1.5-Grad-Ziel wird verfehlt – Klimaschutz – so viel ist das Pariser Abkommen wert

Mit der aktuellen weltweiten Klimapolitik steuert die Erde auf eine Erwärmung von 2.8 Grad zu. Das ist viel zu viel – und es bedeutet, dass das Eis an Nord- und Südpol abschmelzen kann und viele weitere, sehr gefährliche Veränderungen im Klimasystem eintreten können.
Vor gut zehn Jahren sah es noch düsterer aus, sagt der Schweizer Delegationsleiter an der Klimakonferenz, Felix Wertli: «Damals steuerte die Welt noch auf vier Grad Erwärmung zu. Das Abkommen hat also messbar etwas bewirkt.»
Erst mit Paris haben sich auch die ärmeren Länder zum Klimaschutz verpflichtet.
Parallel seien die Investitionen in die erneuerbaren Energien stark gestiegen. «Heute sind das Investitionen von weltweit über 2000 Milliarden Dollar pro Jahr – dazu hat das Pariser Abkommen markant beigetragen.»
Ärmere Länder verpflichteten sich zu Klimaschutz
Auch der langjährige Klimaexperte des WWF Schweiz, Patrick Hofstetter, sagt, dass die Welt ohne Pariser Abkommen anders aussehen würde: «Erst mit Paris haben sich auch die ärmeren Länder zum Klimaschutz verpflichtet, das war ein absolut entscheidender Schritt.»
Wichtig seien auch private Initiativen, die rund um Paris entstanden seien, betont Patrick Hofstetter des WWF. Als Beispiel erwähnt er die «Science Based Targets Initiative», mit der sich grosse Unternehmen selbst verpflichtet haben, ihre CO₂‑Emissionen zu reduzieren. «Heute haben sich weltweit 14'000 Firmen solche Ziele gesetzt. Es sind teils grosse Firmen mit sehr hohen Emissionen», sagt Hofstetter.
Denn die ärmeren Länder sowie Länder wie China, Indien oder Saudi-Arabien, die damals dazukamen, verursachen heute mehr als die Hälfte der weltweiten Treibhausgasemissionen.
«Das Glas ist halb leer und halb voll»
Auch Anthony Patt, Klimawissenschaftler an der ETH Zürich, sieht diese Fortschritte. Und trotzdem sei die Welt nicht auf Kurs: «Das Glas ist halb leer und halb voll. Wir handeln nicht schnell genug. Für eine Kehrtwende braucht es einen schnellen Ausstieg aus Öl und Gas», sagt Patt.
Klimaschutz wird zu langsam oder gar nicht gemacht, wenn die Politik das nicht vorantreibt.
Glücklich mache ihn der Solarboom insbesondere in China und der Boom der Elektroautos, sogar in Ostafrika. Aber dass diese Technologien heute so günstig seien und deshalb massiv an Fahrt gewinnen, reiche nicht aus. Die Wirtschaft brauche mehr Investitionssicherheit und klare Vorgaben von der Politik, sagt Patt. «Klimaschutz wird in der Wirtschaft gemacht – aber er wird zu langsam oder gar nicht gemacht, wenn die Politik das nicht vorantreibt.»
In der Schweiz zum Beispiel seien die politischen Leitplanken zu wenig streng: Noch immer würden neue Benzinautos gekauft und Ölheizungen eingebaut, statt sie durch CO₂-arme Elektroautos und Wärmepumpen zu ersetzen. Somit würden über viele weitere Jahre und Jahrzehnte schädliche CO₂‑Emissionen in die Luft geblasen. Nicht einmal die vermögenden Industrieländer wie die Schweiz seien also auf Zielkurs, so der ETH-Klimawissenschaftler.
Hoffen auf neue Initiativen an der Klimakonferenz
Anthony Patt und die anderen Klimaexperten schauen deshalb mit gemischten Gefühlen nach Antalya, wo am 9. November die 31. Klimakonferenz beginnt. Sie hoffen auf weitere Initiativen in Richtung Elektrifizierung, weg vom Öl.
Zentral sei jedoch insbesondere die finanzielle Unterstützung der ärmeren Länder. «Wir müssen sie unterstützen, damit sie Klimaschutz betreiben – mit Know-how und mit Finanzen», sagt Patt. Der Klimaschutz müsse unbedingt auch international umgesetzt werden. Nur so seien – mit grosser Anstrengung – wenigstens die zwei Grad maximaler Erwärmung noch zu erreichen.
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