«Kritische Situation»: City-Whistleblower fordert Polizeischutz

- Manchester City drohen Punktabzüge, hohe Geldstrafen oder sogar ein Ausschluss aus der Premier League.
- Eine unabhängige Kommission befand den Club schuldig, zwischen 2009 und 2018 systematisch Finanzregeln gebrochen zu haben.
- Das endgültige Strafmass verzögert sich, weil City Berufung eingelegt hat.
Manchester City ist nach jahrelangem Verfahren wegen schwerer Verstösse gegen die Finanzregeln schuldig gesprochen worden. Doch was hat der Club eigentlich getan, was hat es mit den 115 Anklagepunkten auf sich und kann City jetzt tatsächlich Titel verlieren? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was wird Manchester City vorgeworfen?
2008 wurde Manchester City durch die Abu Dhabi United Group (Adug) übernommen. Im Zentrum der Anklage stehen die Finanzen des englischen Vereins nach dieser Übernahme. Konkret geht es um die Saisons zwischen 2009 und 2018. Die Kommission der Premier League kommt zum Schluss, dass City sogenannte Scheinverträge mit Geschäftspartnern nutzte, um die Ausgabelimiten der Premier League und der Uefa zu umgehen.
Vereinfacht gesagt, dürfen Fussballclubs nicht dauerhaft viel mehr Geld ausgeben, als sie selbst einnehmen. Das soll verhindern, dass ein milliardenschwerer Besitzer nicht unbegrenzt eigenes Geld in den Club pumpen kann. Laut der Kommission wurden Einnahmen durch Sponsoren höher ausgewiesen, als sie tatsächlich waren. Einen Grossteil des Geldes soll stattdessen der Eigentümer in die Vereinskasse beigesteuert haben. So sah es auf dem Papier aus, als hätte City mehr Geld selbst erwirtschaftet und durfte entsprechend auch mehr ausgeben.
Insgesamt 949,94 Millionen Pfund wurden über den Zeitraum von City als Sponsoringeinnahmen verbucht – davon sollen aber nur 119,25 Millionen Pfund von den Sponsoren tatsächlich selbst bezahlt worden sein.
Wie ist die Sache aufgeflogen?
Der portugiesische Hacker Rui Pinto hat den Stein ins Rollen gebracht. Über seine Enthüllungsplattform «Football Leaks» verschafft er sich Zugriff auf Millionen Dokumente aus der Fussballwelt und spielt diese Medien zu.
Journalisten von «Der Spiegel» werden auf die Daten aufmerksam und veröffentlichen 2018 eine Serie über Manchester City mit brisanten E-Mails. Im selben Jahr startet die Premier League eine eigene Untersuchung. Diese dauert mehr als vier Jahre und führt schliesslich im Februar 2023 zur formellen Überweisung der zahlreichen Vorwürfe an eine unabhängige Kommission.
Was hat es mit den 115 Anklagepunkten auf sich?
Als die Premier League 2023 ihre Anklage veröffentlichte, listete sie verschiedene Regelverstösse über mehrere Saisons auf – insgesamt 115. Dazu gehören falsche Finanzangaben, verschleierte Zahlungen, Verstösse gegen Finanzregeln sowie die mangelnde Zusammenarbeit mit den Ermittlern.
Die Kommission sieht die schweren Finanzverstösse als erwiesen an. Auch drei von vier Vorwürfen wegen mangelnder Kooperation wurden bestätigt.
Wurde der Club nicht schon einmal freigesprochen?
Bereits 2020 verhängte die Uefa wegen Verstössen gegen ihre Finanzregeln eine zweijährige Champions-League-Sperre gegen Manchester City. Der Club zog vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS und bekam teilweise recht. Die Sperre wurde daraufhin aufgehoben. Ein Teil der Vorwürfe war zu diesem Zeitpunkt bereits verjährt, andere konnten nach Ansicht des CAS nicht ausreichend belegt werden.
Wegen mangelnder Kooperation musste City allerdings zehn Millionen Euro Bussgeld bezahlen. Das aktuelle Premier-League-Verfahren ist davon getrennt. Die englische Liga untersucht den Fall nach ihren eigenen Regeln und mit einer eigenen Beweisgrundlage.
Wie lautet das Urteil?
Nach jahrelangen Ermittlungen und einer 42-tägigen Anhörung fiel Ende September die Entscheidung: Für die Kommission stand fest, dass Manchester City über neun Saisons schwer gegen die Finanzregeln verstossen hatte.
Besonders deutlich fiel auch das Urteil über Citys mangelnde Kooperation während der Untersuchung aus. Die Kommission kam zum Schluss, der Club habe gezielt versucht, die Ermittlungen der Premier League zu stoppen und zu behindern.
Manchester City akzeptiert das Urteil jedoch nicht und bezeichnet sich weiterhin als unschuldig. Am Freitag legte der Verein offiziell Berufung ein. Der Rechtsstreit geht damit in die nächste Runde.
Welche Strafe folgt nun?
Über die Sanktionen wird in einem separaten Verfahren entschieden. Durch die eingereichte Berufung dürfte sich das endgültige Strafmass weiter verzögern. Die Regeln geben der Kommission grossen Spielraum: Möglich sind unter anderem eine hohe Geldstrafe, Punktabzüge oder weitere sportliche Sanktionen. Selbst über einen möglichen Ausschluss aus der Premier League wird diskutiert.
Auch eine nachträgliche Aberkennung von Titelgewinnen wird öffentlich gefordert. Beschlossen ist das allerdings nicht. Welche Konsequenzen Manchester City tatsächlich treffen, steht deshalb weiterhin in den Sternen.
Céline Eicher (eic), Jahrgang 1996, arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Sport.
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