CNN TürkFon Koordinasyon Kurulu 2’nci kez toplanıyorPunchArmy destroys terrorist hideout, recovers weapons in AnambraRTP DesportoJudo/Mundiais: Ausência de Alice Bellandi abre incógnita nos -78 kgBollywood HungamaDrishyam The Conclusion mania EXPLODES! Theatres add post-midnight shows BEFORE release; exhibitors asked to match Spider-Man, Dhurandhar The Revenge pricingInquirerLa Union adopts four-day workweek starting Oct. 5ESPNTransfer rumors, news: Man United, Chelsea monitoring Benfica defenderThe Jerusalem PostEl Al forced to cancel first rescue flights to Dubai after authorities revoke landing permissionsUN News‘I have not lost my dreams’: Refugee education funding cuts threaten millionsZDF heuteAktuelle Pressemitteilungen des ZDFNHK 社会津の住宅で火事 子ども4人と連絡取れず 警察 消防が確認進めるRai NewsF1, GP Bahrain: Antonelli difende il primato, Russell torna all’attaccoAntara NewsKesaktian Pancasila Museum changes how generations learn history
The Daily Newsstand · Free, Always
Friday, October 2, 2026

Antisemitismus im Pop: Gute-Laune-Beats gegen Juden

Translate

Mu­si­ke­r:in­nen nutzen ihre Reichweite und Bühnen, um politische Botschaften zu verbreiten. Dabei wird immer öfter auch antisemitisches Geraune normalisiert.

Mal wieder eine Absage, mal wieder die Verweigerung, eine Debatte zu führen, die dringend notwendig wäre: über den Umgang mit der Radikalisierung, die sich in Teilen der Popwelt im Zusammenhang mit Antisemitismus vollzogen hat. Dieses Mal geht es um die Ausladung des US-amerikanischen Rappers Macklemore als Support Act von Ed Sheeran. Ein Ereignis, das sich einreiht in eine Vielzahl von Vorfällen in der Popkultur seit dem 7. Oktober 2023.

Denken wir an Pop, wird einigen Progressivität und Emanzipation in den Sinn kommen. Spätestens seit dem Massaker der Hamas auf Israel muss man sich jedoch die Frage stellen, ob der progressive Anspruch nicht immer mehr in einen autoritären Positionierungsdruck kippt, der vor allem in sozialen Medien und auf Bühnen ausgetragen wird. Die Boykottkampagne BDS braucht es schon lang nicht mehr, Drohungen, Hetze und Konzertabsagen gegen jüdische und israelische Künst­le­r:in­nen und Bands oder solche, die sich kein einseitiges Statement abpressen lassen, gehen mittlerweile von Veranstaltern, Künst­le­r:in­nen und vom Publikum selbst aus.

Der israelische Dirigent Lahav Shani etwa wurde im vergangenen Jahr vom Flandern-Festival ausgeladen, weil er sich nicht deutlich genug von der israelischen Regierung distanzierte. Both sides? Der Hinweis auf das Leid auf beiden Seiten, einerseits der katastrophalen Zustände im Gazastreifen, andererseits die Opfer und Geiseln des 7. Oktobers – das scheint kaum noch möglich zu sein.

Die Autoren

Antisemitische Narrative oder Terrorverharmlosung

Bei den letzten drei Austragungen des Eurovision Song Contest nahm der bisweilen antisemitische Protest zu: Die Sänger:innen, die für den israelischen Rundfunksender Kan ins Rennen geschickt worden waren, wurden bedroht und ausgepfiffen, Eden Golan erhielt 2024 sogar Morddrohungen und konnte ihr Hotelzimmer lediglich unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen zu den Proben verlassen. Israel wurde so oft Manipulation des Abstimmungssystems vorgeworfen, bis dies im Dezember 2025 geändert wurde. Fünf Länder, darunter Spanien und die Niederlande, haben ihre Teilnahme bis auf Weiteres zurückgezogen.

Es gibt Musiker:innen, die unter dem Deckmantel der Palästina-Solidarität immer wieder durch antisemitische Narrative oder Terrorverharmlosung auffallen. Musikgrößen wie der ehemalige Pink Floyd-Bassist Roger Waters, der gern mal einen Schweine-Luftballon mit Davidstern auf seinen Konzerten steigen lässt und die Menge auffordert, diesen Ballon zu zerstören; nach dem 7. Oktober zweifelte er das Ausmaß des Massakers an und behauptete, Israel stecke selbst hinter dem Angriff.

Im November 2024 hielt ein Mitglied der irischen Band Kneecap bei einem Konzert eine Flagge der Terrororganisation Hisbollah in der Hand. Aus den Lautsprechern tönte: „Free Palestine, up Hamas, up Hisbollah“. Dann wären da noch Bob Vylan, die auf einer der größten Festivalbühnen „Death to the IDF“ skandierten oder Massive Attack, die auch mal den Sohn von Marwan Barghouti auf die Bühne holen. Marwan Barghouti zählt zu den Anführern der zweiten Intifada und verbüßt eine lebenslange Haftstrafe.

Fast schon radikales Engagement für Palästina

Nun also der Rausschmiss Macklemores von Ed Sheerans Stadiontour. In Deutschland erhitzte die Debatte zusätzlich die Gemüter, da etwa zeitgleich Alphaville vom „Glücksgefühle“-Festival ausgeladen wurde. Der Veranstalter befürchtete politische Aussagen, Alphaville positioniert sich regelmäßig klar gegen die AfD. So entsteht der Eindruck, als würde Politik immer mehr von Bühnen verbannt und würden Künst­le­r:in­nen in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt.

Dass es bei Macklemore mitnichten darum ging, sein Engagement für Palästina zu canceln, sondern die fast schon radikale Art und Weise zu kritisieren, wie es der Rapper seit inzwischen drei Jahren tut, scheint dabei zweitrangig. Macklemore ist kein Einzelfall in der immer autoritärer werdenden Popwelt. Er ist allerdings einer derjenigen, deren Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit unter anderem mit antisemitischen Verschwörungsnarrativen und shoarelativierenden Aussagen verbunden wird.

Der Sänger, bürgerlich Ben Haggerty, wurde Anfang der 2010er Jahre mit den Partyhits „Thrift Shop“ und „Can’t Hold Us“ bekannt. Er war jedoch nie nur Gute-Laune-Rapper. Mit seinem Song „Same Love“ zum Beispiel gab er vielen queeren Menschen eine Stimme und Sichtbarkeit. 2013 wurde er zum UN-Botschafter einer Kampagne ernannt, die sich für Gleichberechtigung und LQBTIQA+-Rechte einsetzte.

Ein Jahr später geriet er in die Kritik, weil er bei einem Konzert als antisemitische Karikatur verkleidet die Bühne betrat. Kurz darauf entschuldigte er sich und sagte, dass er für alle Menschen einstehe, egal welche Religion, Hautfarbe oder Sexualität sie hätten. Im Laufe der Jahre wurde es ruhiger um ihn, an die Erfolge von „Thrift Shop“ oder „Can’t Hold Us“ konnte er nicht wieder anknüpfen.

Sehr einseitig und lückenhaft

Dies änderte sich nach dem Massaker der Hamas in Israel. Es kursieren Videoaufnahmen von antiisraelischen Demonstrationen, an denen er teilnahm oder auf der Bühne stand. Auf seinen Konzerten äußerte er sich nun ebenfalls, wie etwa im Juni 2024 in Mönchengladbach. Kurz zuvor, im Mai 2024, veröffentlichte er seinen ersten Protestsong „Hind’s Hall“, den er den teils antisemitischen Campus-Protesten an der Columbia University widmete, gefolgt von „Hind’s Hall 2“ im September desselben Jahres und schließlich „Fucked up“ im Februar 2025.

Schaut man sich die Bühnenperformances und die drei Songs genauer an, darf angezweifelt werden, dass es noch darum geht, auf das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung aufmerksam zu machen oder Kritik an der israelischen Regierung zu üben. Nicht nur ist sein Engagement sehr einseitig und lückenhaft – die vielen Toten des Hamas-Massakers, auch die Geiseln werden ausgeblendet wie die Terrororganisation als Mitverantwortliche für die Situation –, sondern er bedient sich auch immer wieder antisemitischer Narrative.

In „Hind’s Hall 2“ ist etwa die Parole „From the river to the sea“ zu hören, in dem Musikvideo zu „Fucked up“ setzt er auf historisch fragwürdige Weise ein Bild eines Kindes aus Gaza neben ein Kind aus dem Warschauer Ghetto. Eine Bildsprache, die suggeriert, Israel würde NS-Methoden anwenden.

Schicksalsfrage der Menschheit

Für Macklemore scheint der palästinensische Befreiungskampf die Schicksalsfrage der Menschheit darzustellen. In Gladbach sagt er in einem Statement, gegen Israel und für Palästina einzustehen sei die einzige Lehre aus der Shoah. Und: Die Menschheit sei erst dann frei, wenn Palästina frei sei. Man kann sich die Frage stellen, ob man einer kleinen Bevölkerungsgruppe damit nicht auch ein ziemlich großes Stück Verantwortung überhilft.

Im Song „Fucked up“ wird er noch deutlicher. Verschwörungsnarrative, die erzählen, dass eine kleine Elite die Welt regiert. „How you think Israel gets money for the best tanks? […] And they controllin’ your feed, the information that they censor.“ Die Medien werden kontrolliert und Informationen zensiert, ein Deutungsmuster, das an klassische „Lügenpresse“-Fantasien erinnert. Im selben Song behauptet er im Zusammenhang mit den Waldbränden in Kalifornien, dass die Wasservorräte kontrolliert würden. Der zugehörige Clip zeigt auch, wer: die Resnicks, ein jüdisches Ehepaar.

Erneut die Verschwörungserzählung von einer durch Juden gelenkten Welt. Neben der Erzählung, wer alles was kontrolliert, ist im Video ein Dollarschein mit einem Davidstern darauf (angelehnt an die israelische Flagge) zu sehen. Auch hier bedient sich Macklemore der uralten antisemitischen Erzählung, dass Jüdinnen und Juden geldgierig seien und im Hintergrund die Welt regieren.

Unterkomplexe Narrative durch Songs verbreiten

Sänger wie Macklemore, aber auch Künstler, die sich unkritisch mit ihm solidarisieren, etwa die Sängerin Zara Larsson oder der Musiker Finneas, Bruder von Billie Eilish, tragen dazu bei, dass verkürzte, enthistorisierte und unterkomplexe Narrative durch Songs, Statements und offene Briefe in sozialen Netzwerken rasant verbreitet werden und Wirkung entfalten. Auf diese Weise wird antisemitisches Geraune normalisiert und teils sogar in eingängige Gute-Laune-Beats übersetzt.

Mu­si­ke­r:in­nen nutzen ihre Reichweite und ihre Bühnen, um ihre politischen Botschaften zu verbreiten – häufig verbunden mit dem Anspruch, für universelle Menschenrechte einzutreten. Gleichzeitig werden jüdische Menschen als Teil dieser vermeintlich universellen Gemeinschaft teils ausgeblendet, ausgeschlossen oder sogar explizit angegriffen.

Das zeigt der Umgang mit dem Statement der jüdischen Sängerin P!nk, die sich zu Macklemore und seiner Radikalisierung äußerte. Ihr wurde das als Propaganda ausgelegt. Am Ende kann man festhalten, dass jüdische und israelische Künst­le­r:in­nen massiv unter Druck geraten, während das Verbreiten antisemitischer Narrative Karrieren keinen Abbruch tut. So kann Macklemore unbesorgt auf seine frisch angekündigte „Free-Palestine“-Tour gehen.

Gemeinsam für freie Presse

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

View the original on taz →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.