Hygienemängel in Spitälern – Swissmedic: «Die Reinräume sind nicht wirklich Reinräume»

Hygienemängel in Spitälern Swissmedic: «Die Reinräume sind nicht wirklich Reinräume»
Bei der Hygiene in Spitälern gibt es weiter Mängel. Der Spitalverband sieht Handlungsbedarf, verweist aber auf knappe Mittel.
15.08.2026, 10:05
In einem Spital sind verschiedenste Medizingeräte im Einsatz: vom Spitalbett über das Blutanalysegerät bis zum Operationsroboter. All das muss sauber sein – zum Teil gereinigt, zum Teil desinfiziert, zum Teil gar sterilisiert.
Die Anforderungen, die Swissmedic in diesem Bereich an die Spitäler stellt, würden dort immer besser befolgt und umgesetzt, sagt Rafael Moreno von Swissmedic, der Spitalinspektionen durchführt.
Es gäbe aber immer noch Mängel. Zum einen seien Prozesse wie beispielsweise das Qualitätsmanagement mangelhaft. Zum anderen sei teilweise die Gebäudeinfrastruktur veraltet. Gerade bei der Aufbereitung von Instrumenten könne das zum Problem werden.
Link zum Bericht von Swissmedic
«Bei einem Prozess, bei dem Instrumente von schmutzig zu dekontaminiert gehen, müssen die verschiedenen Zonen getrennt sein. Es gibt Schmutz- und Reinzonen. Das funktioniert teilweise nicht gut, und dann vermischen sich die Zonen», sagt Moreno.
Diese Bereiche müssten in den Spitälern klarer voneinander getrennt werden, sagt er. So brauche es etwa Schleusen für den Zugang zu Reinbereichen oder einen Überdruck in bestimmten Räumen.
«Solche Dinge fehlen teilweise. Es gibt keine klare Zonentrennung, und die Reinräume sind nicht wirklich Reinräume. Sterilgut wird zum Beispiel in Räumlichkeiten gelagert, die den hygienischen Anforderungen nicht entsprechen.»
Spitalverband verweist auf knappe Mittel
Beim Spitalverband H+ heisst es, man nehme den Bericht von Swissmedic sehr ernst. Sie freue sich, dass der Bericht auch zeige, dass Verbesserungen schon umgesetzt worden seien, sagt Mediensprecherin Dorit Djelid. Die Spitäler würden durchaus Verbesserungspotenzial bei den Prozessen und der Infrastruktur anerkennen.
Djelid weist aber auch auf die finanzielle Lage vieler Häuser hin: «Es müssen auch die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, um beispielsweise in eine moderne Infrastruktur investieren zu können. Das ist unter den heutigen Bedingungen nicht immer gegeben.»
Fehlendes Geld und fehlendes Personal
Viele Spitäler haben in den letzten Jahren rote Zahlen geschrieben – entsprechend hoch ist der Spardruck. Rafael Moreno rät den Spitälern, auch stärker in die Ausbildung des eigenen Personals zu investieren.
«Wir sehen immer wieder einen Mangel an qualifiziertem Personal. Das ist eine grosse Herausforderung für die Spitäler. Sie könnten aber auch selbst Personal ausbilden. Es gibt zum Beispiel die Lehre als Medizinproduktetechnologe/-technologin. Da könnten mehr Spitäler Lernende ausbilden.»
Auch da sieht der Spitalverband Handlungsbedarf. Diese Massnahmen seien allerdings nicht kurzfristig umsetzbar, sondern bräuchten Zeit.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.