundstellen noch in einem guten Zustand sind.

Bei den Tauchgängen werden die Überreste der Pfahlbausiedlungen freigelegt, fotografiert und vermessen. Eine GPS-Boje hilft, die Fundorte genau zu dokumentieren. Aus der Anordnung der Pfähle am Boden können die Grundrisse der Häuser rekonstruiert werden – im besten Fall kann das Team der Luzerner Archäologie sogar die verschiedenen Bauphasen nachvollziehen.

Mensch und Klimawandel zerstören jahrtausendealte Fundstücke

Die erhaltenen Überreste der Pfahlbausiedlungen sind in Gefahr. Der Klimawandel verändert die Bedingungen in den flachen Ufergewässern, wo Holzpfähle Jahrtausende überdauert haben.

Bei tiefen Seepegeln wie im vergangenen Sommer wirken sich die Wellen an der Oberfläche auch auf den Seegrund aus. Im schlimmsten Fall kommt Luft an das Holz und die Pfähle beginnen zu faulen.

Wir sehen, dass Pfähle zertrampelt und herausgerissen wurden.

Ein anderes Problem sind die Menschen im See. «Im flachen Wasser können die Leute stehen. Wir sehen, dass Pfähle zertrampelt und herausgerissen wurden», sagt Kantonsarchäologe Christian Auf der Maur.

Bei den Tauchgängen ginge es daher auch darum, zu sehen, in welchem Zustand die Fundstellen sind. Je nachdem können sie auch mit Abdeckungen oder Absperrungen geschützt werden.

Auch im Vierwaldstättersee schlummern prähistorische Pfahlbausiedlungen. Die Luzerner Kantonsarchäologie konzentriert sich aktuell aber auf die Mittellandseen, weil diese durch Mensch und Klimawandel gefährdeter sind. Der Pegel des Vierwaldstättersees ist seit der Urzeit angestiegen. Die Überreste der Pfahlbauten liegen dort darum in tieferem Wasser und unter einer dicken Sedimentschicht. Sie sind deshalb weniger gefährdet.

Bis in zwei Jahren will die Luzerner Archäologie die 33 bekannten Pfahlbausiedlungen in den Luzerner Mittellandseen untersuchen – neben dem Sempachersee also auch im Baldeggersee und Hallwilersee. Die Zeit drängt folglich für die Archäologinnen und Archäologen, die Zeugnisse aus der Jungsteinzeit zu untersuchen, bevor sie unwiderruflich verloren sind.

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