Vor Commonwealth-Treffen: Burnham offen für eine Entschuldigung für Sklaverei

Premier Andy Burnham kann sich ein offizielles Pardon für Großbritanniens Rolle beim transatlantischen Menschenhandel vorstellen. Reparationszahlungen schließt er aber aus.
Foto: Isabel Infantes/reuters
dpa | Im jahrzehntelangen Streit über den Umgang Großbritanniens mit der eigenen Rolle im Sklavenhandel ist Premierminister Andy Burnham offen für eine offizielle Entschuldigung. Reparationen schließt der Regierungschef aber wie seine Vorgängerinnen und Vorgänger aus. „Wir waren weltweit führend bei der Abschaffung der Sklaverei – und wir können heute wieder Führungsstärke zeigen“, schrieb Burnham in der Zeitung „The Guardian“.
Der Premierminister nimmt in der kommenden Woche am Treffen der Regierungschefs der Commonwealth-Nationen in der Karibik teil. Das heikle Thema der Sklaverei während der britischen Kolonialzeit war zuletzt durch die Reise von König Charles III. in die Karibik wieder aufgekommen. Mehrere karibische Staaten fordern, dass sich die Briten für ihre Rolle beim gewinnbringenden Verkauf versklavter Menschen entschuldigen und Reparationen leisten.
„Ich möchte mein Beileid und Bedauern über den Schmerz und das Leid so vieler Millionen zum Ausdruck bringen und anerkennen, wie dies unsere Welt bis heute prägt“, schrieb Burnham. Die britische Regierung biete einen strukturierten Dialog mit allen Betroffenen an. „Das Anhören von Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung im Namen des britischen Staates wird einen wichtigen Teil dieses Prozesses ausmachen, und ich bin dafür offen.“
Unveränderte Haltung zu Reparationen
Er sei aber nicht der Meinung, dass „die Briten von heute für historisches Unrecht, so abscheulich es auch sein mag, haftbar gemacht werden können“, sagte Burnham. Reparationszahlungen seien nicht „die richtige Antwort“. Besonders im 18. Jahrhundert war Großbritannien eine führende Sklavenhandelsmacht. Im Rahmen des transatlantischen Menschenhandels wurden Schätzungen zufolge rund drei Millionen Afrikaner von englischen Schiffen in die Karibik sowie nach Nord- und Südamerika transportiert.
Die Regierungschefin von Barbados, Mia Amor Mottley, begrüßte die Aussagen des britischen Premiers. Barbados bekenne sich zu diesem Dialog und werde in gutem Glauben daran teilnehmen, schrieb sie in einer auf der Plattform X verbreiteten Stellungnahme. Mottley bekräftige aber auch, dass die Ansichten beim Thema Reparationen auseinandergingen. „Wir sollten auf dieser gemeinsamen Grundlage aufbauen, während wir weiterhin über unsere Unterschiede sprechen“, schrieb sie.
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