– Wie ein Schweizer Ex-Model in Trumps und Epsteins Visier geriet

Sie habe einen brutalen sexuellen Übergriff durch Donald Trump erlebt, 1993 in einer Suite des Plaza Hotels in New York. Das erzählt die 56-jährige Schweizerin Béatrice Keul heute. Der Vorfall habe sich an einem Schönheitswettbewerb in New York ereignet, wo sie auch auf den verstorbenen Multimillionär und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein traf.
Keuls Geschichte beginnt mit der Miss-Schweiz-Wahl: Als 22-Jährige entspricht sie dem gängigen Schönheitsideal, mit Modelmassen, hellblondem Haar und 1.85 Meter Körpergrösse.
1992 wird die gelernte Bankangestellte Vize-Miss Schweiz und kann in der Folge an der Wahl zur Miss Europe teilnehmen. Sie sei in diese Welt der Schönheitswettbewerbe eher zufällig reingerutscht, so Keul. Doch schnell habe sie gemerkt: «Gut auszusehen war kein Geschenk. Das zog die falschen Menschen an.»
Einladung nach New York
Einige Wochen später findet sie eine Einladung im Briefkasten, die sie nicht ausschlagen will: zum Schönheitswettbewerb «The American Dream Pageant» nach New York, signiert von Organisator Donald Trump. Eine einmalige Gelegenheit, denkt sich die junge Béatrice Keul. Ihre Abenteuerlust ist geweckt. Doch in den USA erwartet sie statt dem American Dream ein Albtraum.
Die Podcastserie von SRF erzählt von Frauen, die in den 1990er-Jahren in ein gefährliches Milieu geraten, in dem superreiche Männer wie Jeffrey Epstein und Donald Trump die Fäden ziehen. Die Geschichten zeigen, wie Epstein die Branche nutzte. Wie Epsteins System funktionierte, zeigen auch die Recherchen von SRF Data, die bis in die Schweiz führen.
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Donald Trump gilt in den frühen 1990er-Jahren als König von New York. Er besitzt zahlreiche Immobilien und obwohl er zu dieser Zeit auf einem Schuldenberg sitzt, verkehrt er in den exklusivsten Kreisen der Superreichen. «The Show must go on», sei schon zu dieser Zeit sein Motto gewesen, sagt Béatrice Keul heute.
Trump schafft zu dieser Zeit ein Imperium aus Beauty Queens: Er kauft die Miss-Universe-Organisation, inklusive der Veranstaltungen «Miss USA» und «Miss Teen USA».
Trumps und Epsteins Jagdrevier?
Zusammen mit rund 60 anderen Frauen nimmt sie am «American Dream Pageant» teil. An einem Presseevent im Plaza Hotel habe Donald Trump mit ihr geflirtet und ihr gesagt, er schicke ihr später jemanden, der sie zu ihm bringt, damit sie sich weiter unterhalten könnten: «Ich habe ihm vertraut, ich war blind.»
Trump, Epstein und die Schönheitsköniginnen
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Bild 1 von 9. Umgibt sich gern mit schönen Frauen: Donald Trump 1993 an einer Playboy-Party in New York. Bildquelle: Getty Images / Ron Galella.
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Bild 2 von 9. 1992 organisierte Donald Trump eine «Kalendergirl-Competition». Einziger männlicher Gast soll Jeffrey Epstein gewesen sein. Bildquelle: Video von NBC.
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Bild 3 von 9. Trump besass Wettbewerbe wie Miss Universe und Miss USA und verkehrte in denselben Kreisen wie Epstein, der junge Frauen aus diesem Umfeld zu rekrutieren versuchte. Bildquelle: Getty Images / Ron Galella.
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Bild 4 von 9. Ein Bild aus dem Jahr 2000: Donald Trump, Melania Knauss Trump, Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell im Mar-a-Lago-Club in Palm Beach, Florida. Bildquelle: Imago / ZUMA Press Wire.
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Kurz darauf sei sie auch von Jeffrey Epstein angesprochen worden, dem Multimillionär und Sexualstraftäter. Sie habe seinen Namen damals noch nie gehört: «Er wollte mich wegbringen und versprach, für mich zu sorgen.»
Das habe ihr Misstrauen geweckt, denn Epstein sei ihr alles andere als sympathisch gewesen. Sie habe nur mit ihm gesprochen, weil er sich als «Donalds best friend» ausgegeben habe.
Jeffrey Epstein war ein Sexualstraftäter. Der US-amerikanische Multimillionär baute über Jahre hinweg ein Netzwerk auf, über das minderjährige Mädchen und junge Frauen rekrutiert und missbraucht wurden.
2019 wurde Epstein tot in seiner Gefängniszelle in Untersuchungshaft gefunden. Die Todesursache, offiziell als Suizid deklariert, befeuert nicht nur Verschwörungstheorien, sondern wird auch von bekannten Rechtsmedizinern infrage gestellt.
Später wird Keul tatsächlich von einem Mitarbeiter Trumps abgeholt, der sie zu dessen Suite führt. Dort habe sie einen brutalen sexuellen Übergriff durch den heutigen US-Präsidenten erlebt, schildert Keul.
Erst viele Jahre später habe sie Zusammenhänge erkannt: «Dieser Schönheitswettbewerb war für Trump und Epstein ein Jagdrevier.»
Das Erlebte behielt Keul jahrelang für sich. 2024 spricht sie erstmals öffentlich darüber und macht sich damit auch selbst angreifbar. Sie werde bedroht, erklärt sie gegenüber SRF.
Donald Trump weist sämtliche Anschuldigungen von sich. Eine gerichtliche Feststellung gibt es nicht.
Trump sieht sich mit Vorwürfen sexueller Belästigung durch mindestens 28 Frauen konfrontiert. Mit manchen von ihnen hat sich Keul vernetzt. Als «Survivor Sisters» kämpfen sie für Transparenz und Gerechtigkeit und arbeiten gemeinsam an Sammelklagen.
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