«Zu langsam» oder «Schützt uns» – ist die Demokratie träge?

- Die Idee einer schnelleren Demokratie polarisiert die 20-Minuten-Community.
- Auslöser ist die Plattform Plural von Digitec-Galaxus-Mitgründer Oliver Herren, der die Demokratie als zu langsam bezeichnet.
- Fast ein Viertel der Kommentierenden findet das gut, bei 15 Prozent wird die Langsamkeit als Schutz betont.
Die Schweizer Demokratie sei zu langsam, findet der Gründer von Digitec Galaxus, Oliver Herren. Mit der neuen Plattform Plural sollen Menschen Ideen diskutieren, Unterstützung finden und politische Anliegen etwa als Petition, Vorstoss oder Initiative weiterbringen können. Mehr dazu liest du hier im Interview.
Die Kommentare zum Interview zeigen: Die Idee polarisiert. Während manche darin eine Möglichkeit für mehr Mitsprache sehen, warnen andere vor einer weiteren digitalen Plattform, möglichen Machtinteressen und einer Politik, die sich zu stark an Tempo orientiert.
Fast ein Viertel der Kommentarschreiberinnen und -schreiber begrüsst das Konzept hinter der Plattform von Oliver Herren. «Die Schwelle zu reduzieren um Ideen einbringen und ernsthaft diskutieren zu können finde ich eine hervorragende Idee. Vielen Dank für den Vorstoss!», schreibt zum Beispiel User citizen-one.
Leserin ChocolateWitch kontert Kritik und findet: «Anstatt hier auf dem Mann herumzuhacken, könnte man sich ja ein paar Minuten nehmen, die Homepage anzuschauen.» Sie habe dies getan und begrüsse die Idee und fände die Homepage gut umgesetzt.
Was hältst du davon, dass die Schweizer Demokratie mit Plattformen wie Plural schneller werden soll?
User normalzähltnichtmehr sieht in der Plattform einen entscheidenden Vorteil: «Sie ist eine Möglichkeit dass ich als Bürger nicht nur bei Abstimmungen etwas zu sagen habe, sondern vorher schon mitdiskutieren kann.»
«Träge, aber stabil»
Doch nicht alle Leserinnen und Leser teilen die Euphorie – im Gegenteil. Bei 15 Prozent der Kommentare wird betont, dass die Langsamkeit der Schweizer Demokratie ein Vorteil ist.
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User Swiss_Aviator fasst es folgendermassen zusammen: «Ja, träge, dafür sehr stabil.» Er argumentiert: «In anderen Ländern, wo eine einzelne Person sehr viel und sehr schnell entscheiden kann, geht es derzeit meist den Bach runter.»
Ähnlich sieht es Ray_Carpenter: «Die Langsamkeit unserer Demokratie schützt uns und unsere Werte vor Trends und Schnellschüssen.» User Poison15 stimmt dem zu: «Wir haben Zeit, das Ganze genau zu überlegen und nicht jede Mode mitzumachen, welche kurzfristig spannend erscheint.» Das System sei zwar langsam, aber habe sich bewährt.
«Flaschenhals bleibt bestehen»
Einige Leserinnen und Leser finden grundsätzlich, dass das Schweizer System nicht träge sei. User frühaufsteherschlafer findet zum Beispiel: Nach meinem Empfinden gehen linke Angelegenheiten noch recht schnell über die Bühne!»
User LuisaVonDerQuelle sieht eine andere Herausforderung: «Die Prozesse zu Beginn würden zwar schneller. Der eigentliche Flaschenhals bleibt aber bestehen: Es muss durch ein Parlament und danach bremsen die Gesetze.»
Anja Zingg (anz), arbeitet seit 2020 bei 20 Minuten. Sie ist seit Juni 2023 Leiterin des Ressorts Gesellschaft & Community.
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