«Du hast doch auch zwei Töchter»: Legende attackiert Federer

Darum gehts
- Tennis-Legende Billie Jean King kritisiert Roger Federer öffentlich für mangelnden Einsatz bei der Gleichberechtigung im Tennis.
- Die 82-Jährige äusserte sich anlässlich von Federers Aufnahme in die International Tennis Hall of Fame in Newport (USA).
- King appelliert an seine Vaterrolle: Federer hat zwei Töchter und hätte seine Popularität stärker für die Gleichstellung nutzen können.
Unter grossem Getöse wurde Roger Federer letztes Wochenende in Newport (USA) in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen. Im Publikum sassen dabei zahlreiche illustre Gesichter des Tennissportes, darunter auch die US-amerikanische Legende Billie Jean King.
Die 82-jährige Kalifornierin sorgt nun mit brisanten Aussagen über Federer für Aufsehen. «Ich wünschte, er würde sich stärker für Gleichberechtigung einsetzen», sagt King im Rahmen der Feierlichkeiten zur Aufnahme Federers in die Hall of Fame überraschend deutlich und kritisch.
Billie Jean King greift Roger Federer an
Die Tennis-Ikone verweist auf die Familie des Baselbieters. Federer und seine Frau Mirka haben zwei Töchter und zwei Söhne. «Ich sage immer wieder zu ihm: ‹Roger, du hast zwei Jungs und zwei Mädchen. In eurem Haushalt steht es 3:3›», so King. Sie vertrete die Meinung, Federer hätte seine riesige Popularität während seiner Karriere noch stärker nutzen können, um sich für die Gleichstellung im Tennis – gerade punkto Preisgelder – einzusetzen.
Der Journalist Jake Nevins des amerikanischen Tennis-Magazins «The Racquet» brachte die Zitate Kings in Umlauf. Laut dem Reporter habe ihn ein Vertrauter Kings dazu aufgefordert, das Interview mit ihm zu beenden, doch sie liess sich nicht stoppen. «Glauben Sie, er würde etwas tun, um am Status quo zu rütteln? Das will er gar nicht. Ich würde an seiner Stelle auch Geld verdienen wollen», sagt die 82-Jährige darauf.
King gilt im Tennis als Pionierin in Sachen Gleichstellungsfragen. Anfang der Siebzigerjahre hatte sie bei der Gründung einer unabhängigen Frauentour wesentlichen Anteil. Ihre Kritik an Federer ist allerdings nicht ganz fair. Der 20-fache Grand-Slam-Champion sagte schon 2016, er sei für eine gleichmässige Verteilung der Preisgelder. Im selben Atemzug verwies er darauf, dass die Geschichte und wirtschaftliche Struktur einzelner Turniere berücksichtigt werden müsse.

Auch im Laufe der Jahre äusserte sich Federer oft sehr differenziert in der Thematik. 2019 forderte Serena Williams männliche Spieler dazu auf, sich stärker für gleiches Preisgeld einzusetzen. Federer reagierte daraufhin und sagte, dass seine eigenen Bemühungen um höhere Preisgelder auf der ATP-Tour letztlich auch dem Frauentennis zugutekämen. Obendrauf sei eine zusätzliche Unterstützung der WTA wünschenswert.
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Florian Gnägi (flo) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten im Ressort Sport. Seine grösste Expertise hat er auf den Themengebieten Fussball und Tennis.
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