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Wednesday, October 7, 2026

Remo rettete 200 Menschen vor Hamas – nun lebt er in der Schweiz

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  • Remo Salman El-Hozayel (39) hat nach dem Hamas-Angriff auf das Nova-Festival Israel verlassen und lebt seit Juni mit seiner Familie in der Schweiz.
  • Am 7. Oktober 2023 rettete der Polizist mit einem verlassenen Auto während rund drei Stunden über 200 Menschen vom Gelände des Nova-Festivals.
  • Den Ausschlag für den Umzug gab eine Situation während der iranischen Angriffe, als ihm und seiner Frau die Kraft fehlte, trotz Sirenen Schutz zu suchen.

Seit Juni lebt Remo Salman El-Hozayel mit seiner Frau und seinen drei Kindern in der Schweiz. Den Ausschlag, Israel zu verlassen, habe eine Situation während der iranischen Angriffe gegeben, erzählt der 39-Jährige. Auf den Handys seien Warnmeldungen erschienen, draussen hätten die Sirenen geheult. Doch er und seine Frau seien im Bett liegen geblieben. Die Kraft, sich erneut in Sicherheit zu bringen, habe ihnen gefehlt.

Am 7. Oktober 2023 war El-Hozayel als Polizist am Nova-Festival im Einsatz. Er habe zum ersten Mal eine solche bezahlte Zusatzschicht übernommen, erzählt er. Kurz nach seiner Ankunft hätten die Sirenen aufgeheult. Zunächst hätten sie an einen Raketenangriff geglaubt. «Doch dann sind Menschen auf uns zugerannt und haben geschrien, dass auf sie geschossen werde.»

Wenig später sei er selbst unter Beschuss der Hamas geraten. «Ich warf mich zu Boden, drehte mich um und setzte mein letztes Magazin ein. Sie zielten weiter auf meinen Kopf. Ich senkte ihn und wartete auf den tödlichen Schuss.» In diesem Moment habe er geglaubt, dass er sterben werde, erzählt El-Hozayel. Vor seinem inneren Auge habe er seine Frau, seine Kinder, seine Eltern und seine Brüder gesehen.

Remo Salman El-Hozayel überlebte als israelischer Polizist den Hamas-Angriff auf das Nova-Festival am 7. Oktober 2023. Laut eigenen Angaben rettete er über 200 Personen.

Remo Salman El-Hozayel überlebte als israelischer Polizist den Hamas-Angriff auf das Nova-Festival am 7. Oktober 2023. Laut eigenen Angaben rettete er über 200 Personen.AFP

«Ich habe so viele Menschen eingeladen, wie ins Auto passten»

Doch im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen und Festivalbesuchenden überlebte er. Die Schüsse stoppten, also sei er durch die Kampfzone gerannt – bis zu einem verlassenen Auto mit Schlüssel im Zündschloss. «Ich habe so viele Menschen eingeladen, wie hineinpassten und sie zu einem Gewächshaus abseits des Festivalgeländes gebracht.» Rund drei Stunden lang sei er hin- und hergefahren – ohne zu wissen, ob er die nächste Fahrt überleben würde. «Damit rettete ich mehr als 200 Menschen das Leben.» 1195 andere Menschen starben an diesem Tag durch den Terrorangriff der Hamas. «Es spielte keine Rolle, ob die Menschen Christen, Juden oder Muslime waren.»

Noch heute verfolgten ihn die Bilder. Angst und weitere Angriffe hätten seither den Alltag von El-Hozayel und seiner Familie geprägt. Also habe er sich entscheiden müssen: als Polizist in Israel weiterarbeiten oder seiner Familie «ein einfacheres Leben» ermöglichen. Er habe seinen Beruf geliebt, habe Menschen helfen und verstehen wollen, was sie zu ihren Taten bewegt habe. Schliesslich aber stand für ihn fest: «Ich muss meine Familie schützen.»

Umzug in die Schweiz

Mit dem Umzug in die Schweiz erlebe er nun seit rund drei Monaten, wie seine Kinder wieder unbeschwerter leben können. Besonders deutlich werde das bei seiner 13-jährigen Tochter. In Israel habe sie ständig Angst gehabt. Hier sei sie selbstständig unterwegs. «Sie öffnet die SBB-App und ist ganz selbstverständlich mit dem ÖV unterwegs», erzählt El-Hozayel, der mittlerweile bei einem Sicherheitsdienst arbeitet.

Die Wahl der neuen Heimat sei nicht willkürlich gefallen. El-Hozayel ist Israeli, Muslim, Araber, Beduine – und Schweizer. Seine Mutter kommt aus Bern, wo auch er geboren wurde. Als El-Hozayel fünf Jahre alt war, zog die Familie zurück nach Israel, wo sein Vater aufgewachsen ist. Nach einigen Jahren an verschiedenen Orten lebte er in Rahat, einer Stadt im Süden Israels, die mehrheitlich von Beduinen bewohnt wird, und besuchte dort eine jüdische Schule. Zu Hause feierte die Familie muslimische und jüdische Feiertage – und Weihnachten. «Mit der beduinischen Kultur meines Vaters verbinde ich vor allem die Gastfreundschaft.»

Für ihn sei es normal, all diese Zugehörigkeiten in sich zu vereinen. «Andere sind oft überrascht und haben das Gefühl, dass meine Identitäten nicht zusammenpassen. Doch für mich gehören sie alle seit meiner Kindheit zusammen.» El-Hozayel wünscht sich grundsätzlich, dass Menschen weniger nach ihrer Religion und Herkunft beurteilt würden. «Jeder Mensch hat eine Geschichte, die wir nicht kennen. Jede Familie trägt ihren eigenen Schmerz.»

«Menschen sollen trotz unterschiedlicher Geschichten zusammenleben können»

Es mache ihn deshalb traurig, wie viel Vertrauen seit dem 7. Oktober und dem darauffolgenden Krieg verloren gegangen sei, obwohl er den Kurs der israelischen Regierung grundsätzlich unterstütze. Zuvor habe er erlebt, wie Menschen im Alltag miteinander ausgekommen und sich nähergekommen seien – Israelis, Araber und Palästinenser. Daran wieder anzuknüpfen werde Zeit brauchen – auch über ein Ende des Krieges hinaus, glaubt El-Hozayel.

Wie eine solche Annäherung aussehen kann, erlebe er in der Schweiz. Der Coiffeur seiner Kinder in Brugg ist Palästinenser und stammt aus Hebron. Dieser kenne seine Geschichte und wisse, was er erlebt habe. «Trotzdem verspürt er keinen Hass gegenüber mir.» Diese Begegnung stehe für das Zusammenleben, das er sich wünsche: dass Menschen einander begegnen können, ohne dass ihre Herkunft sie voneinander trennt. Seine Hoffnung für den Nahen Osten geht in dieselbe Richtung. «Menschen sollen trotz unterschiedlicher Geschichten zusammenleben können. Denn Krieg will niemand, und er bringt auch niemandem etwas.»

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

Carolin Teufelberger

Carolin Teufelberger (cat) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Redaktorin beim Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.

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