Die etwas anderen News – So wird die erste Million zum Kinderspiel

Lisa Catena
Kabarettistin
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Wenn Politik Pointen erzeugt, ist Lisa Catena nicht weit. Sie betrachtet das politische Geschehen stets durch die ironische Lupe. Der Berner Satirikerin, Moderatorin, Musikerin und Kolumnistin gelingt immer wieder der Spagat zwischen scharfer Analyse und feinem Humor. Regelmässig spricht sie auch als Expertin für Künstliche Intelligenz, Kreativität und Digitalisierung auf verschiedenen Panels.
Haben Sie sich auch schon gefragt, warum Sie finanziell auf keinen grünen Zweig kommen? Obwohl Sie doch so viel machen? Ich kann es Ihnen erklären und verspreche Ihnen den Weg zur ersten Million.
Der Fehler von Machern wie Ihnen: Sie werden zu schnell fertig! Sie lösen ein Problem, werden einmal bezahlt und dann ist Schluss. Ökonomischer Blödsinn!
Survival of the most bureaucratic.
Der Profi macht es umgekehrt: Er sorgt dafür, dass das Problem nie verschwindet. Aus einem Problem macht er 1000 Rechnungen und schaut, dass auf möglichst vielen sein Name steht. «Survival of the most bureaucratic»! Hier die vier Techniken zum Millionär:
1. Technik: Verschleppen. Im Hitzesommer 2026 litten in den Altersheimen Betagte massiv. Sie als unbedarfter Praktiker würden nun sagen: «Kein Stress, bauen wir eine Klimaanlage ein.» Falsch – daran verdienen sie kaum. Zuerst braucht es ein Hitzekonzept, eine Energieanalyse, ein Beschaffungsverfahren und ein Pilotprojekt im Aufenthaltsraum West – danach einen Bericht, ob sich das auf den Aufenthaltsraum Ost übertragen lässt. So fängt es finanziell an, zu laufen!
Das Problem ist zwar nicht gelöst, aber hey, das Geld hat etwas erlebt!
2. Technik: Aussitzen. Dass unsere Städte Hitzeinseln sind, weiss man seit Jahren. Einfach ein paar Bäume verkaufen? Das bringt dem Portemonnaie nur einmal was. Nein: zuerst Hitzeinseln kartieren, eine Schwammstadtstrategie erarbeiten, Wurzelraumkonflikte mit Werkleitungen prüfen, einen Projektkredit beantragen. Das Problem ist zwar nicht gelöst, aber hey, das Geld hat etwas erlebt. Und läuft alles gut, pflanzt der Verwalter 2037 den ersten Baum. Und 2038 kommt die Studie, dass man wegen der inzwischen höheren Temperatur eine andere Baumart braucht.
3. Technik: Pathologisieren. Die neuste Pisa-Studie zeigt: Lese- und Mathematikkenntnisse gehen dramatisch zurück. Der Macher in Ihnen sagt: Das Kind kann nicht lesen, also soll es lesen lernen. Wie verantwortungslos!
Vielleicht hat das Kind ja gar keine Leseschwäche, sondern eine temporäre schriftsprachliche Potenzialentfaltungsblockade.
Zuerst braucht es eine Abklärung, eine Förderdiagnostik, ein Standortgespräch, einen Lese-Coach und sensibilisierte Eltern. Vielleicht hat das Kind ja gar keine Leseschwäche, sondern eine temporäre schriftsprachliche Potenzialentfaltungsblockade. Sie würden dem Kind einfach ein Buch geben? Aber dann verpasst es die ganze Betreuungskette!
4. Technik und Königsdisziplin: Wegschauen, wie Viola Amherd beim F-35. Sie Dilettant hätten einfach den Vertrag gelesen, den Fixpreis geprüft, gemerkt: den gibt es gar nicht – also nicht unterschreiben. Stattdessen haben Heerscharen von Juristen, die VBS-Spitze, die Bundesrätin mit Anwaltspatent und externe Kanzleien zu über 800 Franken die Stunde den Vertrag professionell … nicht gelesen.
Der eine könnte die Verträge nicht lesen, die andere nicht unterschreiben.
Verstehen Sie das Erfolgsprinzip? Alle verdienten prächtig. Und die Mitte-Partei hat gelernt und will einen zweiten Bundesratssitz. Nach dem GPK-Bericht fände ich zwei Mitte-Bundesräte super: Der eine könnte die Verträge nicht lesen, die andere nicht unterschreiben.
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