Loco Escrito: «Wer bin ich, ohne die ganze Zeit high zu sein?»

- Der Schweizer Musiker Loco Escrito (36) spricht offen über seine rund 20-jährige Cannabissucht.
- Nach einem freiwilligen zweiwöchigen Aufenthalt in einer psychotherapeutischen Klinik ist er seit einem Jahr kiff-frei.
- Die ersten Monate des Entzugs beschreibt er als so schlimm, dass er sich das nie wieder antun will.
Noch heute ist es Loco Escrito sehr unangenehm, nüchtern zu sein. «Ich muss immer noch lernen, ohne diese Substanz herunterzukommen, zu verarbeiten und herauszufinden, wer ich ohne bin», sagt der 36-jährige Wetziker gegenüber 20 Minuten. Seit mittlerweile einem Jahr ist der Musiker kiff-frei.
Es hatte jedoch nur wenig gefehlt, und Loco Escrito hätte sich selbst verloren. Der THC-Rausch spielte in seinem Leben eine immer grössere Rolle. Über rund 20 Jahre baute sich seine Sucht auf. «Als Erwachsener habe ich dann so viel gekifft, dass es Teil meiner Identität wurde», sagt Loco Escrito. Alles begann vermutlich in einem Räumchen im Zürcher Oberland – auch wenn er sich kaum noch an seinen ersten Joint erinnern kann.
«Ich habe mich so geschämt, als es mein Vater gemerkt hat»
Bevor aus Nicola Herzig der Schmusesänger Loco Escrito wurde, traf sich der Teenager mit älteren Musikern, um zu rappen. «Am Anfang hat mir das Kiffen eigentlich gar nicht so gefallen. Was mir gefiel, war, wie intensiv sich gewisse Sachen anfühlten, wie Musikmachen und Hören.»
Musik zu machen und high zu sein gingen bei ihm früh Hand in Hand. «Nach einem der ersten Male ging es mir nicht gut. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mich geschämt habe, als ich nach Hause kam und mein Vater bemerkte, dass ich bekifft war», erzählt Loco Escrito. Trotzdem tat er es wieder. Erst nur an Wochenenden, dann immer häufiger auch an jedem anderen Tag. Er konnte besser einschlafen und durchschlafen, hatte keine Albträume.
«Mein Nachteil war, dass ich mich nicht wie ein typischer Kiffer verhielt. Ich war stets sehr aktiv und man merkte es mir nicht so an. Ich habe funktioniert und meine Sachen gemacht.» Die Probleme kamen schleichend.
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Die ersten Monate des Entzugs waren so schlimm, dass er das nie wieder erleben will
Im letzten Jahr ging Loco Escrito für zwei Wochen freiwillig in eine psychotherapeutische Klinik. «Ich war nicht mehr glücklich mit meinem Leben und darüber, dass ich von einer Substanz abhängig war, die mein Leben mitbestimmt», sagt der Vater einer Tochter.
Ihm sei bewusst geworden, dass er aufhören musste, sich zu betäuben und Erlebtes zu unterdrücken. «Eine Stimme in mir sagte, dass das nur geht, wenn ich aufhöre zu kiffen, und zwar für immer. Ich muss ein nüchternes Leben leben.» Das Schwierigste war, ohne die Betäubung auszukommen. Trotzdem sei er nie Gefahr gelaufen, rückfällig zu werden. Das habe er geschafft, weil er mit voller Überzeugung aufgehört habe. «Die ersten Monate des Entzugs waren so schlimm, dass ich mir das nie wieder antun will», sagt Loco Escrito.
Seit seinem Kiff-Stopp sei er viel präsenter und nehme sein Umfeld viel klarer wahr. «Ich bin noch fokussierter auf meine Familie, meine Mitmenschen und meine Arbeit.» Das soll für den Rest seines Lebens so bleiben.
Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit Suchtmitteln?
Hier findest du Hilfe:
Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen
Feel-ok, Informationen für Jugendliche
Infodrog, Information und Substanzwarnungen
Vergiftungsnotfälle, Tel. 145
Dario Aeberli (dae), Jahrgang 1995, arbeitet seit Oktober 2023 als People-Redaktor bei 20 Minuten. Zuvor war er Lokaljournalist und beim «Migros-Magazin».
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