GFS-Ernährungsmonitor – Interesse an gesundem Essen in der Schweiz so hoch wie nie

- Das Interesse an gesunder Ernährung und Bewegung erreicht einen Höchststand.
- Nahezu neun von zehn Stimmberechtigten (89 Prozent) messen diesen Themen eine grosse Bedeutung bei.
- Dies zeigt der neue GFS-Ernährungsmonitor.
Gegenläufig verlaufen hingegen die Messdaten für das Gefühl, verlässlich informiert zu sein: Der Anteil jener, die sich gut informiert fühlen, sinkt auf einen Tiefststand von 68 Prozent.
Der «Monitor Ernährung und Bewegung» analysiert regelmässig gesellschaftliche Trends, Erwartungen an Politik und Wirtschaft sowie Werthaltungen rund um Ernährung und Bewegung. Für die repräsentative Studie wurden zwischen dem 18. März und dem 13. April 2026 insgesamt 1013 Stimmberechtigte befragt.
Dieser Orientierungsverlust liegt primär an widersprüchlichen Ratschlägen in digitalen und sozialen Medien. Mehr als die Hälfte bekundet Mühe, wissenschaftliche Fakten von Ernährungsmythen oder Marketing zu trennen.
Vorrang der Eigenverantwortung und Pflicht der Industrie
In der Frage nach der Verantwortung setzt die Schweizer Bevölkerung unverändert auf das Individuum. Die persönliche Lebensführung und das familiäre Umfeld gelten mit Abstand als wichtigste Instanzen für das eigene Wohlbefinden. Gleichwohl zeigt sich im Zehnjahresvergleich eine schrittweise Öffnung gegenüber flankierenden Rahmenbedingungen.
Die Befragten verlangen jedoch keine staatliche Bevormundung, sondern nehmen vor allem die Lebensmittelwirtschaft in die Pflicht: Über 70 Prozent erwarten, dass Hersteller proaktiv gesündere Rezepturen entwickeln. Mehr als 90 Prozent sprechen sich zudem dafür aus, dass auf unnötigen versteckten Zuckerzusatz in Fertigprodukten konsequent verzichtet wird.
Klare Ablehnung von Zucker- und Lenkungssteuern
Staatlichen Eingriffen steht die Stimmbevölkerung skeptisch gegenüber: Eine Sonderabgabe oder Steuer auf stark zucker-, salz- oder fetthaltige Nahrungsmittel wird von 68 Prozent der Befragten abgelehnt. Rund drei Viertel der Stimmberechtigten zweifeln daran, dass solche Preiserhöhungen das Konsumverhalten tatsächlich nachhaltig verändern würden.
Zudem wiegen die ökonomischen Bedenken schwer – namentlich das Risiko von Nachteilen für das heimische Gewerbe sowie die Zunahme des Einkaufstourismus. Sollte die Politik dennoch eine Besteuerung erwägen, verlangt eine breite Mehrheit ein striktes Gleichbehandlungsgebot, bei dem alle zuckerhaltigen Warengruppen gleichermassen erfasst werden müssten.
Breite Unterstützung für Bildung und Kinderschutz
Statt auf Verbote setzt die Bevölkerung auf Bildung und Prävention: Initiativen zur Stärkung der Ernährungskompetenz in der Schule, zusätzliche Sportangebote sowie Präventionsprogramme für Risikogruppen stossen auf eine Zustimmung von nahezu 90 Prozent.
Eine klare Ausnahme vom Prinzip der Zurückhaltung bildet der Jugendschutz: Ein Verbot von an Kinder gerichteter Werbung für ungesunde Lebensmittel befürworten 82 Prozent. Altersbeschränkungen beim Kauf finden dagegen kaum Rückhalt.
Differenzierte Haltung zu modernen Abnehmmedikamenten
Zurückhaltend bis pragmatisch zeigt sich die Schweizer Bevölkerung beim Trend zu verschreibungspflichtigen Medikamenten zur Gewichtsreduktion. Kommen solche Präparate bei einer klar diagnostizierten Adipositas oder nach erfolglosen konventionellen Therapien zum Einsatz, geniessen sie breiten Rückhalt von bis zu 90 Prozent.
Eine Nutzung aus rein ästhetischen Gründen lehnen hingegen fast 80 Prozent ab. Zugleich betonen neun von zehn Befragten, dass ein dauerhafter Gewichtsverlust primär über den Lebensstil erfolgen sollte, und äussern Sorge über den weiter steigenden gesellschaftlichen Schlankheitsdruck.
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