Sexarbeit wandert ins Netz – Beratung zieht nach

- Procore, das nationale Netzwerk für Sexarbeiterinnenrechte, hat eine Software entwickeln lassen, die Sexarbeiterinnen über WhatsApp erreicht.
- Die Software durchsucht Onlineportale nach aktiven Anzeigen und schickt den hinterlegten Nummern Links zu kantonalen Beratungsstellen.
- In der Pilotphase wurden 9000 Kontakte geknüpft; rund 10 Prozent der Empfängerinnen reagierten zeitnah.
Sexarbeit verlagert sich zunehmend ins Internet. Die Zahl der Prostituierten auf dem Strassenstrich sinkt. Auch Bordelle gibt es weniger. Laut dem «SonntagsBlick» finden viele Sexarbeiterinnen ihre Kunden über Anzeigen auf Onlineportalen und treffen sie anschliessend in Privaträumen.
«Die Digitalisierung des Sexgewerbes hat zur Folge, dass ein Teil der Sexarbeitenden durch die klassische aufsuchende Beratung nicht mehr erreicht werden kann», sagt Rebecca Angelini, Geschäftsleiterin von Procore, dem nationalen Netzwerk für die Rechte von Sexarbeiterinnen, gegenüber dem «SonntagsBlick».
Kontakt über WhatsApp
Procore liess deshalb eine Software entwickeln. Sie durchsucht Sexportale nach aktiven Anzeigen und filtert diese nach Regionen. Die dort hinterlegten Telefonnummern werden anschliessend über Whatsapp kontaktiert. Die Nachricht verweist auf das Hilfsangebot der jeweiligen kantonalen Beratungsstelle.
Während der Pilotphase kam es zu insgesamt 9000 Kontakten über WhatsApp. Rund 10 Prozent der Empfängerinnen reagierten zeitnah auf die Nachricht. Andere meldeten sich erst später – etwa dann, wenn sie Unterstützung benötigten.
Wirtschaftlicher Druck
Angelini sprach gegenüber 20 Minuten bereits früher über die Probleme von Sexarbeitenden. Hohe Mieten, teure Bussen und unsichere Arbeitsbedingungen erhöhten den finanziellen Druck, sagte sie. Das könne dazu führen, dass Sexarbeitende mehr Kunden annähmen und weniger Möglichkeiten hätten, Kunden oder bestimmte Praktiken abzulehnen oder auf Schutzmassnahmen wie Kondome zu bestehen.
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?
Hier findest du Hilfe:
Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
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