Gewinnbringende Technologie: Wildberger fordert Steuer auf KI-Umsätze

Gewinnbringende TechnologieWildberger fordert Steuer auf KI-Umsätze
13.10.2026, 07:12 Uhr

Künstliche Intelligenz boomt. Um von den Umsätzen mit KI zu profitieren, plädiert Digitalminister Wildberger für eine Besteuerung. Wirtschaftsexperte Fratzscher fordert wiederum mehr staatliche Kontrolle - und warnt vor einer "Bedrohung unserer Existenz".
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger plädiert dafür, die Umsätze mit Künstlicher Intelligenz in Deutschland zu besteuern. Mit dem Geld sollte aus seiner Sicht der Umbau des Arbeitsmarkts bezahlt werden. "Den extrem hohen Umsatz mit dieser Technologie müssen wir besteuern, und mit dem Geld können wir den Umbau finanzieren, das ist auch mein Ansatz", sagte Wildberger dem "Tagesspiegel". "Wenn hierzulande Wachstum und Wertschöpfung entstehen, müssen hierzulande auch Steuern gezahlt werden."
Microsoft-Gründer Bill Gates fordert schon länger, Roboter und KI zu besteuern. Er will so den Anreiz verringern, Menschen durch Maschinen zu ersetzen. Gates befürchtet, dass Künstliche Intelligenz zu massiven Jobverlusten führen könnte.
Auch Wildberger rechnet damit, dass KI die Arbeitswelt grundlegend verändern wird. Langfristig entstehe zwar mehr Beschäftigung, aber in anderen Jobs als heute. Umschulungen und neue Tätigkeiten, etwa im Handwerk oder in der Pflege, müssten finanziert werden, so der Minister. Dafür brauche es Wachstum und Offenheit für andere Instrumente.
Fratzscher fordert staatliche Kontrolle
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fordert zudem, dass der Staat die führenden KI-Unternehmen mehrheitlich kontrolliert. Es sei "zentral, dass der Staat Eigentümer aller KI-Frontier-Unternehmen und Infrastruktur wird", sagte Fratzscher dem "Süddeutsche Zeitung Dossier".
"Ich halte KI für die potenziell größte Bedrohung unserer Existenz und eine größere Bedrohung, als Atomwaffen es jemals waren", so Fratzscher. "Wir müssen die Gefahren ernst nehmen." Die Politik tut dies dem DIW-Präsidenten zufolge nicht. Die Sicherheitsdebatte müsste das politische Top-Thema in Europa und Deutschland sein, sagte er.
Fratzscher warnte zudem vor Kontrollverlust wegen eines Wettlaufs um immer leistungsfähigere Modelle. "Niemand hätte einen rein privatwirtschaftlichen Wettlauf um die effizienteste und modernste Atombombe akzeptiert", sagte er. "Das sollten wir auch bei KI so handhaben." Der Staat hafte ohnehin für Risiken, die kein privates Unternehmen tragen könne. Daraus folge, dass er auch die volle Kontrolle ausüben müsse. Eine Selbstregulierung der Branche funktioniere nicht.
Um existenzielle Risiken zu minimieren, solle der Staat vom ersten bis zum letzten Schritt beteiligt sein. Das brauche globale Regeln und eine internationale Regulierungsbehörde, so Fratzscher. Dabei müsse sich Europa als Vermittler zwischen den USA und China positionieren und auf multilaterale Institutionen drängen.
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