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Wednesday, September 30, 2026

Überforderte Luftabwehr – Russland attackiert Kiew mit 600 km/h schnellen Geran-5‑Drohnen

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Sirenen heulen, Luftalarm in Kiew, schnell der Blick aufs Handy: Gelb oder Rot? Zeigt die Warn-App Rot, dann bedrohen ballistische Raketen oder Drohnenschwärme aus Russland die Hauptstadt der Ukraine – höchste Zeit, einen Schutzraum aufzusuchen. Bei Alarmstufe Gelb sind einzelne Drohnen in der Luft. Dann versucht die Millionenstadt am Dnipro trotz Gefahr, ihr Leben weiterzuleben.

Metallisches Trümmerteil auf Asphalt mit Blättern und Gebäude im Hintergrund.
Legende: Bei Alarmstufe Gelb müssen Betriebe nicht schliessen. Aber U-Bahnstationen werden zu Schutzräumen. Schulen brechen den Unterricht ab, die Kinder gehen in Bunker oder in die Metro. Bild: Antrieb einer Geran-5-Drohne in Kiew (25. September). Imago/NurPhoto

Kiew ist seit Beginn der Grossinvasion 2022 oft aus der Luft beschossen worden, war aber besser geschützt als Charkiw, dicht an der russischen Grenze, oder die Hafenstadt Odessa.

Noch keine Antwort auf russische Jetdrohnen

Doch seit dem Sommer ist die Lage gefährlicher geworden. «Der Feind hat seine Angriffe verstärkt», sagt Bürgermeister Vitali Klitschko. Und: Die russische Armee setzt immer mehr schnelle Kampfdrohnen mit Düsenantrieb ein. Gegen den Drohnentyp Geran-5 hat die ukrainische Flugabwehr noch kein Gegenmittel; bei Munition gegen ballistische Raketen ist sie ohnehin blank.

Ulrike Franke ist Sicherheitsexpertin bei der Denkfabrik «European Council on Foreign Relations». Sie spricht von einem «radikalen Redesign» der Geran-Drohne: «Sie ist stärker, schneller, fliegt höher und trägt mehr Nutzlast – also Bewaffnung.»

Die Geran-5-Drohne fliegt bis zu 600 Kilometer pro Stunde schnell – etwa drei Mal schneller als die früheren Versionen. «Bislang war die Ukraine extrem gut in der Drohnenabwehr», erklärt die Expertin. «Gegen die Geran-5 funktioniert diese aber nicht mehr.» Das sei mutmasslich nicht kriegsentscheidend – aber eine grosse Herausforderung für Kiew.

Ukraine unter Zugzwang

Um die Drohne abzufangen, müsse die Ukraine wohl auf Systeme setzen, mit denen Raketen neutralisiert werden: Dies mache die Flugabwehr ungleich aufwendiger, teurer und verschleisst wichtige Ressourcen zum Schutz der Infrastruktur und Zivilbevölkerung.

Und: Mit jedem Tag, an dem die Ukraine kein wirksames Mittel gegen die Geran-5-Drohnen findet, steigt der Grad der Zerstörung. Inzwischen greift Russland nicht mehr nur nachts, die Drohnen fliegen fast den ganzen Tag.

Sicherheitsexpertin Franke spricht von einer «Strategie der Zerstörung»: Diese ziele auch auf die Energie- und Wasserversorgung ab. «Letztlich soll es für die Ukrainer unmöglich werden, in ihrem Land zu leben.»

Eine Warnung für Europa

Für Franke steht fest: Im Moment steht die Ukraine vor einer Herausforderung. «Aber in den letzten viereinhalb Jahren hat sie immer wieder gezeigt, dass sie auf alles, was Russland über die Grenze geschickt hat, eine Antwort hat.»

Den Handlungsbedarf anerkennt auch der ukrainische Präsident. Vor zehn Tagen veröffentlichte Wolodomir Selenski ein Video einer Abfangdrohne, die speziell darauf ausgerichtet ist, Jet-getriebene russische Drohnen abzufangen. Der Einsatz sei erfolgreich verlaufen:

Kiew sucht fieberhaft nach einem Mittel gegen die Geran-5-Drohnen. Je länger das dauert, umso grösser wird die Zerstörung. Gerade mit Blick auf den anstehenden Winter, in dem Russland wieder auf «Kälte als Kriegswaffe» setzen dürfte.

Selenski verspricht Abhilfe gegen russische Jetdrohnen

Box aufklappen Box zuklappen

Angesichts massiver Probleme bei der Abwehr von russischen Drohnen mit Düsenantrieb hat der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski eine baldige Linderung in Aussicht gestellt. «Derzeit werden ukrainische Abfangraketen bereits unter Kampfbedingungen eingesetzt», sagt er in einer Videobotschaft vom Dienstag.

Die Abfangrate sei jedoch noch zu niedrig. «Doch jede Woche soll sich die Trefferquote erhöhen», versicherte Selenski. Für den Oktober seien konkrete Produktionsraten festgelegt worden. «Das ist eine strategische Aufgabe», unterstrich der Staatschef.

Das Upgrade der Geran-Drohne zeigt für Franke, dass Russland militärisch innovationsfähiger wird – und hier zur Ukraine aufschliesst. Eine Entwicklung, die ganz Europa zur Kenntnis nehmen müsse, schliesst die Sicherheitsexpertin: «Bei der Drohnenabwehr müssen wir uns unglaublich ranhalten – wir sind hier klar im Hintertreffen.»

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