US-Drogenpolitik – Cannabis-Legalisierung: Erfolg mit Nebenwirkungen?

Als US-Präsident Donald Trump im Dezember 2025 ein Dekret unterzeichnete, das die Cannabis-Pflanze und den Bestandteil Cannabidiol (CBD) für medizinischen Gebrauch aus der Kategorie der gefährlichsten Drogen herausnahm, waren die Hoffnungen der Cannabis-Industrie gross.
«Ich betone, dass das Dekret, das ich gleich unterzeichnen werde, Marihuana in keiner Weise legalisiert und die Sanktionen gegen jegliche Form von Freizeitgebrauch nicht aufhebt», warnte Trump.
Kojo Karam, Professor für Recht und politische Ökonomie an der Universität Loughborough in Grossbritannien, bewertet Trumps damaligen Erlass so: «Wenn Donald Trump medizinisches Cannabis neu klassifiziert, erleichtert das die steuerliche Belastung für die Unternehmen der Branche erheblich und begünstigt ihre Expansion und Fusionen. Das hat Unternehmen wie Trulieve dazu veranlasst, an die Börse zu gehen, und der legalen kommerziellen Cannabis-Industrie in den USA Auftrieb gegeben.»
Die neuen Cannabis-Giganten wie Trulieve und Curaleaf betreiben intensive Lobbyarbeit beim amerikanischen Präsidenten und sponsern die Wahlkampagnen von Kandidaten, die von Donald Trump unterstützt werden.
Überproduktion nach Fehleinschätzung
Der Boom der Cannabis-Industrie, der 2012 in Colorado und Washington begonnen hatte, schien sich fortzusetzen. Die beiden Staaten waren die ersten des Landes, die Besitz, Konsum sowie Verkauf und Besteuerung kleiner Mengen Cannabis erlaubten.
Nachbar Kanada ging 2018 noch weiter, indem er Cannabis zu Freizeitzwecken auf nationaler Ebene legalisierte.
Das Resultat: Investorinnen und Investoren stürzten sich auf den neuen Markt. Drei Jahre nach der Legalisierung hatte Cannabis in Colorado schon 18’000 Arbeitsplätze geschaffen, einen Umsatz von fast 2.5 Milliarden Dollar erreicht, und es lieferte 121 Millionen Steuern an den Staat ab.
Werden nordamerikanische Cannabis-Produkte Europa überfluten?
Doch der Goldrausch hat sich inzwischen gelegt. Maxime Mellina, Co-Generalsekretär der Westschweizer Gruppe für Suchtstudien in Lausanne, erklärt: «Es gab eine Art Wettlauf bei den Investitionen in Nordamerika, was eine Überproduktion von Cannabis verursachte. Diese liess sich in den USA viel schwieriger absetzen als erwartet, da der Export weiterhin verboten ist.»
Cannabis überholt Alhokol
Die Unternehmen hofften alle, dass Cannabis bald auch auf Bundesebene legalisiert wird. Doch diese lässt weiter auf sich warten.
Der lange Schatten von Nixons Drogenpolitik
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1971 erklärt der damalige Präsident Richard Nixon den Drogenmissbrauch zum «Staatsfeind Nummer 1». Um das Missbrauchs- und Gefahrenpotenzial von Betäubungsmitteln zu bewerten, liess er sie in fünf Kategorien einteilen. Cannabis stufte er dabei gemeinsam mit Heroin und LSD in die Kategorie mit dem höchsten Missbrauchspotenzial ein – entgegen dem Rat seiner eigenen Fachleute.
Nixon wollte damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Protestbewegungen ächten, in denen Drogen zirkulierten, und ein Problem der öffentlichen Gesundheit lösen. Seine Klassifizierung hat die nachfolgenden Präsidentschaften überdauert. Um die Jahrtausendwende lockerte sich die Einordnung in gewissen Gliedstaaten erstmals, auch wenn Cannabis auf Bundesebene weiterhin illegal bleibt. Kalifornien macht 1996 den Anfang und entkriminalisiert den Besitz, den Konsum und den Anbau von Cannabis zu ausschliesslich medizinischen Zwecken. Andere Gliedstaaten folgten. Heute erlauben 41 von 50 zumindest den medizinischen Gebrauch.
Und: Aus Sorge um die öffentliche Gesundheit wird der Ruf nach Schranken wieder lauter. «Es ist Zeit für Amerika, zuzugeben, dass es ein Marihuana-Problem hat», schrieb die Chefredaktion der «New York Times» im Februar dieses Jahres. Die Zahl der Konsumierenden ist mit der Legalisierung in gewissen Gliedstaaten so drastisch gestiegen, dass sie den Alkoholkonsum überholt hat.
Begleiterscheinungen des Anstiegs des Konsums: mehr Sucht, psychotische Krisen und Verkehrsunfälle unter Einfluss von Marihuana. Denn mit der Deregulierung hat auch der THC-Gehalt, die psychoaktive Substanz, zugenommen.
In einigen Staaten werden politische Kampagnen geführt, um die Gesetze zur Legalisierung von Cannabis aufzuheben. Massachusetts ist der erste Staat, in dem am 3. November über einen Vorschlag abgestimmt wird, der Verkauf und Besteuerung von Cannabis zu Freizeitzwecken regulieren will.
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