Medien in Österreich: 101 Millionen Euro für Zeitungen in der Krise

101 Millionen Euro sollen österreichischen Medien durch die Zeitungskrise helfen. Für Medienminister Andreas Babler ist das ein Erfolg.
Die österreichische Regierung hat sich auf ein Medienpaket geeinigt, das der krisengeschüttelten Branche Luft verschaffen soll. Geplant sind eine neue Förderung für die Hauszustellung von Zeitungen sowie ein aufgestockter Fonds für digitale Transformation. Für beides zusammen sind 2027 und 2028 jeweils 50,5 Millionen Euro vorgesehen.
Über den Fonds sollen auch kleinere und nicht kommerzielle Medien leichter an Fördergeld kommen. Zudem soll endlich die EU-Richtlinie gegen SLAPPs umgesetzt werden, also missbräuchliche Klagen, mit denen Medienschaffende gezielt eingeschüchtert werden. Auch eine unabhängige Anlaufstelle soll betroffenen Journalist:innen helfen, indem sie sie rechtlich berät.
Das Paket stammt federführend von Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ), der als Minister neben Wohnen und Kultur auch für Medien zuständig ist. Weil er die üppigen Regierungsinserate massiv zurückgefahren hat und künftig eher Qualität als Auflage fördern will, fuhren die Boulevardblätter eine monatelange Kampagne gegen ihn. Auch der Druck aus der eigenen Partei wuchs, weswegen er Parteivorsitz und Vizekanzleramt schrittweise abgibt. Medienminister aber will er bleiben.
Mit dem Paket kann Babler nun einen Erfolg verbuchen. Die konservative Kanzlerpartei ÖVP wollte bis zuletzt auch die Gratisblätter Heute und oe24 bei der Zustellförderung berücksichtigen, obwohl sie nicht zugestellt, sondern über Verteilboxen ausgegeben werden. Babler stellte sich dagegen und setzte sich schließlich durch.
Zeitungsland Österreich
Nirgendwo in Europa wird noch so viel Zeitung gelesen wie in Österreich. Laut Reuters Digital News Report 2026 nutzen 33 Prozent gedruckte Zeitungen und Magazine als Nachrichtenquelle, in Deutschland nur 17 Prozent. Gleichzeitig wird die Zustellung in ländlichen Regionen immer schwieriger und teurer. Ob jemand verlässliche Informationen erhalte, dürfe aber nicht vom Wohnort abhängen, so die SPÖ. Dass es trotz des Sparkurses zusätzliches Geld gebe, sei keine Selbstverständlichkeit, angesichts von Big Tech und Desinformation aber nötig.
Die Krise der Branche ist tief. Laut dem Medienwissenschaftler Andy Kaltenbrunner ist in 20 Jahren rund ein Drittel der journalistischen Jobs in Österreich verschwunden. Die Zeitung Die Presse hat jüngst die Kündigung von 16 Beschäftigten angemeldet, nach einem massiven Personalabbau bereits vor einem Jahr. Auch der Kurier trennte sich zuletzt von Mitarbeitern, nachdem schon in den Vorjahren Dutzende gehen mussten.
Dazu kommt der Rückzug des Staates als Inserent. Im ersten Halbjahr 2025, in das der Regierungswechsel fiel, gab die Bundesregierung nur 3,2 statt zuvor 18,7 Millionen Euro für Werbung aus. Seitdem blieben die Ausgaben auf niedrigem Niveau. Unter den Ex-Kanzlern Werner Faymann (SPÖ) und vor allem Sebastian Kurz (ÖVP) waren Inserate zum politischen Steuerungsinstrument geworden. Kurz steht im Verdacht, sich so wohlwollende Berichte erkauft zu haben; die Staatsanwaltschaft ermittelt, es gilt die Unschuldsvermutung.
Das neue Paket ist als Übergangslösung gedacht. Bablers Ministerium arbeitet an einem grundlegenden Umbau der Medienförderung nach verbindlichen Qualitätskriterien. Laut einer Studie von Medienwissenschaftler Kaltenbrunner hat das bisherige System vor allem bestehende Strukturen konserviert, statt Qualität und Vielfalt zu stärken. Über die Vergabe soll künftig eine unabhängige Kommission entscheiden, die Anfang 2028 ihre Arbeit aufnehmen soll.
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