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Monday, October 26, 2026

Umbau beim Detailhändler – Migros-Führung will Konzern komplett umbauen

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  • Die Migros-Führung will ihre zehn Regionalgenossenschaften zu einer Gruppengenossenschaft zusammenführen.
  • Damit will der Detailhandelskonzern seine komplizierten Führungsstrukturen vereinfachen.
  • Die Genossenschafter sollen Mitte 2027 final darüber abstimmen.
  • Zum Zeitpunkt der Abstimmung 2027 wollen Migros-Chef Mario Irminger und Peter Diethelm, Chef der Migros Supermarkt AG, ihr Amt abgeben.

Die Verwaltungen aller zehn Regionalgenossenschaften und des MGB haben dem Vorhaben einstimmig zugestimmt, wie die Migros mitteilt.

An der Medienkonferenz begründeten die Präsidentinnen und Präsidenten der Regionalgenossenschaften ihre Zustimmung vor allem mit dem zunehmenden Wettbewerbsdruck. «Der Wettbewerb ist hart», sagte der Basler Migros-Präsident Miguel Serrano mit Blick auf den Einkaufstourismus nach Deutschland und Frankreich. Ein schweizweit einheitlich geführtes Supermarktgeschäft mache die Migros zukunftsfähiger.

Zwei Personen stehen an einem Podium, eine spricht, während die andere zuhört.
Legende: Migros-Chef Mario Irminger und Verwaltungspräsidentin Ursula Nold stehen hinter dem grössten geplanten Umbau des Detailhändlers seit Jahrzehnten. KEYSTONE/Peter Klaunzer

Auch Zürichs Genossenschaftspräsident Hans-Ruedi Christen sieht Handlungsbedarf. «Auch eine grosse Genossenschaft wie die Migros Zürich kann diese Herausforderung nicht alle innerhalb ihrer bisherigen Grenzen lösen», sagte er.

Finale Abstimmung der Genossenschafter Mitte 2027

Die 2.3 Millionen Genossenschafter sollen Mitte 2027 in einer Urabstimmung endgültig darüber entscheiden. In jeder der zehn Regionalgenossenschaften ist dafür eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.

Die grösste Herausforderung dürfte sein, die Genossenschafter vom Verlust der regionalen Eigenständigkeit zu überzeugen. Besonders in der Westschweiz, im Tessin und im Wallis betonten die Präsidien die Bedeutung lokaler Identität, unterschiedlicher Kundenbedürfnisse und regionaler Produzenten.

Der Umbau bei der Migros geht weiter. Nachdem die Migros seit 2024 zahlreiche Tochtergesellschaften verkauft (z.B. Hotelplan) und geschlossen hat (z.B. Do it+Garden), setzt die Führung nun beim Kern ihrer Struktur an: bei den regionalen Genossenschaften.

Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler hatte in den 1940er-Jahren bewusst eine dezentrale Organisationsform mit eigenständigen, regionalen Genossenschaften gewählt, weil er einer starken Zentrale misstraute. Bis anhin galt dieses Erbe als unantastbar.

Doch in den vergangenen Jahren ist der wirtschaftliche Druck auf die regionalen Genossenschaften und die Migros-Zentrale so gross geworden, dass dieser Schritt nun unausweichlich wurde. Damit will die aktuelle Führung um Mario Irminger den Grundstein legen für eine Migros, die für die Zukunft gerüstet ist und sich im harten Wettbewerb im Detailhandel behaupten kann. In der jetzigen Form wäre das nicht mehr automatisch gegeben gewesen.

Kurzeinschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim

Die neue Gruppengenossenschaft soll das Dach über den sieben weiterhin eigenständig operierenden Geschäftseinheiten bilden. Dazu gehören neben Migros Supermarkt unter anderem Denner, Digitec Galaxus und die Migros Bank. Das Supermarktgeschäft soll künftig schweizweit aus einer Hand geführt werden.

Sechs Regionalräte geplant

Die bisherigen regionalen Führungsstrukturen sollen weitgehend abgelöst werden. Stattdessen sind sechs Regionalräte vorgesehen, die die Anliegen der Regionen einbringen und die Delegierten für die nationale Delegiertenversammlung wählen. Welche Kompetenzen diese tatsächlich erhalten, ist noch offen.

Laut einem Bericht der «SonntagsZeitung» könnten durch die Neuorganisation rund 3000 Stellen wegfallen. Das mögliche Einsparpotenzial wird auf jährlich 300 bis 400 Millionen Franken geschätzt. Die Migros nennt in ihrer Mitteilung weder konkrete Einsparziele noch genaue Angaben zur Anzahl der betroffenen Stellen. Sie verspricht vielmehr, dass es in den Regionalgenossenschaften bis mindestens Mitte 2028 keine organisationsbedingten Entlassungen geben werde. Die Veränderungen beträfen vor allem Verwaltung und Management.

Mit der geplanten Fusion kommt es auch zu einem Führungswechsel. Migros-Chef Mario Irminger und Peter Diethelm, Chef der Migros Supermarkt AG, wollen ihre Funktionen auf den Zeitpunkt der Urabstimmung Mitte 2027 abgeben. Die Nachfolgerinnen oder Nachfolger von Irminger und Diethelm sollen aber möglichst schon vorher klar sein: »Das Ziel ist es, bis Anfang 2027 Nachfolgerinnen und Nachfolger zu präsentieren», sagte Präsidentin Ursula Nold vor den Medien in Bern. Eine Findungskommission prüfe interne und externe Kandidatinnen und Kandidaten.

Die Migros befindet sich seit 2024 in einem tiefgreifenden Umbau. Chef Mario Irminger vollzog den bisher grössten Umbau ihrer Geschichte. Verlustbringende oder nicht mehr zum Kerngeschäft passende Unternehmen wurden abgestossen. Mit dem Verkauf von Fachmarktketten und anderen Geschäften wie Melectronics, SportX, Micasa, Hotelplan oder Mibelle konzentriert sich die Migros künftig auf die Bereiche Detailhandel, Finanzdienstleistungen und Gesundheit. Mit der Umstrukturierung fielen gegen 1500 der insgesamt rund 100’000 Stellen weg. Die komplizierte Genossenschaftsstruktur gilt seit Jahrzehnten als Hindernis für schnellere Entscheidungen. Bereits in den 1990er-Jahren scheiterte ein Versuch, die damals zwölf Regionalgenossenschaften auf drei zu reduzieren. Der Konkurrent Coop legte seine Regionalgenossenschaften bereits 2001 zusammen.

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