Neue Jobs: Freelancer flicken jetzt seelenlosen «AI-Slop»

- Immer mehr Firmen lassen aus Kostengründen Texte, Bilder und Videos von KI erstellen statt von menschlichen Profis. Mit oft unbrauchbaren Resultaten.
- Freelancer sollen den «AI-Slop» dann korrigieren, meist für wenig Geld.
- Die Zahl der Inserate für KI-Fehlerkorrekturen auf der Vermittlungsplattform Freelancer.com stieg innerhalb eines Jahres um 87 Prozent auf 10’760.
- Für Freelancer ist das ein zweischneidiges Schwert: mehr Aufträge, aber tiefere Löhne und kaum kreative Arbeit.
Logos mit verwischten Linien, ein Code, der abstürzt, Texte, die klingen, als seien sie von Robotern geschrieben: KI-generierte Inhalte fluten den Markt, doch die Resultate überzeugen oft nicht. Immer mehr Unternehmen holen deshalb Freelancer und Freelancerinnen, um solche KI-Debakel auszubügeln. Das Paradoxe daran: Ausgerechnet die, die früher die Kreativarbeit machten, müssen heute stumpf hinter der KI herputzen, die ihnen den Auftrag gekostet hat.
Zahlen zeigen einen klaren Trend
Die britische Zeitung «The Guardian» berichtet von einer wachsenden Zahl kreativer Freelancer, die sogenannten «AI-Slop» (siehe Box) korrigieren. Auf Freelancer.com, einer Plattform zur Vermittlung selbstständiger Arbeitskräfte, stieg die Zahl der Inserate mit Begriffen wie «KI-Fehler korrigieren» zwischen August 2025 und Juni 2026 um 87 Prozent auf 10’760.
Was bedeutet «AI-Slop»?
«AI-Slop» (auf Deutsch übersetzt «KI-Müll») bezeichnet minderwertige, in grosser Menge von KI-Tools produzierte Inhalte: generische Blogtexte, fehlerhafte Programmcodes, Bilder mit anatomischen Fehlern oder fehlerhafte Videoclips. Der Begriff hat sich in Medien und Fachkreisen etabliert, seit solche Inhalte in grossen Mengen im Netz auftauchen und Aufwand für Korrekturen und Richtigstellungen verursachen.
Upwork, eine weitere Vermittlungsplattform, habe innerhalb eines Jahres 70 Prozent mehr solcher Reparaturaufträge verzeichnet. Beim Dienstleistungsmarktplatz Fiverr seien die Suchanfragen nach «AI cleanup» zwischen 2023 und 2026 auf mehr als das Zwanzigfache gestiegen. Besonders häufig gehe es um Grafikdesign. Danach folgten Videobearbeitung, Lektorat und das Schreiben von Texten.
Mehr Arbeit, weniger Lohn, kaum Kreativität
Bei der freiberuflichen Grafikdesignerin Lisa, die in Spanien arbeitet, hätten 2025 nach eigenen Angaben 90 Prozent der Anfragen für Logo- und Verpackungsdesign die Korrektur KI-generierter Inhalte betroffen. Laut «Guardian» machten diese Arbeiten rund 60 bis 70 Prozent ihres Jahreseinkommens aus. Weiter heisst es: Die Kunden boten ihr sehr tiefe Preise an, aber manche KI-generierten Designs waren so fehlerhaft, dass sie diese von Grund auf neu erstellen musste. Dazu machte sie sich Sorgen, an KI-bedingten Urheberrechtsverletzungen beteiligt zu sein. «Es war so seelenlos», sagt Lisa, die sich nun auf «handgemachte Designs» konzentrierte.
Wie verändert KI deine Sicht auf kreative Arbeit?
Bei der australischen Autorin und Lektorin Kym Dunbar machen Reparaturaufträge inzwischen rund 60 Prozent der Arbeit aus, berichtet der «Guardian» weiter. Gleichzeitig seien ihre monatlichen Einnahmen aus eigenen Texten auf etwa ein Drittel des Niveaus von während der Pandemie gefallen. Dunbar, so heisst es, hat bereits rund 40 KI-generierte Sachbücher, Fachtexte und längere Artikel überarbeitet.
Ob diese neue Art von Jobs bleibt, sei offen. Dunbar rechnet damit, dass ein Teil der Aufträge innerhalb von fünf bis zehn Jahren wegfallen könnte, wenn KI-Modelle bessere Resultate liefern.
Der Zeitaufwand wird unterschätzt
Matt Barrie, Chef von Freelancer.com, erklärte dem «Guardian», die Aufträge kämen häufig von kleinen Unternehmen und Unternehmern, die KI für einen ersten Entwurf nutzten und dann auf Probleme stiessen, die sie selbst nicht lösen könnten. Die gemeinsame Klage der Freelancer lautet: Auftraggeber unterschätzen teilweise den Aufwand und rechnen für aufwendige Korrekturen viel zu wenig Zeit ein.
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Michael Andai (mia) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Er ist seit 2025 AI-Journalist und schreibt über alles rund um künstliche Intelligenz.
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