Neue Scans enthüllen verborgene Kammern hinter Tutanchamuns Grab

- Archäologen haben im Grab von Tutanchamun im Tal der Könige bislang unbekannte Kammern und Gänge entdeckt.
- Neue Scans deuten darauf hin, dass der verborgene Komplex die verschollene Grabstätte von Königin Nofretete sein könnte.
- Leitender Forscher Mamdouh Eldamaty bezeichnet den Fund als potenziell bedeutendste archäologische Entdeckung der Neuzeit.
Archäologen sollen tief im Inneren des Grabes von Tutanchamun ein Labyrinth bislang unbekannter Kammern und Gänge entdeckt haben. Wie die Zeitschrift «Nature» berichtet, hätten neue Scans einen verborgenen Raum sichtbar gemacht. Archäologen vermuten, dass es sich dabei um die verschollene Grabstätte der Königin Nofretete handeln könnte.
Nofretete, Tutanchamuns Stiefmutter, war eine einflussreiche Königin der 18. Dynastie im alten Ägypten und spielte eine zentrale Rolle bei einer radikalen religiösen Reform. Heute ist sie vor allem durch ihre bemalte Kalksteinbüste bekannt, die im Neuen Museum in Berlin ausgestellt ist.
Ihr Grab gilt als eines der grossen ungelösten Rätsel der Ägyptologie. Zwar gibt es verschiedene Theorien zu ihrem Tod und möglichen Bestattungsort, doch bislang wurde keine Grabstätte zweifelsfrei ihr zugeordnet.
Ist Nofretete bei Tutanchamun begraben?
Das Grab des Pharaos Tutanchamun wurde 1922 im Tal der Könige am Westufer des Nils entdeckt. Es war über Jahrtausende weitgehend unberührt geblieben und gewährte Historikern einen beispiellosen Einblick in die Welt der späten Bronzezeit.
Nofretete starb vor rund 3500 Jahren, doch die Umstände ihres Todes sind bis heute ungeklärt. Auch der Ort ihrer Bestattung gibt Forschern seit Langem Rätsel auf. Die jüngsten Scans könnten nun eine verbreitete Theorie stützen: dass sie in unmittelbarer Nähe ihrer Angehörigen beigesetzt wurde.
Der britische Ägyptologe Nicholas Reeves hatte bereits früher auf Risse an mehreren Oberflächen der Grabkammer Tutanchamuns hingewiesen. Seiner Ansicht nach könnten diese auf eine Scheinwand hindeuten, hinter der sich ein grösserer Komplex mit weiteren Grabstätten verbirgt.
Daten deuten stark auf verborgenen Komplex
Mithilfe moderner Vermessungstechniken kamen Archäologen nun zu dem Schluss, dass Tutanchamuns Grab Teil eines weitläufigeren Systems aus Räumen und Gängen sein könnte. «Die Kammer entspricht weder der architektonischen Grammatik eines privaten noch eines königlichen Grabmals», heisst es in einer Analyse. Der Grundriss des Grabes ähnele vielmehr jenem einer Königin aus der 18. Dynastie. Zudem deute eine eingehende Untersuchung darauf hin, dass der später als Grabkammer Tutanchamuns genutzte Raum ursprünglich nicht für ihn vorgesehen gewesen sei.
Der leitende Forscher Mamdouh Eldamaty erklärte: «Die Daten deuten stark auf einen ‹verborgenen Komplex› aus Gängen und Räumen hin, der bereits vor der Beisetzung Tutanchamuns existierte.» Sollten weitere Untersuchungen die Ergebnisse bestätigen, könnten sie nach Einschätzung des Experten zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der Neuzeit zählen.
«Königskind» Tutanchamun
Anders als viele andere Gräber im Tal der Könige, die bereits in der Antike geplündert worden waren, wurde Tutanchamuns Grab in bemerkenswert intaktem Zustand entdeckt. Es besteht aus vier Kammern. Darin wurden mehr als 5000 Artefakte gefunden, darunter Streitwagen, Waffen, Kleidung, Möbel sowie ein innerer Sarg aus massivem Gold.
Tutanchamun, auch als «Königskind» bekannt, regierte während des Neuen Reiches etwa von 1332 bis 1323 v. Chr. Er starb unerwartet im Alter von 18 oder 19 Jahren. Seine Nachfolger tilgten seine Spuren später weitgehend aus den historischen Aufzeichnungen.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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