Parteitag in Dallas: Trump als Problem und Lösung?
Vor den Midterms haben die Republikaner ihren Parteitag abgehalten. Die Partei sei abhängig von Trump, der Präsident sei aber nicht wirklich beliebt, so Politikwissenschaftler Müller-Kaler.
10.09.2026 | 18:11 minEine Trump-Show als letzte Chance? US-Präsident Donald Trump steht bei den Midterms im November nicht auf dem Wahlzettel. Beim außerordentlichen Parteitag in Dallas im Bundesstaat Texas soll es trotzdem so wirken, als wäre genau das der Fall.
Ich bitte euch, so zu tun, als stünde ich auf dem Stimmzettel.
Donald Trump, US-Präsident
Das Ziel der Republikaner: Mit Trump als Zugpferd möglichst viele Anhänger an die Urnen zu bringen. Bei den Midterms, den Zwischenwahlen in den USA, liegt die Wahlbeteiligung nämlich deutlich niedriger als beispielsweise bei den Präsidentschaftswahlen.
Und historisch gesehen sind die Midterms besonders schwierig für die regierende Partei. Wähler nutzen die Wahl mitunter, um der Regierung einen Denkzettel zu verpassen.
Was für Trump bei den Midterms auf dem Spiel steht
Gewählt werden bei den Midterms im November alle Abgeordneten des Repräsentantenhauses und Teile des Senats. Für Trump steht dabei einiges auf dem Spiel: seine Handlungsfähigkeit.
Zwar regiert er viel über Dekrete, trotzdem ist der Präsident für die reguläre Gesetzgebung stark von Mehrheiten seiner Partei in Repräsentantenhaus und Senat abhängig.
Donald Trump steht bei den Midterms 2026 in den USA nicht zur Wahl. Doch es geht um die Mehrheit der Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus - und damit auch um seine Macht.
09.09.2026 | 1:26 minPolitologe: Republikaner in schwieriger Lage
Die Republikanische Partei befinde sich in einer schwierigen Lage, erklärt US-Politikwissenschaftler Julian Müller-Kaler im Interview mit ZDFheute live. Einerseits sei sie "extrem abhängig von Trump", der sie in den vergangenen zehn Jahren auf seine Person zugeschnitten habe.
Andererseits sei der Präsident unbeliebt. Trump habe besonders in früher demokratisch geprägten Bundesstaaten Menschen für sich gewonnen, die unter Inflation und dem Niedergang der Industrie litten oder internationale Militäreinsätze ablehnten.
Man muss verstehen, dass Donald Trumps Genie darin lag, die Republikanische Partei für Wählerschichten zu öffnen, die traditionell sehr wenig mit der Republikanischen Partei am Hut hatten.
Julian Müller-Kaler, US-Politikwissenschaftler
Doch in seiner zweiten Amtszeit habe er nach Ansicht des Politologen "das Gegenteil" seiner Versprechen getan.
US-Präsident Trump hat 5.000 Dollar für jeden Erwachsenen zugesichert, falls die Republikaner die Midterms gewinnen. ZDF-Korrespondent David Sauer ordnet das Versprechen ein.
10.09.2026 | 1:01 minKrieg und hohe Preise drücken auf die Stimmung
Dass viele Wähler unzufrieden sind, zeigt sich abseits des Parteitagsgeländes, etwa in den Kneipen von Dallas. Steigende Preise, der Krieg in Iran und die Kosten für die Gesundheitsversorgung drücken dort auf die Stimmung.
"Ich wollte keine neuen Kriege", erzählt Chase. Und Bryee stimmt ihm zu:
Dafür haben wir alle gestimmt. Gegen Kriege, für die Veröffentlichung der Epstein-Akten. Aber alles, was er versprochen hat und wofür wir ihn gewählt haben, liefert er nicht.
Bryee, in einer Kneipe in Dallas
Der Bundesstaat Texas ist ein roter Staat. Heißt: 56 Prozent haben hier vor zwei Jahren Trump gewählt.
Trump macht den Parteitag der Republikaner zur Wahlkampfshow: Mit einem 5.000-Dollar-Versprechen und Kampfansagen mobilisiert er seine Anhänger für die Midterms im November.
10.09.2026 | 2:25 minMüller-Kaler: Kein Rückenwind für die Demokraten
Auch wenn Trump selbst Teile der MAGA-Koalition wegbrechen, habe er seine Partei weiterhin "voll im Griff", erklärt US-Politikwissenschaftler Müller-Kaler. Der Parteitag solle deshalb Aufmerksamkeit erzeugen und die Basis mobilisieren. Laut Müller-Kaler "keine einfache Aufgabe".
Dennoch bedeutet Trumps schwierige Lage nicht automatisch Rückenwind für die Demokraten. Die hätten es in den vergangenen Jahren versäumt, eine überzeugende politische Alternative zu Trump aufzubauen, so der Politikwissenschaftler.
Stattdessen hätten sie sich häufig vor allem als Gegenentwurf zum Präsidenten definiert.
Die Demokraten haben sich in den letzten zehn Jahren eigentlich immer als Anti-Trump-Partei inszeniert.
Julian Müller-Kaler, US-Politikwissenschaftler
Dadurch hätten sie Trump unfreiwillig geholfen, sein Image als politischer Außenseiter zu festigen. Trotz seiner schlechten Umfragewerte profitiere die Opposition deshalb "nicht wirklich in dem Maße, wie man es meinen könnte".
Bei den Midterms 2026 werden das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt. Welche Bedeutung hat die Wahl für US-Präsident Donald Trump?
04.09.2026 | 1:10 minParteitag in Dallas ein politisches Experiment
Genau darin liegt das politische Experiment von Dallas: Während die Demokraten noch nach einer überzeugenden Antwort auf Trump suchen, setzen die Republikaner weiter voll auf ihn.
Der außergewöhnliche Parteitag soll beweisen, dass seine Strahlkraft noch groß genug ist, um die eigene Basis an die Urnen zu bringen. Ob das gelingt, entscheidet sich in gut acht Wochen bei den Midterms.
Katharina Schuster ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Washington D.C.
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