«Idiota!»

Weinfelder Behördenschreck Giuseppe Grasso hat jetzt Puff mit der Polizei
«Idiota!»
20 Jahre lang zoffte sich Giuseppe Grasso – mit dem Nachbarn, mit der Gemeindeverwaltung, mit Ämtern, Richtern und Anwälten. Jetzt hat er einen Strafbefehl erhalten – und zählt neu auch die Polizei zu seinen Feinden.
Publiziert: 00:05 Uhr
- Giuseppe Grasso muss nach einer Verkehrskontrolle im Thurgau insgesamt 2117 Franken zahlen
- Laut Strafbefehl missachtete er Polizeianweisungen, schrie und widersetzte sich der Kontrolle
- Seit 2005 streitet Grasso mit einem Nachbarn, der Fall liegt nun beim Bundesgericht in Lausanne
Sandro ZulianReporter News
In Weinfelden TG ist Giuseppe Grasso (64) etwa so bekannt wie ein bunter Hund. Seit Jahrzehnten macht der ehemalige Gastronom Schlagzeilen in der Ostschweiz.
Jetzt kommt die nächste hinzu. Grasso erhielt einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft und muss über 2000 Franken bezahlen – weil er sich bei einer Verkehrskontrolle danebenbenommen hat. Der Behördenschreck ist stinksauer!
Grasso wurde festgenommen
Die Thurgauer Kantonspolizisten winkten Grasso gemäss rechtskräftigem Strafbefehl am 4. September 2026 raus, weil er eine Haltelinie überfahren hatte, ohne ganz anzuhalten.
Statt auf den Kontrollplatz zu fahren,sei Grasso mit seinem Alfa Romeo Stelvio dann «entgegen den Anweisungen der Polizei mitten auf der Strasse» stehen geblieben. Bevor er auf den Kontrollplatz lenkte, «fuhr der Beschuldigte abrupt circa einen halben Meter nach vorne». Dabei habe er keine Rücksicht auf die Polizisten genommen.
Während der Kontrolle habe er sich dann geweigert, seine Papiere zu zeigen und «widersetzte sich lautstark». Es kam, wie es kommen musste: Grasso wurde von den Thurgauer Kantonspolizisten unsanft aus dem Auto geholt und «trotz erheblichem Widerstand» festgenommen.
«Criminal Polizia»
Blick besucht den Weinfelder Wüterich, der ursprünglich aus Italien stammt, einmal mehr. Grasso führt den Reporter in ein Büro in Weinfelden; direkt davor steht sein Alfa Romeo. Neben einer Hantelbank und einem Bücherregal steht sein Laptop. Eine Internetverbindung hat sein Computer nicht. Grasso ist misstrauisch.
Auf seiner Harddisk hat er sämtliche Dokumente fein säuberlich abgelegt. Dort finden sich nicht nur Unterlagen zu all seinen Streitigkeiten mit einem Nachbarn, mit Gerichten und mit Anwälten, sondern auch ein Ordner, der den Namen «Criminal Polizia» trägt. «Thurgauer Polizisten sind kriminell», sagt er. «Sie wollen mir immer, immer, immer Busse, Busse, Busse machen.»
Grasso zeigt Blick Videoaufnahmen seiner Armaturenbrett-Kamera, die vom genannten Tag stammen sollen. Ob das wirklich so ist, lässt sich nicht verifizieren. Darauf zu sehen: Grasso hält vorschriftsgemäss an einer Haltelinie. Danach setzt die Videoaufnahme aus. «Ich habe die Kamera abgestellt und erst später wieder eingestellt», so Grasso. Die nächsten Szenen zeigen eine Kontrolle der Polizei und man hört, wie Grasso immer wieder «Idiota!» schreit. «Ich habe ihnen nur gesagt, dass ich selber aussteigen kann.» Grassos Beifahrer steht vor dem Auto und schaut der Szenerie zu.
Für Grassos Intermezzo mit der Polizei muss er eine unbedingte Geldstrafe von 1000 Franken und eine Busse von 300 Franken bezahlen. Es ist nicht sein erstes Strassenverkehrsdelikt. Inklusive Verfahrens-, Untersuchungs- und Polizeikosten gibt das eine Rechnung von 2117 Franken. Er ist sich sicher: Seit er als Behördenschreck bekanntgeworden ist, hat die Polizei etwas gegen ihn und nimmt ihn gezielt raus.
Aufsehenerregende Aktionen
Berühmt geworden ist Giuseppe Grasso wegen eines Nachbarschaftsstreits, der seit 2005 tobt. Jahrelang tropfte immer wieder Wasser durch die Sandsteinmauer von Grassos Liegenschaft und richtete Feuchtigkeitsschäden an.
Gemäss Grasso konnte das Wasser nur von der Bewässerung des Nachbarn stammen. Von 2005 bis 2022 prozessierte der Gastronom immer wieder gegen den Nachbarn – erfolglos. Er blieb auf zehntausenden Franken Prozesskosten sitzen.
Für drei Stunden in den Knast
Später musste Grasso sogar in den Knast – oder besser gesagt – er wollte. Weil er beim Nachbar ins Grundstück eingedrungen war, diesen sogar geschlagen und dessen Auto einen Kick verpasst hatte, sollte Grasso eine Busse bezahlen. Doch er sass lieber ein! Doch dann hielt er es nur drei Stunden im Knast aus. «Ich wusste nicht, dass die Zellen so versifft sind!», sagte er damals zu Blick.
Nur ein halbes Jahr später lag plötzlich Grünabfall vor dem Weinfelder Gemeindehaus. Hingekarrt hatte den Müll: Wieder Grasso! «Mafia Weinfelden!», sagte er dazu. Vor zwei Jahren dann der vorläufig letzte Artikel über Grasso: Der Weinfelder Behördenschreck war pleite.
Fertig scheint Grasso noch lange nicht zu sein. Der Fall mit seinem ehemaligen Nachbarn liegt aktuell beim Bundesgericht in Lausanne. Stolz zeigt Grasso Selfies vor dem ehrwürdigen höchsten Gericht in der Schweiz. Seine letzte Paragraphen-Schlacht hat er defintiv noch nicht geschlagen.
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