Fit und munter dank Rollator – Mit Rollatoren aus der Einsamkeit: Reinacher Gruppe macht es vor

Dienstagmorgen, kurz vor 9:30 Uhr: Beim Coop im Zentrum von Reinach BL treffen sich zehn ältere Menschen, alle mit einem Rollator. Sie kommen zum Treffen der Rollator-Gruppe.
«Saugut», sei dieses Treffen, sagt die 94-jährige Beatrice Schuler mit breitem Lachen im Gesicht. Manche schämten sich sonst, mit dem Rollator spazieren zu gehen. Diese Hemmungen verflögen, wenn man sich in der Gruppe träfe. «Wir haben ja alle einen.»
Zusammen gehen und reden ist schön.
Theo Schaller gehört mit 79 Jahren zu den jüngeren der Gruppe. Bewegung sei gut, sagt er bei strahlender Sonne, etwas anderes sei aber im Alter besonders wichtig: «Wir lachen immer.»
Die gut gelaunte Gruppe trifft sich jeden Dienstagmorgen zum Spaziergang mit dem Rollator. Meistens sind es gegen ein Dutzend Seniorinnen und Senioren. Kommen kann, wer Lust dazu hat; sich anzumelden ist nicht nötig.
Bei der Rollator-Gruppe spielen auch Gespräche eine wichtige Rolle. «Zusammen gehen und reden ist schön», sagt die 81-jährige Rosa Marie Wohlwender. Der 84-jährige Bernhard Utiger pflichtet ihr bei: «Es gibt nichts Besseres als Reden miteinander – das kann kein Tablet und kein Computer ersetzen.»
Gehen ist die beste Medizin fürs Alter.
Die Gruppe entstand, weil einigen die schon länger aktive Laufgruppe zu schnell unterwegs war. Die Rollator-Gruppe bleibt auf guten ebenen Strassen und macht jeweils mehrere Pausen.
«Diese Pausen sind bei uns wichtig!», sagt René Fasnacht lachend. Der 81-jährige hat die Rollator-Gruppe ins Leben gerufen. Früher arbeitete er in Basel-Stadt in Kaderfunktionen im Gesundheitsbereich.
Nach Reinach BL umgezogen, bot er der Gemeinde an, Angebote für Menschen über 75 Jahre aufzubauen. Oft kämen die Beschwerden just in diesem Alter, sagt Fasnacht. «Gehen ist die beste Medizin fürs Alter.»
Im Reinacher Gemeinderat ist Peter Meier für das Ressort Alter zuständig. Es gebe auch Menschen, die nicht unbedingt im Altersheim wohnen müssten, sagt er. Bewegungsangebote könnten helfen, länger in den eigenen vier Wänden zu bleiben.
In Reinacher Alterszentren leben viele Seniorinnen und Senioren mit tiefer Pflegestufe. Für diese Gruppe wirft die Gemeinde fast eine halbe Million Franken auf – pro Monat. Wenn Leute mit wenig Betreuungsbedarf statt im Heim zu Hause leben könnten, wäre es weit weniger, schätzt Meier.
Deswegen unterstütze die Gemeinde auch diverse Aktivitäten zur Gesundheitsvorsorge, wie etwa Rhythmuskurse zur Vermeidung von Stürzen. «Jeder Franken, den wir in Prävention investieren, ist Gold wert».
Reinach ist die zweitgrösste Gemeinde des Kantons Basel-Landschaft. Hier im Birstal leben besonders viele Seniorinnen und Senioren. Der Kanton ist einer der ältesten der Schweiz – nur im Tessin, Graubünden und Nidwalden leben heute mehr über 65-Jährige.
Neben Zuschüssen für präventive Aktivitäten zahlt Reinach seit Anfang Jahr auch Altersgutschriften an jene, die Hilfe brauchen, wenn sie weiter alleine wohnen. Zum Beispiel kann einen Zustupf bekommen, wer sich Essen nach Hause liefern oder zum Duschen eine Tür in die Badewanne einbauen lässt. Seine Gemeinde orientiere sich an Angeboten, wie sie zum Beispiel die Städte Zürich und Bern bereits kennen, sagt Meier.
Wie viele Menschen genau dank diesen Angeboten länger daheim wohnen können, weiss die Gemeinde bisher nicht. Gute Rückmeldungen gebe es schon, sagt Meier. So viele, dass bald eine weitere Laufgruppe gegründet werde, in einem anderen Teil der Gemeinde.
Nach einer Stunde ist die Rollator-Gruppe im Seniorenzentrum Aumatt angekommen. Und da muss sie sich stärken: Es gibt Getränke. Danach gehen die betagten Leute wieder nach Hause – und manche freuen sich bereits auf kommenden Dienstag, auf den nächsten Rollator-Gruppenausflug.
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