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Saturday, September 26, 2026

25. Jahrestag Zuger Attentat – Manuela Weichelt: «In meiner Familie ist es bis heute Thema»

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Am 27. September 2001 stürmte ein Mann ins Zuger Kantonsparlament und erschoss 14 Politikerinnen und Politiker – 15 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Schweiz stand unter Schock. Damals sass auch die ehemalige Kantonsrätin und heutige Nationalrätin Manuela Weichelt im Parlamentssaal im Zug. Auch 25 Jahre später prägt sie dieses Erlebnis.

Manuela Weichelt

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Manuela Weichelt ist eine Schweizer Politikerin. Seit 2019 vertritt sie die «Alternative – die Grünen Zug» im Nationalrat. Von 1994 bis 2002 war sie Zuger Kantonsrätin. 2001 überlebte sie das Zuger Attentat, als während einer Sitzung des Kantonsrates im Parlamentsgebäude des Kantons Zug ein Attentäter 14 Politiker erschoss.

SRF News: 25 Jahre ist das Attentat her. Wie schwer fällt es Ihnen, nach so langer Zeit immer noch über dieses Ereignis zu sprechen?

Manuela Weichelt: Wenn die Umgebung stimmt, fällt es mir nicht sehr schwer. In meiner Familie ist es bis heute häufig ein Thema. Wenn man auf die Geschichte zurückblickt, ist es ganz normal, dass man besonderen Ereignissen immer wieder gedenkt.

In Zug gibt es das Dilemma, dass die einen das Ereignis ruhen lassen möchten, während andere jedes Jahr bewusst daran erinnern wollen. Wie gehen Sie als Direktbetroffene mit dieser Diskussion um?

Für mich war von Anfang an wichtig, mit Menschen, die ebenfalls betroffen waren, und mit Familienangehörigen, immer wieder zusammenzukommen. Die Gemeinschaft hat mir damals, vor 25 Jahren, extrem geholfen, das Ganze zu verarbeiten.

Also mit Menschen zusammen zu sein, die dasselbe erlebt haben wie Sie …

Leute, die dasselbe erlebt haben oder mit Familienangehörigen von Menschen, denen ich noch versucht habe zu helfen.

Zuger Attentat 2001: Unvorstellbare Tat, trauernde Bevölkerung

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  • Bild 1 von 4. Unmittelbar nach dem Attentat am 27. September versorgen Rettungskräfte Verletzte. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.

    Rettungsteam in orangefarbenen Uniformen umgeben einen Krankenwagen und betreuen eine Person am Boden.
  • Bild 2 von 4. Mehrere Krankenwagen stehen für den Transport in das nahegelegene Krankenhaus bereit. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.

  • Bild 3 von 4. Am Tag nach der schrecklichen Tat versammelten sich Trauernde vor dem Kantonsratsgebäude. Der Schock in der Bevölkerung sitzt tief. Bildquelle: Keystone/Steffen Schmidt.

  • Bild 4 von 4. Ein Blumenmeer schmückte damals den Eingang ins Zuger Parlamentsgebäude. 14 Menschen kamen beim Attentat ums leben, 15 weitere wurden verletzt. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.

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Sie haben öffentlich über Ihre Traumaverarbeitung gesprochen. Inwiefern konnten Sie das nun in dieser Zeit verarbeiten?

Ich glaube, ich konnte es gut verarbeiten, aber ich konnte es auch nur deshalb so gut verarbeiten, weil die Zuger Bevölkerung extrem mitgefühlt hat. Wir hatten grosses Glück, dass wir sofort Zugang zur Traumatherapie hatten. Auch mein Arbeitgeber war sehr grosszügig und hat mir die nötige Zeit gegeben, alles zu verarbeiten.

Sicherheitsmassnahmen in Parlamenten

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Noch am Tag des Zuger Attentats wurden die Sicherheitsvorkehrungen bei Schweizer Ratssälen verschärft. Im Kanton Baselland hielt damals gerade der Landrat seine Sitzung ab. Nach Bekanntwerden der Tat wurde die Zuschauertribüne gesperrt und der Zutritt zur Sitzung nach dem Mittag erst nach einer Kontrolle gewährt.

Die Polizei war in der Folge in verschiedenen Kantonen stärker präsent und bewachte die Sitzungen. Bei einigen ist das bis heute so – auch in Zug.

Das Sicherheitsdispositiv in den Kantonen wurde verschiedentlich ausgebaut – einzig der Kanton Appenzell Innerrhoden sah sich durch den Amoklauf in Zug nicht veranlasst, die Vorkehrungen zu verschärfen.

Mehr Sicherheit auch im Bundeshaus

Im Bundeshaus wurde das Sicherheitskonzept des Parlaments grundlegend überarbeitet. Zuvor konnte das Bundeshaus noch frei betreten werden. Bis heute müssen sich die 100'000 jährlichen Besuchenden des Bundeshauses beim Eingang ausweisen und einer Sicherheitskontrolle unterziehen lassen.

(Quelle: sda)

Im Nachgang gab es mehr Sicherheit in den Parlamenten und auch das Bedrohungsmanagement bekam mehr Beachtung. Der Waffenbesitz wurde mehrfach diskutiert. Hat man Ihrer Ansicht nach genug getan, damit eine solche Tat nicht wieder passiert?

Es gibt nie eine hundertprozentige Sicherheit. Bei den Gebäuden hat man wirklich sehr viel gemacht, beim Waffenbesitz sehr wenig. Ich staune heute noch, dass wir nach wie vor kein zentrales Waffenregister haben. Was sind das für politische Kräfte, die nicht bereit sind für die Transparenz, wer Waffen hat und wo sie sind? So gefährdet man tagtäglich Menschen.

Jeder neue Vorfall, sei es ein Femizid, ein Attentat oder sonst ein grosses Unglück, macht mich sehr betroffen.

Was wünschten Sie sich diesbezüglich?

Ein zentrales Waffenregister und dass wir vom Grundsatz ausgehen, dass man keine Waffen besitzt und es eine Ausnahme ist, wenn man eine hat. Und der zweite wichtige Punkt: Wir sollten keine Sonderlösung Crans-Montana haben, sondern generell das Opferhilfegesetz verbessern.

Wird für die Opfer von Unglücken zu wenig gemacht?

Wenn man das Opferhilfegesetz liest, sind es kleine Beträge, die die Opfer erhalten. Und je nach Situation, also wenn man beispielsweise keine Unfallversicherung hat, ist es finanziell eine riesige Last, die man zu tragen hat. Dazu kommt, es gibt nicht viele Plätze für Traumatherapien.

Amoktaten gibt es leider immer wieder. Wie bewegt Sie das als Betroffene, aber auch als Politikerin?

Ich bin sicher viel, viel sensibler, als ich es früher ohnehin schon war. Jeder neue Vorfall, sei es ein Femizid, ein Attentat oder sonst ein grosses Unglück, macht mich sehr betroffen. Und ich finde, wir müssen für diese Menschen sorgen.

Das Gespräch führte Anna Hug

Regionaljournal Zentralschweiz, 25.09.2026, 17:30 Uhr ;  stat;stes;noes

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