The Jerusalem PostNetanyahu's final campaign strategy: Fear - opinionESPN DeportesPlan de Juego NFL: Predicciones Atrevidas para la Semana 7PunchKalu, Tompolo team up for Tinubu’s 2027 re-electionESPN2027 five-star fits: South Carolina has how many elite recruits now?!Daily MaverickThe fundamental flaw in SA’s water financing modelBollywood HungamaTiger Shroff’s spokesperson DENIES reports of actor’s statement to Mumbai Police: “This news is completely untrue”ColliderDC’s First Horror Movie Officially Breaks Franchise's Box Office SlumpAnime News NetworkCherry and Virgin Anime Movie ReviewCBS SportsIs Polymarket Legal in California? October 2026 StatusZDF heuteAktuelle Pressemitteilungen des ZDFn-tvErst als zweiter Deutscher: Schindler sensationell im EM-Halbfinale, Superstar Littler scheitert krachendRai NewsEx Ilva: l'area a caldo resta in funzione, attesa per vertice a palazzo Chigi
The Daily Newsstand · Free, Always
Sunday, October 25, 2026

SPD-Vorsitz, AfD-Leak, NZZ-Chef: „Es braucht das Gegenteil von Heil“

Translate
Friedrich Küppersbusch

Während Hubertus Heil mit dem SPD-Parteivorsitz liebäugelt, gibt's böse Blicke von Söder nach Berlin. Und vielleicht eine neue Perspektive für die NZZ.

t az: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küpperbusch: Schlagartig eine Stunde weniger Licht.

taz: Und was wird besser in dieser?

Küpperbusch: Weckt mich im März.

taz: Der ehemalige Arbeitsminister Hubertus Heil liebäugelt mit dem SPD-Parteivorsitz. Noch fehlt ihm eine Kandidatin für die Doppelspitze. Wer könnte die Frau an seiner Seite sein?

Küpperbusch: Aus rein ästhetischen Gründen plädiere ich für irgendeine Sozialdemokratin, die „Waidmanns“ heißt. Neigt man dem Eindruck zu, dass es die SPD zuletzt mit sacht untercharismatischen Persönlichkeiten versucht hat, ist es konsequent, ihr Heil in Heil zu suchen. Wer erinnert sich nicht an die machtvollen Demonstrationen der Arbeiterklasse unter dem leuchtend roten Banner „Wir können es nicht ausschließen, dass …“? Exakt das ist das Wording des Bewerbers, der beeindruckend das hübsche Paradoxon performt: „Wenn Du mich jetzt nicht bittest, gibt's auf die Fresse.“ Mit der Trennung – Parteispitze Esken und Walter-Borjans, Kabinettsmitglied und Vizekanzler Scholz – war die SPD erfolgreicher als jetzt, wo die Partei hinter der Kabinettsdisziplin fast verschwindet. Es bräuchte also eine Frau mit eigener Meinung, klarer Sprache und vor allem: unbändigem Willen. Einfach das Gegenteil von Heil.

taz: Hacker haben in der vergangenen Woche Hunderttausende Mails der AfD veröffentlicht. Erste Recherchen zeigen, dass die Inhalte der Kommunikation zu einer in Teilen gesichert rechtsextremen Partei passen: Kommen wir dem AfD-Verbot einen Schritt näher?

Küpperbusch: Kommt drauf an, was drinsteht. Es kann ein Beweisverwertungsverbot drohen, wenn die illegal gewonnenen Erkenntnisse gar nicht so aufregend sind wie der Bruch der Persönlichkeitsrechte der mailenden AfD-Kader. Bisher scheint Ko-Chefin Weidel bei Mauschelei und Unwahrheit über Parteispenden erwischt worden zu sein; Gott sei geklagt, dass das absolut kein Monopol von Rechtsextremisten ist. Mail-Debatten über Parteiausschlussverfahren kann man als Indiz lesen, dass es da Nazis gibt – und ebenso als Beleg, dass man sich dagegen regte. Das Verfassungsgericht müsste also entscheiden, ob sich der Sound der internen Mails klar genug von der schöngefärbten Fassade außen unterscheidet. Stand jetzt: ein auch in dieser Höhe verdientes Unentschieden.

taz: Markus Söder fordert eine „Extremismusklausel“ im Länderfinanzausgleich. Die CSU will den Ländern weniger zahlen, in denen künftig AfD und Linke regieren. Wofür wollen Sie weniger zahlen?

Küpperbusch: Verführerisch, auf einen ausgewachsenen Rülpser mit ähnlich inspirierendem Körperwind zu antworten: Erstmal könnte man von Bayern die Kohle zurückverlangen, die es 38 Jahre aus dem Länderfinanzausgleich bezogen hat. Dann wäre zu klären, ob Koalitionspartner mit Nazispaß im Schulranzen auch ein stattlicher Extremismusklaus sind, und was Söders Vize-MP Aiwanger noch so rumhubert. Der Vorschlag verstößt nach vorläufigen Expertisen gegen sechs Grundgesetzartikel, und selbst wenn man die alle flexte, bliebe die Frage, ob Art. 79 Abs. 3 GG nicht genau das auch noch verbietet. Am Ende müsste der Bund das Land Bayern nach Art. 37 GG – „Bundeszwang“ – zur Kasse bitten. Und übrigens auch, endlich einen Standort für ein Atommüllendlager zu suchen. Dafür würde ich sogar mehr bezahlen.

taz: Alice Schwarzer stellt das Magazin Emma nach 50 Jahren ein. Tipps für die Rente?

Küpperbusch: Mit dem Arsch nicht umreißen, was man mit den Fingern hingestellt hat.

taz: Auf der Website „Gen Z regelt“ rufen die In­itia­to­r:in­nen zu Sozialprotesten in ganz Deutschland auf. Was können die Boomer für uns regeln?

Küpperbusch: Die Junge Union Berlin Mitte fordert „Amtshilfe der Bundeswehr bei den geplanten (in Anführungszeichen) Schüler-Protesten“. Ok, ich bin Boomer, aber so alt wie die Junge Union kann ich nicht mehr werden.

taz: In der Schweiz übernimmt ein Liberaler den Chefposten der rechtskonservativen NZZ. Eine Chance fürs Blatt?

Küpperbusch: Die NZZ wurde uns im Journalistik-Studium zur Antwort gegeben auf die Frage, welche wohl die beste deutschsprachige Zeitung sei. Schon damals überstudentisch teuer, schaute man in der Fachbereichs-Bibliothek gratis rein und musste zugeben, dass sie noch ein bisschen langweiliger als die FAZ daherkam. Jedenfalls hat's 40 Jahre gedauert, daraus ein „anti-wokes“, trumpoffenes und als solches durchaus nicht gerade einmaliges Blatt zu machen. Der Rückweg wird ein Stück Arbeit.

taz: 
Und was macht der RWE?

Küpperbusch: Einen härteren Kontrast zum Retorten- und Dosenclub Leipzig als RWE hat die ganze erste Liga nicht zu bieten. Morgen, 18 Uhr, DFB-Pokal, RWE – RB Leipzig. 




Fragen: aze

Jahrgang: gut. Deutscher Journalist, Autor und Fernsehproduzent. Seit 2003 schreibt Friedrich Küppersbusch die wöchentliche Interview-Kolumne der taz „Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?".

Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“ Gegen Rechtsruck hilft Linksblick

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

View the original on taz →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.