SBB testet KI in Zügen: Überwachungskameras zählen Fahrgäste

- Die SBB testet mit einem ETH-Spin-off eine KI-Fahrgastzählung in Echtzeit, um volle Züge besser zu erfassen.
- Das System nutzt die bestehenden Überwachungskameras und zählt Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen.
- Es soll keine Gesichter erkennen; eine Einführung ist frühestens ab 2029 vorgesehen.
Volle Züge sind ein Ärgernis: Die 82-jährige Rosmarie musste an einem Samstagnachmittag die ganze Zugfahrt von Luzern nach Zürich stehen. Gegen das Gedränge im Zug will die SBB jetzt mit Künstlicher Intelligenz (KI) vorgehen, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.
So funktionierts
Aktuell beruht die Auslastungsanzeige der Züge in der SBB-App auf Prognosen. Nun installiert die SBB optische Sensoren an den Eingängen. Gleichzeitig testet sie in Zusammenarbeit mit dem ETH-Spin-off Parquery eine KI-Fahrgastzählung in Echtzeit. Das System greift dabei auf den Videostrom der bestehenden Überwachungskameras in den Zügen zu.
Die Kameras zählen die Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen, nach eigener Angabe mit einer Präzision von 98 Prozent. So hätten die KI-Algorithmen mittlerweile auch gelernt, dass eine Person, die beim Einsteigen in den Zug einen Hut trug, beim Aussteigen aber nicht mehr, immer noch dieselbe Person ist.
Was passiert mit den Daten?
Das Unternehmen versichert gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass das System keine Gesichter erkennt. «Es findet keine Gesichtserkennung, keine biometrische Vermessung und keinerlei Identifikation von Personen statt», sagt Parquery-CEO Andrea Fossati. Die SBB gibt an, sich bei einem allfälligen Einsatz der Lösung mit dem Datenschutzbeauftragten abzustimmen.
Kommt das System über den Test hinaus?
«Eine reguläre Einführung in den Zügen ist frühestens ab 2029 vorgesehen», sagt Fossati. Eine SBB-Sprecherin sagt hingegen, es stehe noch nicht fest, ob und wann die neue Lösung zum Einsatz kommen wird. Die SBB sind bereits vor einigen Jahren mit einem System zur Kundenfrequenzmessung in Bahnhöfen in die Kritik geraten, weil die Kameras zur Gesichtserkennung fähig waren.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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