Mit wem sich Selenski gerade alles anlegt

Vier mächtige Männer
Mit wem sich Selenski gerade alles anlegt
Wolodimir Selenski hat gerade Ärger an allen Ecken und Enden: Trump droht wegen Angriffen auf russische Energieanlagen, Klitschko wehrt sich gegen Vorwürfe zur Vorbereitung auf den Winter und Südkorea ruft seinen Diplomaten zurück. Im Hintergrund wartet zudem ein weiterer mächtiger Mann auf seine Chance.
Publiziert: vor 7 Minuten
- Mit Trump streitet Selenski über Energieangriffe
- Klitschko weist Vorwürfe zu Kiews Wintervorsorge zurück
- Seoul protestiert wegen Gefangener, Fedorow stichelt im Hintergrund
Marian NadlerRedaktor News
Wolodimir Selenski kämpft politisch für sein Land. Dabei kann es auch abseits des Schlachtfelds gewaltig krachen. Ob US-Präsident Donald Trump (80), Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko (55) oder Südkoreas Staatschef Lee Jae-myung (61): Selenski liegt derzeit gleich mit mehreren Politikern im Clinch. Blick zeigt, mit wem sich der Ukrainer gerade anlegt – und warum.
US-Präsident Donald Trump
Der neueste Streitpunkt zwischen dem US-Präsidenten und seinem ukrainischen Konterpart: ein von Trump verkündeter Energie-Waffenstillstand und eine damit verbundene Drohung in Richtung Kiew. US-amerikanische Verhandler sollen angedeutet haben, dass der Austausch von Geheimdienstinformationen eingestellt würde, wenn die Ukraine weiter russische Energieinfrastruktur und Ölraffinerien ins Visier nimmt.
Selenski bemängelte am Dienstag öffentlich auf der Plattform X, die Ukraine sei «von unseren Partnern» – gemeint sein dürften vor allem die USA – nicht vor einem «besonders feigen» Angriff der Kreml-Truppen gewarnt worden.
«Aber direkte oder indirekte Unterstützung für Russland, das Verlangsamen der Hilfe für die Ukraine und das Erschweren des Schutzes von Leben gegen ballistische Raketen wird den Frieden sicherlich nicht fördern», fügte Selenski hinzu. Ein starkes Amerika sei notwendig für Frieden. Ein klarer Seitenhieb auf Trump, dem es nicht gefallen dürfte, dass Selenski ihn und seine Regierung indirekt schwach nennt.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko
Vitali Klitschko (55) und Selenski gerieten schon häufiger aneinander. Am vergangenen Freitag verpasste der ukrainische Präsident dem Ex-Boxer eine verbale Breitseite, indem er kritisierte, die Kiewer Stadtführung habe es verpasst, sich ausreichend auf den Winter vorzubereiten.
Der Präsident nannte die Verzögerungen bei den Wintervorbereitungen inakzeptabel. «Wir haben Kiew gesonderte Aufgaben gestellt – weil die Stadtbehörden es fast vollständig versäumt haben, die notwendigen Schritte einzuleiten», erklärte er laut dem Nachrichtenportal Livyi Bereh. Wirklich konkrete Massnahmen nannte Selenski nicht, es dürfte ihm aber um eine widerstandsfähige Strom- und Wärmeversorgung für die Zivilbevölkerung gehen.
Klitschko wehrte sich und erhob seinerseits Vorwürfe. Die Stadt habe Kredite aufgenommen, doch die Staatskasse habe Gelder für wichtige Infrastrukturarbeiten nicht freigegeben. Am Dienstag bezeichnete er die Anschuldigungen Selenskis während einer Veranstaltung der Stadtverwaltung zudem als unbegründet.
Selenski reagierte darauf mit einem pampigen Post auf X. «Stand Mitte Oktober ist die Umsetzung der Resilienzpläne landesweit – sogar in Grenz- und Frontregionen – weiter fortgeschritten als in Kiew. Und die Bewohner Kiews spüren das zweifellos – wenn selbst isolierte Treffer durch Schaheds zu Strom- und Wasserausfällen in grossen Teilen der Hauptstadt führen», schrieb er. Er führte weiter aus, dass er mit Konsultationen zu dringenden Sicherheits- und Managementmassnahmen begonnen habe. «Es muss Bereitschaft herrschen, so schnell wie möglich zu arbeiten, auf jede Sicherheitsherausforderung zu reagieren und sicherzustellen, dass die getroffenen Entscheidungen umgesetzt werden», betonte er.
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Selenski macht den Schutz der Hauptstadt zu seiner eigenen Aufgabe. Das dürfte Klitschko nicht gefallen. Ein Ende des Machtkampfs ist nicht in Sicht.
Südkorea-Präsident Lee Jae-myung
Wegen zwei nordkoreanischen Kriegsgefangenen hängt der Haussegen zwischen Kiew und Seoul schief. Selenski plauderte im September vor der Uno aus, dass die Ukraine die beiden Soldaten nach Südkorea überstellt habe. Für Seoul kam das überraschend.
Die Südkoreaner gaben bekannt, man habe eigentlich Geheimhaltung dazu vereinbart. Präsident Lee Jae-myung (62) forderte eine Entschuldigung und drohte mit Konsequenzen. Inzwischen hat Südkorea sogar seinen Botschafter aus der Ukraine zurückgerufen. Ein ungewöhnlich deutlicher diplomatischer Protest zwischen zwei Staaten, die eigentlich gemeinsame Sicherheitsinteressen haben.
Ex-Minister Mychajlo Fedorow
Einst zählte er zu Selenskis engsten Vertrauten, jetzt piesakt der alte Wegbegleiter den ukrainischen Präsidenten. Im Juli hat Selenski Mychajlo Fedorow (35) nach nur sechs Monaten im Amt des Verteidigungsministers abgesetzt – und löste damit landesweite Proteste aus. Fedorow, der als Architekt des ukrainischen Drohnenprogramms gilt, forderte daraufhin sogar Wahlen während des Kriegs und kritisierte Korruption und mangelnde Transparenz. Selenski warnte, eine Abstimmung könnte das Land spalten.
In der vergangenen Woche meldete sich Fedorow in der «Washington Post» erneut zu Wort. Darin warnte er vor einem technologischen Vorsprung Russlands bei KI-Waffen und forderte mehr Tempo bei deren Entwicklung. Dieser Streit schwelt aktuell also eher im Hintergrund, die Kritik trifft mehr das Militär als Selenski direkt.
0:45
Sein Geduldsfaden ist gerissen:Hier fällt Trump Selenski in den Rücken
Aber: «Bloomberg» berichtete am Montag, dass US-Präsident Donald Trump sich eine neue Führung in Kiew wünscht. Die Chance für Fedorow?
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.