«Ich bin fein damit, für meine Ansichten verurteilt zu werden»

- Fitness-Influencer Christian Wolf (31) war für ein Charity-Event der Moving Kids Foundation in Zürich zu Gast.
- Im Interview mit 20 Minuten erklärt er, warum ihn Kritik nicht davon abhält, weiter öffentlich anzuecken.
- Wolf fordert zudem, dass Influencer Wohltätigkeit gleich engagiert kommunizieren wie kommerzielle Kooperationen.
Christian Wolf polarisiert seit Jahren mit seinen Aussagen auf Social Media. Kritik gehört für den 31-Jährigen deshalb längst zum Alltag. Bei seinem Besuch in Zürich für ein Charity-Event für krebskranke Kinder der Moving Kids Foundation erklärt er gegenüber 20 Minuten, warum ihn Gegenwind nicht davon abhält, weiter öffentlich anzuecken.
«Ich bin damit fein, wenn man für etwas verurteilt wird, an das man glaubt.»
«Ich bin damit immer fein, wenn man für etwas verurteilt wird, an das man glaubt oder für das man einsteht», sagt Wolf. Er versuche, Meinungen nicht einfach zu übernehmen, sondern zunächst zu hinterfragen. Dass das schnell provozieren kann, weiss er selbst. «Das klingt jetzt wie Schwurblerzeug», sagt er lachend. Trotzdem stelle er sich bei vielen emotional diskutierten Themen erst einmal die Frage: «Ist es wirklich so?»
Nicht jede Publicity sei gute Publicity
Mit dem bekannten Spruch «All publicity is good publicity» kann Wolf allerdings wenig anfangen. «Nein, das glaube ich nicht mehr», sagt er. Die Haltung sei teilweise auch eine «Bewältigunsstrategie von Influencern» – also der Versuch, negative Reaktionen im Nachhinein positiv umzudeuten. «Ich glaube nicht, dass alles, was irgendwie passiert, gut ist.»
Er selbst könne mit Kritik umgehen, weil er sie seit Jahren gewohnt sei. Als Beispiel nennt Wolf die Fitnessbranche. Vor rund zehn Jahren seien Aussagen über eine proteinreiche Ernährung noch deutlich kontroverser diskutiert worden.
Behind the scenes
«Ich war halt nur der Typ mit dem Halstattoo.»
«Damals hiess es noch: Protein macht deine Nieren kaputt», sagt er. Auch er habe viel Gegenwind erhalten, wenn er öffentlich widersprochen habe. «Ich war halt nur der Typ mit dem Halstattoo.» Heute seien Proteinprodukte überall erhältlich und viele frühere Vorbehalte verschwunden. Wolf betont aber auch: «Das heisst nicht, dass es bei jedem Thema so ist.»
In Zürich fühlt er sich plötzlich arm
Für einen Charity-Anlass reiste Wolf am Freitag nach Zürich. Viel von der Stadt kenne er bislang allerdings nicht. «Ich habe Zürich bisher eigentlich immer nur als Flughafenstadt genutzt.»
Sein erster Eindruck fällt trotzdem positiv aus. «Es ist schön hier», sagt er. Aufgefallen seien ihm vor allem die Gebäude rund um das Kongresshaus, wo das Event stattfand – und die Preise. «Wahrscheinlich auch nicht günstig.»
Passend dazu hatte Wolf zuvor auf Tiktok von einem früheren Banktermin in Zürich erzählt. Nach dem Teilverkauf seiner Firma sei er bei der UBS gewesen. Dort habe ihm ein Banker gesagt: «Herr Wolf, Sie sind der erste Nicht-Milliardär, den ich seit langer Zeit betreue.» Wolf, der selbst von einem Vermögen im dreistelligen Millionenbereich spricht, kann darüber lachen. «Ich feiere solche Situationen. Ich fand es richtig lustig.»
Mittlerweile hat der offizielle Account von UBS Schweiz auf Tiktok Wolfs Video kommentiert: «Grüezi Herr Wolf, Milliardär oder nicht: Schön sind sie wieder in Zürich», lautet der Kommentar.
Wolf will über Spenden sprechen
Auch beim Thema Wohltätigkeit vertritt der Influencer eine klare Haltung. Dass man über Spenden besser schweigen solle, hält er für falsch. «Wenn gesagt wird, man sollte nicht über Spenden reden, frage ich mich: Sollte man das wirklich nicht?»
Von Influencerinnen und Influencern erwartet er dabei denselben Einsatz wie bei kommerziellen Kooperationen. «Wer für ein Produkt mehrere Storys und Videos macht, soll einen guten Zweck nicht mit einem einzigen Foto abhaken», so der Fitness-Influencer.
Wie stehst du dazu, wenn jemand mit klaren Meinungen bewusst aneckt?
Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein schwer krankes Kind?
Hier findest du Hilfe:
Pro Pallium, Begleitung von Familien mit schwerstkranken Kindern und jungen Erwachsenen
Kind+Spital, Verein für die Rechte von Kindern und Jugendlichen im Gesundheitswesen
Ammar Jusufi (amj), Jahrgang 2001, arbeitet seit November 2024 für 20 Minuten. Nach seinem Praktikum im Ressort Ostschweiz ist er nun Redakteur im Ressort People.
Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People und arbeitet seit Oktober 2022 bei 20 Minuten. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».
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