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Friday, October 23, 2026

Ein SVP-Hardliner mit Charme: Marco Chiesa will Bundesrat werden

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  • Der Tessiner Ständerat Marco Chiesa (52) will für die SVP die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin antreten.
  • Nun entscheidet die Fraktion, ob sie Chiesa auf das offizielle Ticket setzt. Er gilt als parteitreu, aber umgänglich.
  • Chiesa verweist auf die «mittelfristige Vertretung» des Tessins, da viele einen baldigen Rücktritt von Ignazio Cassis erwarten.

Am Donnerstagnachmittag richten sich alle Augen in Bundesbern auf das SVP-Kandidatenkarussell um den frei werdenden Bundesratssitz des abtretenden Guy Parmelin. Doch niemand bewegt sich. Parallel dazu hält die SVP-Spitze ein Jahr vor den Wahlen ihre Pressekonferenz gegen die «Linken und Heimatmüden».

Wenige Stunden vor Bekanntgabe seiner Kandidatur referierte Chiesa am Donnerstag neben Parteipräsident Marcel Dettling über die Wahlen 2027.

Wenige Stunden vor Bekanntgabe seiner Kandidatur referierte Chiesa am Donnerstag neben Parteipräsident Marcel Dettling über die Wahlen 2027.20min/Christof Vuille

Auf dem Podium neben Wahlkampfchef Manuel Strupler und Präsident Marcel Dettling ist auch sein Vorgänger: Marco Chiesa erzählt auf Italienisch, warum man im nächsten Herbst unbedingt die SVP wählen müsse. Nach dem Auftritt scherzt er wie so oft mit Medienschaffenden und kokettiert mit einer Bundesratskandidatur, ohne etwas zu bestätigen.

Familiäre Situation: Kinder Mathias und Micol sind nun Teenager

Nur wenige Stunden später ist klar: Der 52-Jährige tritt an – wie auch der Berner Regierungsrat Pierre-Alain Schnegg. Chiesa begann seine politische Laufbahn auf kommunaler Ebene in Lugano, ehe er von 2007 bis 2015 im Tessiner Grossen Rat sass, zuletzt als Fraktionschef. 2015 wechselte der SVP-Politiker in den Nationalrat, seit 2019 vertritt er das Tessin im Ständerat. Von 2020 bis 2024 präsidierte er die SVP Schweiz, seit 2024 gehört er zudem dem Luganeser Stadtrat an.

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2023 führte er die SVP zu einem Wahlsieg und trat kurz danach als Parteichef zurück. Die langen Zugfahrten zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin dürften mit ein Grund gewesen sein. Denn neben der Politik ist Chiesa auch Familienvater. Seine Kinder Mathias und Micol sind mittlerweile aber Teenager, was den Entscheid für die Kandidatur wohl erleichterte.

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt Chiesa: «Mathias ist inzwischen volljährig, und Micol geht bereits ihren eigenen Weg.» Monja und er seien aber weiterhin für die beiden da und «begleiten sie dabei, ihr eigenes Leben aufzubauen».

Seine Ehefrau Monja spricht perfekt Schweizerdeutsch – was Marco Chiesa nicht von sich behaupten kann. Sein Deutsch ist zwar durchaus passabel, er trat auch bereits in der «Arena» gegen die politischen Gegner an. Oft argumentierte er aber auch nonverbal und mit einem gewissen Charme.

Tessiner Akzent schadete Chiesa nicht

Obwohl er die SVP-Positionen stramm vertrat und zum 1. August 2023 symbolisch den «Gender-Wahn» und «links-grüne Verbote» in die Luft jagte, war er für die Linken selten ein beliebtes persönliches Angriffsziel.

Die 1. August-Ansprache des damaligen SVP-Präsidenten sorgte landesweit für Schlagzeilen.

Gehen die Kameras aus, versteht er sich meist auch mit Personen, die eine andere Position vertreten. Diese Eigenschaft könnte ihm in den nächsten Wochen durchaus hilfreich sein.

Nun liegt es an der Fraktion, zu entscheiden, ob sie ihren früheren Parteipräsidenten auf das offizielle Ticket hieven will. Zwar ist der Kanton mit Ignazio Cassis (FDP) bereits in der Landesregierung vertreten. Allerdings rechnen viele Beobachter mit seinem Rücktritt in den nächsten Jahren.

Wie würdest du Marco Chiesa als Bundesratskandidaten beurteilen?

Chiesa selbst sagte zu «Ticinonews», dass man auch an die «mittelfristige Vertretung» der Sonnenstube denken müsse. Und aus seinem Umfeld heisst es, dass Cassis ohnehin ein «halber Italiener» sei – er gab die Doppelbürgerschaft kurz vor seiner Wahl in den Bundesrat auf.

Christof Vuille

Christof Vuille (vuc) leitet seit 2023 das Ressort Politik und ist Mitglied der Redaktionsleitung. Er berichtet für 20 Minuten nah am Puls der Bundespolitik.

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