Schlägt Trump jetzt mit neuen Zöllen zurück?

Migros-Bank-Experte warnt nach Midterms-Debakel vor Rache
Schlägt Trump jetzt mit neuen Zöllen zurück?
Die US-Zwischenwahlen in den USA bringen für die Schweizer Wirtschaft neue Unsicherheiten mit sich: US-Präsident Donald Trump könnte die Zölle auch ohne Parlament hochschrauben. Droht jetzt eine Trotzreaktion aus dem Weissen Haus? Experten ordnen ein.
Publiziert: 13:19 Uhr
- Republikaner verlieren bei den Zwischenwahlen beide Kammern des US-Kongresses
- Migros-Bank-Experte warnt: Trump könnte als «Trotzreaktion» an den Zöllen schrauben
- Der starke Franken und mögliche Preiskontrollen in den USA belasten die heimischen Export- und Pharmakonzerne
Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft
Für US-Präsident Donald Trump (80) enden die Zwischenwahlen mit einer herben Schlappe. Die Demokraten übernehmen beide Kammern des US-Kongresses. Die Republikaner verlieren die Mehrheit sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus.
Mit den Wahlergebnissen bahnen sich neue wirtschaftliche Turbulenzen an. Für die USA bedeutet der Doppelsieg der Demokraten vor allem eines: Blockadepolitik. Zu diesem Schluss kommen die Migros Bank und die Luzerner Kantonalbank in ersten Analysen. Trump sitzt zwar weiter im Weissen Haus, verliert im Parlament aber jeglichen Rückhalt für neue Steuersenkungen oder milliardenschwere Ausgabenpakete.
Zölle als mögliche «Trotzreaktion»
Trotz des demokratischen Wahlsiegs ist bei Trumps Lieblingsthema – den Importzöllen – also keineswegs eine Entspannung zu erwarten. Der US-Präsident hat seine Zölle nämlich bereits jetzt weitestgehend am Kongress vorbei eingeführt – jeweils per Präsidialdekret.
Santosh Brivio, Leiter Economic Research der Migros Bank, warnt nun vor unberechenbaren Schritten in der Handelspolitik: «Wir erachten sogar das Risiko als erhöht, dass Trump in einer Art ‹Trotzreaktion› nach der Wahl zusätzliche Zölle ankündigen könnte.» Das birgt neuen Zündstoff für den Welthandel – und auch für die Schweiz.
Trump ist oft unberechenbar
Das grosse Problem: Trump agiert oft erratisch, ist schwer einzuschätzen. Expertinnen und Wissenschaftler suchen hinter seinen chaotischen Ankündigungen vergebens nach einer klaren Linie. Jetzt, ohne Rückhalt durchs Parlament, könnte der US-Präsident noch unberechenbarer werden, so die Befürchtung. Ob er bald wieder mit dem Zoll-Hammer zuschlägt, ist auch deshalb völlig offen.
1:35
In 90 Sekunden eklärt:Das bewirken Strafzölle
Für die Schweizer Wirtschaft ist genau diese Unsicherheit Gift. Die exportorientierten Unternehmen litten stark unter dem Zoll-Hickhack im letzten Jahr. Seit diesem Sommer gilt ein Zollsatz von 12,5 Prozent auf Schweizer Produkte. Das kann sich schnell ändern. Das Wirtschaftsdepartement von Bundespräsident Guy Parmelin (66) pocht zwar weiterhin auf ein rechtsverbindliches Abkommen mit Washington. Doch eine Lösung ist noch immer nicht da.
Kantonalbanken geben Entwarnung
Nicht alle Ökonomen teilen die Furcht vor einer Eskalation. Die Aargauische Kantonalbank und die St. Galler Kantonalbank winken gegenüber Blick ab, was eine unberechenbare Trotzreaktion aus dem Weissen Haus angeht.
«Da es sich in erster Linie um eine innenpolitische Angelegenheit handelt, gehen wir nicht davon aus, dass sich an den Zöllen gross etwas ändert», sagt Sascha Haudenschild, Leiter Investment-Center der Aargauischen Kantonalbank, gegenüber Blick. Auch Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse der St. Galler Kantonalbank, rechnet nicht mit Rachezöllen. Entwarnung gibt er aber keineswegs: «Das Zollthema bleibt uns erhalten – mit oder ohne Zwischenwahlen», sagt er auf Anfrage von Blick.
Der starke Franken erhöht den Druck
Erschwerend kommt noch hinzu: Der Schweizer Franken hat als Reaktion auf die Midterms sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch zum Euro spürbar zugelegt. Das verteuert Schweizer Produkte im Ausland und schmälert die umgerechneten Gewinne empfindlich.
Die Exportindustrie gerät damit weiter unter Druck. Und die Pharmaindustrie muss mit zusätzlichem Gegenwind rechnen, falls die Demokraten die Medikamentenpreise in den USA strenger regulieren wollen. «Für die Schweiz zeichnet sich keine Entwarnung ab: Der Franken erstarkt, das Zollrisiko bleibt», bilanziert Migros-Bank-Experte Brivio.
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.