Happige Vorwürfe – Klima der Angst – Freiburger Strafanstalt in der Kritik

Der Direktor der Freiburger Haftanstalt und mehrere Abteilungsleiter der Freiburger Haftanstalt sollen unrechtmässig Überstunden aufgeschrieben und diese in Form von Ferientagen bezogen haben. Das steht in einem anonymen Schreiben, das an den Kanton Freiburg, an die Gewerkschaft und an die Medien verschickt wurde. «La Liberté» hat als Erstes darüber berichtet. Auch SRF liegt das Schreiben vor.
Er ist jemand, vor dem ich Angst habe, dem ich sogar aus dem Weg gehe, wenn ich zur Arbeit komme.
Nebst der Bereicherung wird auch der Führungsstil kritisiert – von ehemaligen und aktuellen Mitarbeitenden, mit denen die Zeitung «La Liberté» gesprochen hat.
Klima der Angst
Sie bemängeln die Methoden des Direktors, der als autoritär und hart beschrieben wird. «Man traut sich nicht, mit ihm zu sprechen, aus Angst, wie eine Mücke zerquetscht zu werden», sagt einer der Befragten. Ein anderer ergänzt: «Er ist jemand, vor dem ich Angst habe, dem ich sogar aus dem Weg gehe, wenn ich zur Arbeit komme.»
Die Gewerkschaft der öffentlichen Dienste VPOD spricht von aggressivem Verhalten gegenüber bestimmten Mitarbeitenden. Einige junge Mitarbeitende hätten die Freiburger Haftanstalt sogar verlassen, weil die Arbeitsbedingungen schwierig waren, sagt der Sekretär der Gewerkschaft Gaëtan Zurkinden. «Die Stimmung ist derzeit ziemlich bedrückend, insbesondere am Standort in Bellechasse.»
Laut «La Liberté» wurde diesen Sommer gegen ein Mitglied der Direktion ein Verfahren wegen Mobbings eröffnet. Die betreffende Person sei derzeit suspendiert, schreibt die Zeitung. Der Kanton Freiburg äussert sich wegen des Persönlichkeitsschutzes gegenüber dem Personal nicht dazu.
Kanton hält am Direktor fest
Es sei zurzeit schwierig zu beurteilen, wie der Fall einzuschätzen ist, sagt der Generalsekretär der Freiburger Sicherheits- und Justizdirektion, Olivier Kämpfen. «Man weiss nicht, von wo die Anschuldigungen kommen und wer die Aussagen gemacht hat.»
Die Direktion steht immer noch deutlich hinter dem Direktor.
Das Wohlfühlen und die Sicherheit der Mitarbeitenden seien der Direktion sehr wichtig, deshalb gehe man den Hinweisen nach. «Uns liegt es am Herzen, dass man ein gutes Arbeitsklima hat.» Wichtig sei aber auch, den richtigen Direktor zu haben. «Dass man jetzt seine Persönlichkeit angreift, finde ich nicht ganz richtig.» Die Direktion stehe heute immer noch deutlich hinter dem Direktor, sagt Kämpfen. Es brauche einen gewissen Stil, um ein Gefängnis zu leiten.
Doppelfunktion für Kanton kein Problem
Dass der Gefängnisdirektor Guido Sturny, der auch Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbands ist, gewisse Stunden fürs Schwingen aufbrachte, war mit dem Kanton so abgesprochen, sagt der Generalsekretär.
Sturny habe den Staatsrat über dieses Amt informiert, der Staatsrat habe es bewilligt. Im anonymen Schreiben wird kritisiert, Sturny habe Überstunden verbucht, obwohl er an einer Sitzung des Eidgenössischen Schwingerverbands teilgenommen habe.
Untersuchung soll Klarheit schaffen
Die Analyse läuft – die Sicherheits- und Justiz- und Sportdirektion gehe den Vorwürfen nun zusammen mit Spezialistinnen und Spezialisten nach, sagt der Generalsekretär.
Die Gewerkschaft fordert eine externe Untersuchung. Ob der Kanton darauf eingeht, ist noch unklar. Man müsse zuerst selbst über die Bücher, so Kämpfen.
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 19.10.2026, 12:03 Uhr ; lana;buec;liea
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