"Wir haben sie angeschrien": Passagiere: Flydubai-Crew forderte Freilassung des Copiloten

"Wir haben sie angeschrien"Passagiere: Flydubai-Crew forderte Freilassung des Copiloten
04.10.2026, 11:45 Uhr

Gemeinsam mit dem indischen Piloten verhindern die Passagiere von Flydubai-Flug 1073 einen Terroranschlag des Copiloten. Doch nachdem dieser überwältigt ist, bricht an Bord offenbar ein Streit mit der übrigen Crew aus. Die Flugbegleiter werden anschließend vom Cockpit entfernt.
Die Besatzung des entführten Flydubai-Flugzeugs ist nach der Überwältigung des Copiloten anscheinend mit den Passagieren aneinandergeraten. "Sie haben uns aufgefordert, den Terroristen loszubinden. Wir hatten keine Ahnung, warum", sagt Tzvika Manes der US-Zeitung "New York Post". Der Bankmanager gehörte demzufolge zu den Passagieren, die den Copiloten überwältigt haben.
Ein zweiter Passagier bestätigt die Darstellung. "Sie haben uns gesagt, dass wir den Terroristen freilassen sollen", sagt der Immobilienmakler Daniel Schlichter. Er war nicht daran beteiligt, den Copiloten zu überwältigen, saß aber in der zweiten Reihe des Flugzeugs und somit ebenfalls nah am Cockpit. "Da wurden wir sofort misstrauisch."
Der Copilot von Flug 1073 hatte nach Angaben der Ermittler am Mittwoch auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv den Piloten im Cockpit mit einer sogenannten Notaxt angegriffen. Das Ziel war demzufolge ein Terroranschlag: Der omanische Staatsbürger wollte das Flugzeug, in dem mehrheitlich israelische Passagiere saßen, augenscheinlich in Israel zum Absturz bringen.
Passagiere fesselten Angreifer
Dem Piloten gelang es jedoch trotz schwerer Verletzungen, die Tür zum Cockpit zu öffnen. Drei israelische Passagiere konnten den Copiloten überwältigen. Zwei weitere Piloten, die sich für den Rückflug an Bord des Flugzeugs befanden, konnten die Maschine stabilisieren und nach Saudi-Arabien umleiten.
Anschließend haben die drei Passagiere den Copiloten mit dem Gesicht nach unten gefesselt. Seine Hände wurden ihm auf Rücken zunächst mit Kabelbindern, dann mit Kopfhörerkabeln fixiert. Diese hatte der Immobilienmakler Schlichter von anderen Passagieren eingesammelt.
Den Angaben nach forderten einige Besatzungsmitglieder anschließend, den Copiloten wieder freizulassen. Es kam Schlichter zufolge zu einem Streit. "Sie sagten: 'Ihr seid nicht Gott, ihr dürft ihn nicht töten'", sagt Manes, der Bankmanager. "Aber das hatten wir gar nicht vor. Wir wollten einfach nur, dass er uns nicht tötet."
Cockpit anschließend bewacht
Die Besatzungsmitglieder sollen anschließend darauf bestanden haben, dass sie die Kontrolle über das Flugzeug hätten und sich außer ihnen niemand im Cockpit-Bereich aufhalten dürfen. Die israelischen Passagiere sollen jedoch befürchtet haben, dass die Flugbegleiter mit dem Copiloten zusammenarbeiten und ihrerseits befohlen haben, dass die Crew den Cockpit-Bereich verlassen müssen.
Eine Gruppe von Passagieren habe die Crew zu Sitzplätzen in der fünften oder sechsten Reihe gebracht, sagt Schlichter. "Wir haben sie angeschrien und ihnen gesagt, sie sollen sich hinsetzen." Anschließend hätten die Passagiere einen "großen Kerl" herbeigerufen, um das Cockpit zu bewachen und zu verhindern, dass jemand hineinkomme. Der Copilot sei anschließend bis zur Landung in Saudi-Arabien bewacht worden.
Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die Crew tatsächlich in die Pläne des Copiloten involviert war. Auf eine Anfrage der "New York Post" zum Verhalten der Besatzung teile Flydubai mit, dass sich die Fluggesellschaft nicht während der laufenden Ermittlungen äußern könne.
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