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Tuesday, November 3, 2026

«Traurige Normalität, dass Männer beim Joggen hinterherpfeifen»

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20 Minuten hat den reinen Frauen-Running-Club «She Moves» in Bern besucht.20 Minuten/Sarah Linder & Florian Gnägi

Darum gehts

  • Nina Seiler (29) und Linda Donato (31) haben in Bern den reinen Frauen-Running-Club «She Moves» gegründet.
  • Der Club soll ein «Safe Space» sein, weil sich viele Frauen beim Joggen alleine unwohl fühlen.
  • Laut einer Adidas-Umfrage von 2023 fühlen sich 92 % der befragten Läuferinnen nachts unsicher.

Seit dem Ende der Corona-Pandemie schiessen auch in der Schweiz in zahlreichen Städten sogenannte «Running-Clubs» wie Pilze aus dem Boden. Die Ambitionen hinter den Jogging-Gemeinschaften sind divers. Einige verknüpfen Rennen mit alkoholfreien Partys oder Dating-Events, andere fokussieren sich auf die gemeinschaftliche Vorbereitung für Marathons oder sonstige Rennen. Und für manche steht einfach die sportliche Betätigung in einem sicheren Umfeld im Vordergrund.

In Bern haben Nina Seiler (29) und ihre Schwester Linda Donato (31) diesen Sommer den Running-Club «She Moves» gegründet, der sich ausschliesslich an Frauen richtet. «Unsere Motivation dahinter war es, einen Safe Space zu gründen für Frauen, die gerne rennen und sich bewegen wollen», sagt Nina, als 20 Minuten die kleine Gruppe an einem Mittwochabend bei ihrer wöchentlichen Jogging-Runde besucht.

«She Moves» – der Running-Club für Frauen in Bern

«Es ist schon länger ein Problem, dass Frauen belästigt werden oder sich nicht wohlfühlen, wenn sie allein unterwegs sind», sagt die laufbegeisterte Bernerin. Gerade am Abend oder wenn man als Frau mit Kopfhörern im Wald unterwegs ist, sei es besonders schlimm.

Linda Donato (l.) und Linda Seiler (r.) haben in Bern einen reinen Runningclub für Frauen gegründet.

Linda Donato (l.) und Linda Seiler (r.) haben in Bern einen reinen Runningclub für Frauen gegründet.20 Minuten

«Es ist traurig, aber ein Hupen oder dass einem Männer nachpfeifen, ist fast schon normal geworden», meint Nina. Passiere das, wenns dunkel ist oder beim Eindämmern, gebe einem das ein «ungutes Gefühl». Linda sagt, praktisch jede Frau in ihrem Umfeld habe schon mal eine Erfahrung gemacht, die in Richtung sexuelle Belästigung gehe.

Neun von zehn Frauen fürchten beim Joggen um ihre Sicherheit

Eine Umfrage von Adidas aus dem Jahr 2023 stützt die Aussagen der Bernerin. Dort gaben unter 4500 befragten Läuferinnen 92 Prozent der Befragten aus neun unterschiedlichen Ländern an, sich beim nächtlichen Joggen unsicher zu fühlen. Die Hälfte der befragten Frauen hat sogar Angst, körperlich angegriffen zu werden.

Wie fühlst du dich, wenn du abends oder nachts alleine joggst?

«Wir haben den Running-Club aber nicht gegründet, weil es schlimmer wurde, sondern weil das Problem einfach da ist und wir eine Lösung dafür finden wollen», betont Linda. Durch das Rennen mit gleichgesinnten Läuferinnen wolle man einen Ort für ein sicheres Ausüben sportlicher Betätigung bieten.

«Wir wollen Männer nicht ausschliessen»

In geschlechtergemischten Running-Clubs sei es aber keineswegs unsicherer als bei ihnen, stellt Linda klar: «Wir wollen Männer nicht ausschliessen. Wir wollen uns einfach auf die Frauen konzentrieren und explizit einen Raum für sie schaffen.»

In Zürich und Basel gibt es bereits seit längerer Zeit ähnliche Gruppierungen für Frauen. In Bern füllen Nina und Linda nun mit «She Moves» das Vakuum für einen reinen Frauen-Running-Club, nachdem sie merkten, dass «es so etwas hier noch nicht gibt».

«Ich finde das mega schade und traurig, dass man sich fast nur noch in der Gruppe wohlfühlen kann»

Die Resonanz bei den Teilnehmerinnen wirkt durchwegs positiv. «Man hat so gute Gespräche hier. Manchmal denke ich mir: Ich wusste gar nicht, dass ich eine Therapiesitzung bestellt habe», schmunzelt Nurfa, welche «She Moves» jeder Frau empfehlen könne.

Beim Alleine-Joggen sei ihr glücklicherweise noch nie etwas Schlimmes passiert, sagt die passionierte Sportlerin. Sie kenne aber einige Frauen in ihrem Umfeld, die negative Erfahrungen gemacht hätten. «Ich finde das mega schade und traurig, dass man sich fast nur noch in der Gruppe wohlfühlen kann. Umso wichtiger ist es, dass solche Gruppen aufkommen mit Frauen, die einen unterstützen und da sind für einen.»

Shana kennt Organisatorin Nina aus gemeinsamen Leichtathletik-Zeiten und war auch schon in gemischten Running-Clubs. «Das hat mir auch sehr gefallen, aber das hier ist doch noch etwas anderes. Man kann es nicht vergleichen, es ist einfach ein Safe Space hier.»

Florian Gnägi

Florian Gnägi (flo) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten im Ressort Sport. Seine grösste Expertise hat er auf den Themengebieten Fussball und Tennis.

Sarah Linder

Sarah Linder (lin) arbeitet seit 2025 für 20 Minuten als Social-Media-Managerin mit Fokus auf digitalem Storytelling.

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