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Sunday, August 16, 2026

Bauernkrieg von 1653 – Als es den Stadt-Land-Konflikt noch wirklich gab

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Den Bauernkrieg von 1653 verlieren die Bauern zwar. Aber sie finden das Rezept, wie sie den Städten Angst machen können.

16.08.2026, 15:53

Am 6. September 1653 wird Niklaus Leuenberger, genannt «der Bauernkönig», in Bern enthauptet und gevierteilt. Seine Glieder werden zur Abschreckung an den Stadteingängen ausgestellt.

Historische Darstellung einer grossen Versammlung von Soldaten und Menschen im Freien.
Legende: Die Hinrichtung von sieben Bauern in Basel. Zentralbibliothek Zürich

So endet nach nur wenigen Monaten der blutigste Bürgerkrieg, den die Eidgenossenschaft je erlebt hat. Diese zählt Mitte des 17. Jahrhunderts nur dreizehn Kantone. Dominiert von Städten, die ihre Macht ausdehnen wollen, erlebt die junge Schweiz damals Spannungen zwischen Stadt und Land von beispiellosem Ausmass.

Auf den Spuren des Bauernkriegs von 1653:

Vom Dreissigjährigen Krieg, der Europa von 1618 bis 1648 verwüstet, bleibt die Schweiz verschont. Sie leidet jedoch unter dem Ende dieses religiösen Konflikts. Da die Wirtschaft in Deutschland wieder anzieht, haben die eidgenössischen Bauern Mühe, ihre Produkte über den Rhein hinaus zu verkaufen. Das Geld wird knapp für die Landschaften, aber auch für die Städte.

Städte reagieren darauf, indem sie ihre Währungen abwerten. Das wiederum stürzt die Bauern in eine noch prekärere Lage. So stellt es der Genfer Historiker Christophe Vuilleumier gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) dar.

Beispiellose Bauernkoalition

Die Wut ist so gross, dass sich die Bauern des Berner Emmentals mit den aus dem Luzerner Entlebuch verbünden. Bald schliessen die Bauern aus Solothurn und Basel sich ihnen an.

Da die ersten Verhandlungen mit den Städten zu nichts führen, gründen die Bauern am 23. April 1653 den Bund von Huttwil. Neben besseren wirtschaftlichen Bedingungen fordert dieser auch mehr politische Rechte für die Landschaften.

Die Bauern bewaffnen sich mit dem, was sie finden. Und nachdem sie den Berner Niklaus Leuenberger zu ihrem «König» ernannt haben, beschliessen sie, nach Bern zu marschieren.

Die Stadt wird ab dem 22. Mai von Tausenden Männern belagert. Gleichzeitig umstellt ein anderer Bauernführer, Hans Emmenegger, mit seinen Anhängern Luzern. Die beiden Städte bitten über die Tagsatzung – das damalige Parlament – die anderen Kantone um militärische Hilfe.

Auflösung des Bundes von Huttwil

Angesichts der drohenden Nahrungsmittelknappheit machen die Berner Patrizier schnell Zugeständnisse und unterzeichnen am 29. Mai den Frieden von Murifeld. Dieser sieht unter anderem die Auflösung des Bundes von Huttwil vor.

Nicht alle Bauern halten sich jedoch an diesen Frieden – zumal Zürich 8000 Soldaten entsendet, gut bewaffnete eidgenössische Truppen. Diese treffen bei Lenzburg im Aargau auf rund 24’000 Bauern unter dem Kommando von Leuenberger. Laut dem Historiker Vuilleumier werden Dörfer niedergebrannt, Bauernhöfe geplündert.

Der Aufstand endet in einem für die Schweiz beispiellosen Blutbad. Die Anführer werden verhaftet und enthauptet.

Trotzdem sei der Aufstand aus Sicht der Bauern nicht sinnlos gewesen, meint Vuilleumier: «Das Geld wird wieder aufgewertet, und vor allem werden die Städte – insbesondere Bern – gegenüber den Landschaften viel toleranter, da sie erkennen, dass sie weitgehend von ihnen abhängig sind.»

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird Niklaus Leuenberger in seiner Heimat rehabilitiert. In Rüderswil (BE) wird am Ortseingang ein Denkmal erstellt, das ihm gewidmet ist.

«Wir identifizieren uns mit ihm. Er ist ein wahrer Vertreter des Emmentals», sagt Gemeinderat Walter Zaugg. Und für Kurt Dellenbach, der gleich neben dem Denkmal wohnt, ist er ein Vorbild: «Hören wir auf, uns zu bekriegen. Wir sollten mehr verhandeln, wie er es getan hat!»

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