Rot gegen YB-Fernandes sorgt für Ratlosigkeit auf allen Stufen

«Eine Katastrophe»
Rot gegen YB-Fernandes sorgt für Ratlosigkeit auf allen Stufen
Die Rote Karte gegen YB-Stabilisator Edimilson Fernandes führt zu heftigen Diskussionen. Diese verlaufen nicht kontrovers. Bedeutet: Wir haben ein Problem in unserer Liga.
Publiziert: vor 10 Minuten
- Die Rote Karte gegen Edimilson Fernandes stösst bei Spielern und Experten auf breite Kritik
- Der Artikel verweist auf Uefa-Spiele, in denen ähnliche Szenen ohne Rot beurteilt worden sind
- Fernandes drohen wegen der zweiten Roten Karte der Saison wohl vier Spielsperren statt einer
Alain KunzReporter Fussball
Selten ist die Beurteilung, ob eine Rote Karte richtig oder falsch war, derart einhellig ausgefallen. Man konnte fragen, wen man wollte. Einen Spieler, noch einen Spieler, einen dritten Spieler, ob Freund oder Feind, Funktionäre, TV-Kommentatoren, Radioreporter, Printjournalisten, TV-Experten – oder den Blick-Schiedsrichterexperten, Urs Meier. Er nannte den Entscheid von Lukas Fähndrich, Edimilson Fernandes nach einer Intervention von VAR Fedayi San, auszuschliessen, ganz einfach «eine Katastrophe».
Essende fordert eine Intervention des Verbands
Und einer ging sogar so weit, dass er forderte, dass sich der Verband einschalten müsse. «Das ist eine natürliche Geste. Das hat doch jeder gesehen. Ich denke, dass der Verband seinen Job machen wird und auf diese Entscheidung zurückkommt.» Es ist Samuel Essende, der das so beurteilt. «Das wäre Gerechtigkeit. Denn es war niemals Rot.»
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Fassnacht über Rote Karte:«Er kann das Standbein ja nicht in Luft auflösen»
Auch Christian Fassnacht versteht die Welt nicht mehr. «Für mich ist es komplett unerklärlich. Edi kann sein Standbein doch nicht in Luft auflösen. Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich weiss nicht, was die Schiris da gesehen haben.»
Für eine Strafe braucht es irgendein Verschulden
Am TV haben die Kommentatoren den Entscheid so gewertet: «Unbegreiflich!» – «Ein Skandal!» – «Komplette Fehlentscheidung!» – «Niemals Rot!» Doch warum versteht niemand diese VAR-Korrektur, die im Platzverweis endet? Das Prinzip ist eigentlich einfach: Um jemanden zu bestrafen, braucht es irgendein Verschulden. Das kann Absicht sein. Das kann Eventualvorsatz sein, indem man zu viel Risiko und in Kauf nimmt, dass es zu einer justiziablen Szene kommt. Das kann auch Fahrlässigkeit sein. Irgendetwas, wo man sagen kann. Das hat der Täter falsch gemacht! Das ist unserem Rechtssystem immanent, dieser Grundsatz, dass niemand bestraft werden kann für etwas, wofür er gar nichts kann.
Uefa ist auf dem richtigen Weg
Das hat auch die Uefa auf die neue Saison hin festgestellt, weshalb man solche Roten Karten in den europäischen Spielen nicht mehr findet. Ein Beispiel: Beim Champions-League-Match zwischen Paris Saint-Germain und Barcelona trifft Barça-Stürmer Fermin Lopez PSG-Verteidiger Wiliam Pacho bei einem Abschluss mit den Stollen mitten im Gesicht, und das nicht zu knapp! Die Kommentatoren waren sicher, dass der VAR hier intervenieren würde und Fermin Lopez möglicherweise vom Platz fliegt. Doch es passierte … nichts. Schiedsrichter Michael Oliver und der VAR beurteilten die Szene so, wie sie der Brite in Realtime gesehen hatte: Als Szene, in der Fermin Lopez kein Verschulden trifft. Das verstanden nicht alle. Aber es ist die Linie, die international gefahren wird. Und sie ist richtig!
Seoane sorgt für Jubelsturm aus dem Homeoffice
YB-Chefcoach Gerardo Seoane kann am Samstag nicht im Stadion sein. Am Freitag war er hospitalisiert worden, weil er über Schwindelgefühle und Unwohlsein geklagt hatte. Im Spital wurde eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs im Innenohr diagnostiziert. Weil sich bei Seoane aber schnell Besserung einstellte, wurde er bereits am Samstagnachmittag entlassen. Mit der Auflage, sich einige Tage zu schonen. Und so coachte Assistent Matteo Vanetta, unterstützt von Patrick Schnarwiler. Der Tessiner, der im Frühling 2022 bereits interimistisch Chef bei YB war: «Wir wollten den Sieg auch für Gerry holen. Für mich war es nicht sehr schwierig, denn Gerry hatte das Team bis Freitag vorbereitet, und die Spieler haben genau das umgesetzt, was wir vorgegeben haben.» Nach dem Sieg gabs einen Videocall mit dem Chef im Homeoffice. «Das war sehr sympathisch», so Vanetta. «Gerry sagte, er sei vor dem Fernseher mehr gestresst gewesen als an der Linie …» Der Call vor versammelter Mannschaft war ein ziemlich emotionaler Moment, der mit einem Freudensturm der Spieler endete. Weil Seoane sie mit einem zusätzlichen freien Tag belohnte. Vielleicht steht er danach, am Dienstag, bereits wieder auf der Matte. (A.Ku.)
Die Ankündigung eines zusätzlichen freien Tages per Videocall durch den kranken Coach Gerardo Seoane nach dem 2:0.-Sieg gegen St. Gallen führt zu einem Jubelsturm bei den Spielern.
YB
YB-Chefcoach Gerardo Seoane kann am Samstag nicht im Stadion sein. Am Freitag war er hospitalisiert worden, weil er über Schwindelgefühle und Unwohlsein geklagt hatte. Im Spital wurde eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs im Innenohr diagnostiziert. Weil sich bei Seoane aber schnell Besserung einstellte, wurde er bereits am Samstagnachmittag entlassen. Mit der Auflage, sich einige Tage zu schonen. Und so coachte Assistent Matteo Vanetta, unterstützt von Patrick Schnarwiler. Der Tessiner, der im Frühling 2022 bereits interimistisch Chef bei YB war: «Wir wollten den Sieg auch für Gerry holen. Für mich war es nicht sehr schwierig, denn Gerry hatte das Team bis Freitag vorbereitet, und die Spieler haben genau das umgesetzt, was wir vorgegeben haben.» Nach dem Sieg gabs einen Videocall mit dem Chef im Homeoffice. «Das war sehr sympathisch», so Vanetta. «Gerry sagte, er sei vor dem Fernseher mehr gestresst gewesen als an der Linie …» Der Call vor versammelter Mannschaft war ein ziemlich emotionaler Moment, der mit einem Freudensturm der Spieler endete. Weil Seoane sie mit einem zusätzlichen freien Tag belohnte. Vielleicht steht er danach, am Dienstag, bereits wieder auf der Matte. (A.Ku.)
Nicht so bei uns. Und dann ist es noch unser bester VAR, WM-Fahrer San, der derart unglülich interveniert …
Spieler sind ratlos
Solche Entscheide lassen auch die Spieler ratlos zurück. «Mittlerweile sind wir an einem Punkt, dass wir Spieler uns solch eine Szene anschauen und nicht wissen, wie wir das einordnen sollen. Da muss man über die Bücher, denn so ist es nicht optimal für den Sport», sagt Christian Fassnacht.
Edimilson wird das nicht helfen. Weil er seine zweite Rote Karte diese Saison gesehen hat, wird die Strafe verschärft werden. Er kann wohl von vier Sperren ausgehen. «Dabei wäre eine Spielsperre angebracht», sagt Meier. Und das auch nur, weil der Grundsatz gilt, dass die erste Sperre automatisch sei.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 11 | 17 | 25 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC Zürich | 11 | -3 | 17 | |
5 | Servette FC | 11 | 2 | 16 | |
6 | FC St. Gallen | 11 | -4 | 16 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 11 | -6 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 11 | -1 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |
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